Beschreibung
Ritterbünde Ritterschaft bzw. Ritterbund, bestand 1827 – Oktober 1898 in Berlin, Motto: „Unendliche Ironie und unendliche Wehmut“ „Die ‚Tunnelschablone‘ kannte nur vier Urteile: ‚sehr gut‘, ‚gut‘, ‚schlecht‘ und ‚verfehlt‘. Letzteres war besonders beliebt. Von fünf Sachen waren immer vier ‚verfehlt‘
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Ritterbünde Ritterschaft bzw. Ritterbund, bestand 1827 – Oktober 1898 in Berlin, Motto: „Unendliche Ironie und unendliche Wehmut“ „Die ‚Tunnelschablone‘ kannte nur vier Urteile: ‚sehr gut‘, ‚gut‘, ‚schlecht‘ und ‚verfehlt‘. Letzteres war besonders beliebt. Von fünf Sachen waren immer vier ‚verfehlt‘.“ (Theodor Fontane “Von Zwanzig bis Dreißig”) Moritz Gottlieb Saphir (1795 – 1858), Mitglied der Wiener “Ludlamshöhle”, der sich in Wien durch gnadenlose Theaterkritiken in der “Wiener Theaterzeitung” und verschiedene satirische Essays, derart unbeliebt gemacht hatte, dass er 1825 ausgewiesen wurde (!), ging daraufhin nach Berlin, “glaubte eine Leibwache brauchen zu müssen” (wie Theodor Fontane in seinen Erinnerungen “Von Zwanzig bis Dreißig” schreibt) und gründete, unter der Bezeichnung „Sonntags-Verein zu Berlin“ am 3. 12. 1827, gemeinsam mit Friedrich Wilhelm Lemm (1782 – 1837, Schauspieler und ebenfalls ein Ludlamit) und dem Schauspieler Louis Schneider (1805 – 1878) in Berlin die literarische Gesellschaft „ Tunnel über der Spree “. Mit der Namensgebung wollte man augenzwinkernd darauf hinweisen, dass es zum damaligen Zeitpunkt in Berlin noch keinen Tunnel unter der Spree gab. Der „Tunnel“ gab – sich nach außen hin – bewusst streng zurückhaltend und unpolitisch. Man gab sich sogenannte “Tunnel-Namen” (nach Heroen der Kunst, oder Wissenschaft), die auch während der Treffen als Anrede benutzt wurden, um so eventuelle Standesunterschiede unwichtig zu machen. Der “Tunnel” traf sich regelmäßig am Sonntag, die Sitzung wurde mit dreimaligem Aufstampfen eines Eulenzepters ( ! ) eröffnet und die Anwesenden lauschten literarischen, oder musikalischen (allerdings bis dato unveröffentlichten) Arbeiten, “Späne” genannt (mit einer Fechsung vergleichbar), über die mittels einer “Tunnelschablone” später abgestimmt wurde. Ein “Secretair” protokollierte das Ganze und diese Protokolle, zumeist lustig-witzig abgefasst, wurden zu Beginn des nächsten Treffens verlesen. Jeweils am 3. Dezember eines Jahres wurde das Stiftungsfest begangen und an einem beliebigen Tag im Karneval feierte man das “Fest zu Ehren Till Eulenspiegels”, der als Schutzpatron des „Tunnels“ auserkoren wurde. In den über 70 Jahren seines Bestehens, in denen er das literarische Lebens Berlin mitprägte, hatte der „Tunnel“ 214 Mitglieder, zu denen solche Berühmtheiten wie Johann Nepomuk Hummel (1778 – 1837), Emanuel Geibel (1815 – 1884), Adolph Menzel (1815 – 1905), Theodor Storm (1817 – 1888), Friedrich von Bodenstedt (1819 – 1892), Theodor Fontane (1819 – 1898), oder Paul Heyse (1830 – 1914) gehörten. 1860 – so verzeichnet es das Protokoll – waren die Schriftsteller Berthold Auerbach (1812 – 1882) und Friedrich Gerstäcker (1816 – 1872) Gäste des “Tunnels”.
Quelle: Lulupedia Import