Beschreibung
lat. Feuchtigkeit, Saft, in der Antike gesunde Mischung der Körpersäfte als Vorbedingung für „gute Stimmung“. Humor ist einer der drei Grundpfeiler des schlaraffischen Spiels (siehe Schlaraffen-Spiegel § 1), eine Gemütsverfassung, die nach Fontane „das Darüberstehen, das heiter souveräne Spiel mit d...
Volltext
lat. Feuchtigkeit, Saft, in der Antike gesunde Mischung der Körpersäfte als Vorbedingung für „gute Stimmung“. Humor ist einer der drei Grundpfeiler des schlaraffischen Spiels (siehe Schlaraffen-Spiegel § 1), eine Gemütsverfassung, die nach Fontane „das Darüberstehen, das heiter souveräne Spiel mit den Erscheinungen des Lebens“ ermöglicht; es ist das Liebenswerte zu erkennen, da es „für ihn keine einzelne Torheit, keine Toren, sondern nur Torheit und eine tolle Welt gibt und vor der Unendlichkeit alles gleich ist und nichts“ (Jean Paul). Als „Gabe des Herzens“ und „komischer Weltgeist“ gewährt der Humor „dem Menschen Freilassung“, Leichtigkeit, Flucht; er ist als „Sache des Betrachters“ (N. Hartmann). Das verstehende Ertragen, die resigniert-lächelnde Abwehrgeste des Humors deshalb als Ausdruck von Sympathie zu unterscheiden vom verletzenden Spott der Satire, der kritischen Ironie und der eher derben Komik. Die Blütezeit des Humors wurde eingeleitet von Jean Paul, der auch als dessen erster Theoretiker gilt. Der Humor sieht am Ernsthaften und Großen das Unbedeutende und Kleine, ohne jedoch jenes kritisch zersetzend zu verneinen. Umgekehrt sieht der Humor auch am Vernunftwidrigen noch das Vernünftige. Er ist ohne Schärfe, im Gegensatz zur Satire, und getragen von Ernst und Liebe und großer Freiheit des Geistes. Er hat tiefe Beziehung zur philosophischen Haltung. „Der Humorist treibt immer Metaphysik“, meint Fr. Th. Vischer. Humor ist die auf großer Charakterstärke beruhende, höchste Form der Selbstbehauptung gegenüber den Sinnlosigkeiten des Daseins und den bösen Zufällen, gegenüber menschlichen Böswilligkeiten. Er ist auch das Mittel, sich selbst richtig zu erkennen, sich weder zu gering noch zu hoch zu achten. „Wer sich nicht selbst zum besten haben kann, der ist gewiß nicht von den Besten.“ sagt Goethe
Quelle: Lulupedia Import