Ritterbünde Ritterschaft bzw. Ritterbund, genaue Bezeichnung: „Altritterliche Gesellschaft zum Nutzen und Vergnügen der Wildensteiner zur blauen Erde“, bestand 1790 – 1823, Burg Seebenstein, (Pitten, Niederösterreich) Wahlspruch: „Alles für Gott, Kaiser, Österreich und Freundschaft“ Anton David Steiger (*1755 in Pötsching, Ungarn – † 1832), ein österreichischer Mineraloge und Bergbaupionier erwarb sich auf dem Gebiet der Mineralogie beachtliche Kenntnisse, so dass er sich leisten konnte, 1788 die im Besitz des Grafen Joseph von Pergen stehende, seit langem nicht mehr bewohnte Burg Seebenstein im südlichen Niederösterreich. Auf Erbpacht zu erwerben. Er bewahrte die zu diesem Zeitpunkt bereits verwahrloste Burg vor dem Verfall und stattete sie mit historischen Möbeln, Rüstungen, Waffen und einer beachtlichen Mineraliensammlung aus. Sein Bestreben war, sich mit gleich gesinnten Männern entfernt von der Welt zu verbinden. Als Anhänger der Ritterromantik gründete im Jahre 1790 mit Gleichgesinnten unter seinem Ritternamen „Hainz am Stain der Wilde“ die „Wildensteiner Ritterschaft auf Blauer Erde“, wobei ihnen die Burg als Stammsitz diente und er selbst als Burgherr und (Bundes-)Oberritter fungierte. Den Namen für ihren Männerbund, einer Gesellschaft aus etwa 250 Mitgliedern sämtlicher Klassen bestehend, fanden sie bei dem in der Gegend ehemals ansässigen uralten steirischen Adelsgeschlecht derer zu Wildenstein. Die Farbe Blau galt ihnen als die Farbe des Himmels, der Beständigkeit und der Freundschaft. Man gab sich Titel aus der Ritterzeit, sprach sich mit „Ihr“ und „Euch“, sowie als „Ritter“ an, focht Ritterturniere aus und frönte den Sitten und Bräuchen der alten Ritter. Endzweck der Gesellschaft war: Vergnügen, Belustigung und Freundschaft untereinander mit wahrer, biederer Anhänglichkeit an die Religion, den Kaiser und jede Moralität. Konversationen über Religion oder die Landesregierung, sowie das Stören einer Rede eines anderen Mitgliedes, war streng verpönt. Keiner sollte die Pflichten der Rechtschaffenheit gegen andere übertreten, sondern vielmehr dem leidenden Menschen so schnell wie möglich und überall beistehen. Hierin war die Ehre zu suchen, wenn bei Zusammenkünften dargetan werden konnte, dass von ihren Mitgliedern edle Taten ausgeübt wurden. Frauen waren zugelassen, allerdings nicht über Nacht. Unter den Mitgliedern befanden sich hochgestellte Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben, der Kirche, dem Militär, der Politik und der Wissenschaft. Auch der Hochadel hatte bei den Wildensteinern Freunde gefunden. Bekannte Mitglieder waren Carl August von Weimar (ab 1818, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach und Freund Goethes), der Erzbischof von Olmütz, Prinz Wilhelm von Preußen (ab 1815, späterer erster deutscher Kaiser der Hohenzollern), Leopold Prinz von Sachsen-Coburg (ab 1815, späterer König der Belgier), Leopold Prinz von Palermo, Erzherzog Anton von Österreich sowie Erzherzog Johann von Österreich (Bruder von Kaiser Franz I.), der in der „Wildensteiner Ritterschaft auf Blauer Erde“ den Ritternamen „Hanns von Österreich, der Thernberger“ führte und Groß- und Hochmeister war. Sein Bruder und letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Franz II., schätzte die Ritterschaft, sein Staatskanzler Klemens Wenzel Lothar von Metternich (1773 – 1859) allerdings weniger, was letztendlich im Jahre 1823, durch ein Schreiben des niederösterreichischen Regierungspräsidenten, Baron Augustin Reichmann Freiherrn von Hochkirchen, Baron Reichmann, vom 30. April 1823, zur Auflösung der Ritterschaft führte. Ein Jahr später, 1824, verkaufte Reichsgraf Johann Karl von Pergen die Burg Seebenstein an den Fürsten Johann von Liechtenstein und Steiger musste seine geliebte Burg verlassen. Alle Einrichtungsgegenstände und insbesondere seine umfangreichen mineralogischen Sammlungen überließ Steiger dem Fürsten Liechtenstein. Steiger suchte um seine Versetzung in den dauernden Ruhestand an und verbrachte die letzten sieben Jahre seines Lebens in Wiener Neustadt. Er wurde auf dem inzwischen aufgelassenen Friedhof Sankt Ulrich in Wiener Neustadt begraben. Seinen Grabstein zierte folgende Inschrift: Anton David Steiger Ritter von Amstein, geboren den 2. Februar (1)755, gestorben den 30. Jänner (1)832. Ihm, dessen Herz im Triebe für Rechtthun und Treue brach, weint hier der seinen Liebe, des Schmerzens Tränen nach. Steiger oder Hainz am Stein der Wilde ist auf der Ehrentafel uralter Ritter im Ritterspiegel von
↑ Kunz von Karneyd an erster Stelle verzeichnet.