Stehweingesellschaft ze Meran

Unbekannt ·Ritterbuende

Beschreibung

Ritterbünde Ritterschaft bzw. Ritterbund, gegründet 1840, Meran. “Stehwein“ deshalb, weil die Gesellen vor dem Nachhause-Gehen, sozusagen als Wegzehrung, noch einen Schoppen Wein tranken und zwar stehend. Führende Ämter sind Obrist, Feldschreiber, Weingraf und Festungskommandant. Mitglieder sind Ges

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Ritterbünde Ritterschaft bzw. Ritterbund, gegründet 1840, Meran. “Stehwein“ deshalb, weil die Gesellen vor dem Nachhause-Gehen, sozusagen als Wegzehrung, noch einen Schoppen Wein tranken und zwar stehend. Führende Ämter sind Obrist, Feldschreiber, Weingraf und Festungskommandant. Mitglieder sind Gesellen. Mitglieder waren der langjährige Meraner Bürgermeister und Arzt Dr. Gottlieb Putz und Dr. Franz Tappeiner, der Arzt, dem die Meraner die berühmte Promenade verdanken. 1842 kam ein Münchner zur Kur nach Meran, der die Stadt mit einer Fülle von Initiativen und Ideen zum Blühen bringen sollte: Der 28-jährige Literat und Journalist Josef Friedrich Lentner. Er hat die Meraner Kurverwaltung mitgegründet und geleitet. Und er wurde Obrist der „Stehweingesellschaft ze Meran“. Als Lentner ihr beitrat, sorgte er für Ordensfeste und scherzhaft-ritterliche Spiele. Er zog z.B. mit seinen Gesellen mit großem Gepränge, also mit Trommeln und Fahnen, von Meran zum Schloss Lebenberg. Lentner verfasste auch die einmalige „Chronica von dem Geschlosse und der Vesten ze Lebenberg“. Nach dem Tode Lentners 1852 wurde es still um die Stehweingesellschaft. Sie fiel in einen Dornröschenschlaf. Auch der große Reiseschriftsteller Ludwig Steub, der „Entdecker Tirols“ wie er auch genannt wurde, dachte 1870 bei einem weiteren Besuch Merans etwas wehmütig an die vergangenen Jahre. Er schrieb: „Und doch vermisse ich so manches, was ich vor fünfundzwanzig Jahren hier gefunden. Die edlen Genossen des Stehweins sind zerstreut und verstorben, Friedrich Lentner, mein lieber Freund, liegt auf dem neuen Friedhof an der Passerbrücke und die schönen Frauen und Fräulein von damals haben sich auch verlaufen…“ Bis dann 1996 honorige Meraner Herren sich dieser „Meraner Seligkeit“ erinnerten und den Stehwein wieder belebten. Es gibt heute ca. 20 Stehwein-Gesellen. Erst nach bestandener Klunzen-Probe wird man aufgenommen. Diese Probe besteht darin, mit einer 7/10-Flasche 20 Gläser in einem Durchgang so einzuschenken, dass in jedem Glas gleich viel Wein ist. Und dann noch im Erkennen dreier Weine in Blindverkostung. Man trifft sich an jedem 1. Dienstag des Monats im nach ihnen benannten Stehweinzimmer auf Schloss Pienzenau. Man trinkt zu Beginn der Sitzung „stehenden Fußes“ ein Glas Wein, man trägt den blauen Stehwein-Schurz, bei festlichen Anlässen den weißen. Man unternimmt kulturelle und den Wein tangierende Ausritte: in die Toskana, nach Friaul, in die Stiftsbibliothek von Neustift, zum Pacheraltar nach Gries, in die Turmstube der Pfarrkirche von Mals, zum besonderen Museum des Bürgermeisters von Marling und zu diversen Kellereien. Auf Schloss Trauttmansdorff ist es den Stehweingesellen erlaubt, Gast zu sein in der Weinberghütte, die – es ist für alle Zeiten in Stein gemeißelt – dem Stehwein gewidmet ist.
Quelle: Lulupedia Import