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Nachdem die Leipziger Staatspolizei den Bundesführer des BDS Rt Pfifficus eingehend vernommen hatte, signalisierte sie, dass es keine Bedenken gegen die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister gäbe. Die Eintragung bei Amtsgericht Leipzig erfolgte am 22.11.34. Dazu wurde die Vereinssatzung geändert. In dieser Satzung wurden die Gleichschaltungsmaßnahmen (Arisierung, Abkoppelung von der ausländischen Vereinsleitung und Realisierung des Führerprinzips) berücksichtigt. Neu war, dass Mitglieder der deutschen Schlaraffia nicht mehr einen "unbescholtenen Ruf“ haben und "im reiferen Lebensalter" stehen, sondern sich (nur noch) "auf nationalem Boden befinden" mussten. Ferner wurde die Aufnahmevoraussetzung einer "gesicherten Stellung" durch "ungeachtet der Lebensstellung" ersetzt. Satzungsgemäß verboten blieben weiterhin "Erörterungen von politischen, religiösen und geschäftlichen Angelegenheiten". Außerdem wurden die vom Allmutterreych Praga vorgegebenen Farben Allschlaraffias Blau-Gelb nationalbewusst durch die Farben der Reichsflagge schwarz-weiß-rot ersetzt. Es folgt hier ein Kommentar zu den Geschehnissen in Deutschland und in der Schlaraffia von Dr. Dieter Weber: „Es lässt sich aus heutiger Sicht über das 1933 bis 1937 Geschehene leicht der Stab brechen. Um Verurteilung aber es geht ja gar nicht, sondern um Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit! Darum, dass man sich 1933 nicht nur irrte, sondern sich auch einzugestehen und dazu zu bekennen, dass es Schlaraffen gab, die schon damals nicht mitmachten und sagten: »Ihr handelt falsch«! Es waren eben nur ganz Wenige! Nicht mitzumachen, das war zweifellos möglich! Es gab keinen Druck, zu handeln, wie die im BDS vereinigten deutschen Reyche 1933 handelten. Die Wahrheit ist, dass die Akteure von 1933 eine „judenfreie“ Schlaraffia wollten, weil sie sich mit den Nazis geistig einig waren. Und es gab Schlaraffen, die trotz einer anderen Überzeugung die Vertreibung der jüdischen Mitbrüder billigend in Kauf nahmen. Deshalb machte die große Mehrheit der Reyche von sich aus mit. Das ist die von der Forschung längst bewiesene Tatsache! Dass die Schlaraffen damit Mitschuld auf sich luden für all das, was dann geschah seit 1935 („Rassegesetze“ von Nürnberg), 1938 („Reichskristallnacht“, „Arisierung“ jüdischen Eigentums) und 1939 (Weltkrieg und Massenmord an Juden und Slawen), werden die Wenigsten gebilligt haben, aber sie nahmen auch das duldend hin oder wollten davon nichts wissen, so wie die Bevölkerung insgesamt. Nur so ist die nach 1945 wohl aus Scham geborene und verbreitete, verlogene Behauptung derer zu werten, die 1933 mit den Nazis mitmachten, dass sie mitmachen mussten oder nichts gewusst zu haben. Wie glaubhaft soll und kann es sein, nichts gewusst zu haben von der ohne Rückkehr verordneten Deportation Hunderttausender Juden und der Bereicherung an ihrem Eigentum in jeder deutschen Stadt und jedem deutschen Dorf. Und wie glaubhaft soll und kann es sein, nichts bemerkt zu haben von Terror und Opferleid bei mehr als 10.000 KZ‘s (Haupt- und Außenlager) in jeder deutschen Stadt. …Diese Darstellung zum Thema NS-Zeit und ihre Nichtbewältigung sollte jeder in seine Überlegungen einbinden, wenn er sich die Frage nach Schuld und Mitschuld in der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte stellt. Die Antwort darauf ist auch die Antwort auf die Mitverantwortung für die Zukunft der nachfolgenden Generationen. Sie wie die heutigen Generationen Mitverantwortung dafür tragen, dass die Erinnerung an dieses Kapitel deutscher Geschichte im Bewusstsein bleibt, ohne irgendjemanden, der nach 1945 geboren wurde, ständig ein Schuldgefühl einzureden, wie es von manchen Leuten betrieben wird. Deshalb ist Allschlaraffia ans Herz zu legen: Sie kann sich als eine Gesellschaft, die ihre Vorbilder in ihren Urschlaraffen von 1859 sieht und die dringend Nachwuchs sucht, nicht leisten, ihre Geschichte – einschließlich die bisher totgeschwiegenen, unangenehm wahrgenommenen Aspekte – im Dunkel der Legenden und Schönfärberei verharren zu lassen bzw. weiterhin zu ignorieren. Jedes neu aufgenommene Mitglied macht sich diese Geschichte irgendwann zu eigen – ob es dies will oder nicht und ob es sie zur Kenntnis nehmen will, wie sie real verlief, oder nicht. Hochproblematisch ist dabei, dass den neuen Mitglied der angemessene historische Gradmesser fehlt; es an einer realgeschichtlichen Gesamtdarstellung mangelt.“ Anmerkung von Rt LeBasco: In der Chronica Allschlaraffiae Band I (1959) liest man auf Seite 236 des Kapitels „Allschlaraffia a.U. 50 bis a.U. 74 sowie Allmutter Praga bis a.U. 79“ zum diesem Thema: „[...] Aber schon mehrten sich von Tag zu Tag die Anzeichen, die uns zufolge der geänderten politischen Lage in Deutschland ernste Besorgnis aufzwangen für unsere dortigen Reyche, die schließlich und endlich nach mancher bitteren Enttäuschung den Weg gehen mussten, der ihnen von außen aufgezwungen worden war. Sie lösten sich von Allmutter [...]“. In der Broschüre über die Schlaraffia, 1936 verfasst vom letzten Prager Führer der Allschlaraffia, Rt Hyp mit der Nose (1), schrieb dieser im Kapitel „Die Geschichte Schlaraffias“ auf Seite 17: „Das folgenschwerste Ereignis für Allschlaraffia war die v ö l l i g e A b t r e n n u n g d e r Z w e i g v e r e i n e i n D e u t s c h l a n d nach den politischen Umwälzungen im Jahre 1933. Die reichsdeutschen Vereine durften von nun an nicht mehr einem Verbande angehören, dessen Zentralstelle sich im Ausland befand [...]“. Im Bericht (Protokoll) über die 1. Karlsruher Mai-Tagung der Schlaraffen macht auf Seite 13 der ehemalige Bundesführer des BDS, Hkt. Pfiffikus (86), folgende Aussage: „Wenn der Bund Deutscher Schlaraffen den Austritt aus der Allschlaraffia erklärt hat, so ist das nur unter dem damaligen äußeren Zwang geschehen [...]“. Zu diesen drei Stellen des schlaraffischen Schrifttums gilt es im Sinne einer deutlichen Korrektur dieser Angaben durch den Verfasser anzumerken, dass es zum Zeitpunkt des Leipziger Treffens am 23. des Ostermonds a.U. 74 (1933) keinerlei offizielle Stellungnahme, keinen Erlass oder ein sonstiges Dokument der Reichsregierung, bzw. eines Parteiorgans der NSDAP gab, das den Verein Schlaraffia im Sinne einer von der Regierungsebene geforderten Regulierung, Bedrohung oder Anweisung betraf. Somit konnte auch kein Druck oder Zwang „von außen“ existieren. Sollte diese „Mär“ vom äußeren Druck oder Zwang als Begründung für die im April zu Leipzig getroffenen drei Beschlüsse der deutschen Schlaraffia noch in weiteren Beiträgen zu finden sein, so sind auch diese an der entsprechenden Textstelle als falsch zu bewerten. Die deutsche Schlaraffia fasste ihre 3 Beschlüsse im April 1933 gemäß einem der braunen Ideologie angepassten Egoismus, in der Hoffnung, den Nazis eine regimekonforme Ausgabe des Bundes anzubieten und dadurch von diesen unbehelligt weiter existieren zu können. Der als befreiend empfundene Aufbruch in die „neue Zeit“ hatte das Realitätsbewusstsein der Köpfe völlig verwirrt, neben den harten Führertypen gleich Millex gab es das Heer der kritik- und widerstandslosen Mitläufer, denen allen zu keinem Zeitpunkt bewusst war, wie sehr sie mit ihrem Verhalten den Gral der schlaraffischen Idee schändeten. Aber es gab damals auch etliche Weise, die diese Verirrung erkannten und mahnten und sich der Sinnlosigkeit ihrer Worte leider sehr schnell bewusst werden mussten. Die erste überregionale Zusammenkunft deutscher Schlaraffen nach dem Zweiten Weltkrieg fand am 18.V a.U. 88 (1947) zu Carolsuhu (49) als „1. Karlsruher Mai-Tagung der Schlaraffen“ statt. Als greifbares Resümee dieser Zusammenkunft wurden damals von den anwesenden Schlaraffen 7 Thesen laut Bericht „[...] allgemein und einstimmig [...]“ gebilligt, von diesen sei die Erste zitiert: „1. These: „Der Weg der „Deutschen Schlaraffia“ war ein Irrweg. Versunken und vergessen sei dieser Weg, ausgetilgt aus der Chronik unserer Reiche und feyerlich abgeschworen der Ungeist, der vom reinen schlaraffischen Wesen abgewichen war.“ So verständlich die obige Erklärung für das einstige Verhalten der Nachkriegsschlaraffen ist und so einsichtig das Eingeständnis „Der Weg der „Deutschen Schlaraffia“ war ein Irrweg.“ klingen mag, dem aus heutiger Sicht empfundenen Gebot zu einer klaren historischen Darstellung der Vorgänge am 23. April 1933 können sie nicht gerecht werden.