Beschreibung
Landois, Hermann Prof. Dr.
Titel: Iselmott
Reych: Nr. 209 Mimegarda (Münster)
Geb.: 19.04.1835 in Münster
Gest.: 19.01.1905 ebenda
Volltext
deutscher Priester, Arzt und Schriftsteller Landois' Großvater war ein lothringischer Emigrant aus der Zeit der französischen Revolution: Sein Vater war Gerichtsaktuar am Landesgericht Münster. seine Mutter eine fromme, doch nicht nur in den Fastnachtstagen zu Schabernak aufgelegte Rheinländerin. Nach 5jährigem Besuch des Paulinums, alles andere denn ein Mustekschüler, bestand er sein Abitur im zweiten Anlauf 1856 in Recklinghausen. Auf Bedrängen seiner Mutter studierte er zunächst katholische Theologie, errang 1858 den 1. Preis für eine von der philosophischen Fakultät ausgeschriebene Arbeit über „Aristoteles als Naturforscher" und wurde 1859 zum Priester geweiht. Danach war er Hausgeistlicher und -lehrer auf einem Adelssitz bei Baldeney a.d. Ruhr, seit 1862 Lehrer an der Ackerbauschule Botzlar bei Lüdinghausen, machte er in den Ferien Reisen nach Skandinavien, Paris und London. 1863 promovierte er zum Dr. phil. in Greifswald, wo sein Bruder Privatdozent war. 1864 machte er auch die philologische Staatsprüfung und kam als Lehrer an das Paulinum in Münster zurück. In den folgenden Jahren löste er sich immer mehr vom Priestertum, bis es im Kulturkampf zum Bruch mit der Kirche kam. Diesen Abschluss einer falschen Berufswahl hatte er nie so recht überwunden. Landois war wie sein jüngerer Bruder Leonard, der sich schon als Medizinstudent durch mikroskopische Untersuchungen und später als Prof. der Physiologie in Greifswald mit seinem „Lehrbuch der Physiologie" einen Namen machte, ebenfalls ein genialer Naturforscher. So habilitierte sich Hermann Landois mit einer Arbeit über Mikrophotographie 1869 in Münster und bekam dort 1873 die neu errichtete Professur für Zoologie. Seine Bücher über die erstmals von ihm erforschten „Tierstimmen“ und „Lehrbuch der Zoologie" sowie die mit seinem Mitschüler Schulrat Martin Kraß veröffentlichten naturkundlichen Lehrbücher wiesen neue Wege zur naturkundlichen Erziehung. Am meisten bekannt wurde sein dreibändiges Werk „Westfalens Tierleben in Wort und Bild". Insgesamt hat er über 1000 große und kleine Schriften veröffentlicht, unter denen auch zahlreiche plattdeutsche, volkstümliche Erzählungen wie der Roman „Frans Essink" sind. Nachdem er schon 1871 den „Westfälischen Verein für Vogelschutz, Geflügel- und Singvögelzucht" und 1872 die Zoologische Sektion des Prov. Vereins für Wissenschaft und Kunst gegründet hatte sowie dem Museum der Akademie vorstand, wurde er 1873 auf der Weltausstellung in Wien für die bahnbrechende Herstellung zoologischer Präparate mit der höchsten Auszeichnung bedacht. Darüber hinaus hat er mit den gewagtesten Mitteln das Museum für Naturkunde und „seinen Zoologischen Garten" in Münster, den ersten in Westfalen, ins Leben gerufen. Um die Mittel dafür laufend zu sichern. gründete er die „Zoologische Abendgesellschaft", deren plattdeutsche Theatervorführungen, mit denen die Spießbürger nun seit Jahren in der Karnevalszeit parodiert werden, sich als unvergleichliche Einnahmequelle erwiesen. Der damit verbundene Jux darf nicht darüber hinwegsehen lassen, dass Landois als erster in Deutschland den Zoologischen Garten in den Dienst der Forschung gestellt hat. An den ernsten Wissenschaftler, der gleichzeitig ein Spaßvogel sein konnte, erinnert die herrliche Figur im Gehrock und Zylinder, mit der langen Pfeife im Mund und dem Eichenheister in der Rechten, die im Zoologischen Garten in Münster steht. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt