Grüne Insel

Unbekannt ·Ritterbuende

Beschreibung

Ritterbünde Ritterschaft bzw. Ritterbund, bestand von 1855 – 1948 in Wien, Motto: „Im Namen der Dreieinigkeit: Der Freundschaft, Kunst und Menschlichkeit“ Der Gründer der ↑„Concordia“, Friedrich ↑ Kaiser, versuchte es am 15. Februar 1855 erneut und gründete, gemeinsam mit 6 Gleichgesinnten (darunter

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Ritterbünde Ritterschaft bzw. Ritterbund, bestand von 1855 – 1948 in Wien, Motto: „Im Namen der Dreieinigkeit: Der Freundschaft, Kunst und Menschlichkeit“ Der Gründer der ↑„Concordia“, Friedrich ↑ Kaiser, versuchte es am 15. Februar 1855 erneut und gründete, gemeinsam mit 6 Gleichgesinnten (darunter Mitglieder des „Carltheaters“), im Heiligenkreuzerhof zu Wien (hier wohnte zu der Zeit auch ↑ Castelli) die „Grüne Insel“, die sich an der „alten Ritterzeit“ orientierte und Bräuche des Rittertums imitierte. Die anfängliche Künstler- bzw. Rittergesellschaft zu deren Gründungsmitgliedern auch der umtriebige Castelli gehörte, erlangte bald Bedeutung und musste sich deshalb ein größeres Vereinslokal suchen. Man fand selbiges in der Leopoldstadt an der Donau nahe der grünen Insel und nannte sich nun „Ritter der grünen Insel“. Zweck der Gesellschaft war es „Kunst und Wissenschaft in all ihren Zweigen zu fördern und zu beleben, durch Anbahnung eines wechselseitigen freundschaftlichen Verhältnisses den Mitgliedern zur Erheiterung zu dienen und schuldlos verarmte Künstler oder Schriftsteller beziehungsweise deren Hinterbliebene zu unterstützen.“ Zur Namensgebung lesen wir in DSZ 1/164 von Rt UHN-Snn (266): Am 15. Februar 1855 versammelten sich wieder einmal Friedrich Kaiser und seine Freunde in einer Weinstube des „Heilgenkreuzerhofes“ in der Wiener Innenstadt. Im Verlauf des Treffens wurde spontan beschlossen, endlich eine neue Vereinigung zu gründen. Die Räumlichkeiten der kleinen Gaststätte waren allerdings für größere Gesellschaften ungeeignet und nicht einmal ein benötigtes Klavier konnte darin aufgestellt werden. Ab Ende März wurde das Gasthaus „Zur Kaiserkrone“ im heutigen 2. Bezirk als künftiges Veranstaltungslokal ausgewählt. Diesen Teil Wiens umfließen - wie eine Insel – die Donau und der heutige Donaukanal. Mit dem damals noch ländlichem Vorstadtcharakter, dem „Prater“ und dem großen „Augarten“ wirkte der Bezirk, der auch unter dem Namen „Leopoldstadt“ bekannt ist, wie eine Grüne Insel. Das Gasthaus lag in unmittelbarer Nähe des berühmten Carl-Theaters und der Wohnung von Friedrich Kaiser, der zu dieser Zeit als Dramaturg und Hausdichter beschäftigt war. Bis zur Übersiedlung in das neue Lokal führte diese „Kaiser’sche“ Gesellschaft keinen besonderen Namen. Man nannte sich einfach „Rittergesellschaft“. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass Friedrich Kaiser den Namen „Concordia“ wieder aufleben lassen wollte. Angeregt durch den wunderschönen Gasthausgarten, der sich zu dieser Zeit gerade in Frühlingspracht zeigte, und durch das gesamte idyllische Grün dieser Leopoldstadt, schlug Ludwig August Frankl als Vereinsnamen „Grüne Insel“ vor. Frankl, der sich den Namen „Wendelin von Höllenstein“ zugelegt hatte, schrieb sofort das Bundesslied der Insel: „Wir sind die lustigen Ritter vom grünen Inselland“. Es wurde allgemein angenommen, vertont und gesungen. Fortan wurden keine weiteren Versuche unternommen, die Bezeichnung der Gesellschaft zu ändern. Die Mitglieder der „Grünen Insel“ parodierten das Rittertum in ihren Zeremonien, Statuten, Namensgebung und in ihren Gebräuchen. Gustav Braunmüller, der spätere „Marschalk“, beantragte diese Art der Selbstpräsentation, weil die Verehrung des Rittertums dem Zeitgeist entsprach und Ritterstücke daher auch immer wieder auf der Wunschliste des Publikums im Carl-Theater ganz vorne standen. In dieser Zeit der Überwachung und Zensur konnten, unter dem Deckmantel der Persiflage, viele fröhliche Einlagen in die ehrwürdigen Ritterzeremonien eingebunden werden. Den Heroen der Kunst, sowohl denen in der Heimat wie denen in der Fremde, wurde in eigenen Festen die verdiente Huldigung dargebracht. Im November 1855 feierte die „Insel“ noch bei der „Kaiserkrone ein Schiller-Fest, das erste Schiller-Fest der „Insel“ nicht nur, sondern auch das erste Schiller-Fest in Wien. Die Dichter, Kaiser, Castelli, Frankl, Mautner und Hans Max trugen neue Gedichte vor, Olschbauer sang Schuberts Lied „Die Hoffnung“, das er später noch bei vielen Inselfesten singen musste. Die Stimmung und der Erfolg waren derartig, dass der Beschluss gefasst wurde, den Geburtstag Schillers alljährlich zu feiern, was auch stets nach Möglichkeit eingehalten wurde. Obwohl es sich in der Ritterschaft der „Grünen Insel“, in der – außer von den Würdenträgern - keine Kopfbedeckungen getragen wurden, um einen Männerbund gehandelt hat, war der Besuch der Weiblichkeit, in zwar seltenen „Damen-Capiteln“, gern gesehen.“ Ansonsten war Frauen und „Mägduleins“ der Besuch der „Insel“ untersagt. Die „Grüne Insel“ umfasste bis zu 400 Mitglieder, unter ihnen die ehemaligen Ludlamiten Franz Grillparzer, Wilhelm von Marsano (1797 – 1871), dem bereits erwähnten Castelli, sowie solch berühmte Namen wie Franz von Suppé, (1819 – 1895), Friedrich von Flotow (1812 – 1883), Anastasius Grün (1806 – 1876), Heinrich Laube (1806 – 1884), oder Ludwig August von Frankl (1810 – 1894), der das Bundeslied der „Insulaner“ dichtete und dessen Knappennamen „Wendelin von Höllenstein“ lautete. Zwischen der „Grünen Insel“ und der vier Jahre später gegründeten „Schlaraffia“ gab es immer Querverbindungen und freundschaftliche Beziehungen. So finden wir einen der großen (Ur)Schlaraffen ab 1872 auch in der „Grünen Insel“, wo er „Höllenstein, der Schlaraffe“ gerufen wurde. In der Schlaraffia war er der „Rt. Höllenstein das Tausendguldenkraut“. Die Rede ist von Conrad Adolf Hallenstein (1835 – 1892). Die „Grüne Insel“ wurde im Jahre 1948, mangels Nachwuchs, aufgelöst und aus dem Vereinskataster gestrichen.
Quelle: Lulupedia Import