Beschreibung
Knaus, Ludwig Prof.
Titel: Dorfprinz von der Goldenen Hochzeit
Reych: Nr. 42 Wiesbadensia (Wiesbaden)
Geb.: 05.10.1829 in Wiesbaden
Gest.: 07.12.1910 in Berlin
Volltext
deutscher Maler Als Sohn eines kleinen Optikers verlebte Knaus seine Jugend im Geburtsort Wiesbaden. Seine erste künstlerische Unterweisung erhielt er bei O. R. Jacobi und bezog 1845 die Düsseldorfer Akademie, wo er an C. F. Sohn einen trefflichen Lehrer fand und an der Gründung des Künstlervereins „Malkasten" beteiligt war. Die Bilder der Akademiejahre zeigen bei weicher, lockerer Malweise bereits einen ausgeprägten Wirklichkeitssinn, der Knaus in inneren Gegensatz zu W. von Schadow, dem damaligen Akademiedirektor brachte. Schadow verweigerte ihm die Befreiung von den üblichen Modellgebühren mit der Begründung, dass sie nur begabten Schülern gewährt werden könne. Knaus verließ daraufhin im Revolutionsjahr 1848 die Akademie und machte sich selbstständig. Sein damit einsetzendes, über 60 Jahre umfassendes Schaffen Iässt sich in 3 Perioden einteilen: Bis zur Rückkehr aus Paris (1848-60), bis zur endgültigen Übersiedlung nach Berlin (1860-74) und 1874 - 1910. Knaus begab sich zunächst nach Willingshausen in der Schwalm, um dort das Leben der Bauern und ihre Nationaltrachten zu studieren. Das Dörfchen gelangte durch ihn und die dort entstandene Malerschule zur Berühmtheit. Sein erstes größeres Bild „Hessischer Bauerntanz unter der Linde" fand eine unerwartete freundliche Aufnahme. Eine Reihe weiterer Bilder aus dem Volksleben folgten, wie „Martinsnacht in Düsseldorf", „Der ertappte Jahrmarktsdieb", „Die Dorfschmiede", „Der Falschspieler", „Ländliches Leichenbegängnis". Sein Wunsch, sich an französischen Vorbildern weiterzubilden, führte ihn 1852 nach Paris. Eines seiner ersten dortigen Bilder „Morgen nach der Kirmes" erzielte im Salon die 2. Gold-Medaille. Zwischenzeitlich in Belgien, Düsseldorf, Wiesbaden, Herrischried und im Berner Oberland, malte er in Fontainebleau „Zigeuner im Wald" und „Spaziergang im Tuileriengarten", die in den Louvre gelangten. Nach Studienreisen in England und Italien entstanden in Willingshausen Studien zur „Goldenen Hochzeit", dem Hauptbild der l . Periode, das 1858/59 in Paris gemalt, das Ritterkreuz der Ehrenlegion einbrachte. „Tanzstunden und „Grisette mit 2 Katzen" sind Ausdruck seiner lyrischen Veranlagung, gepaart mit feinem Humor und hervorragender Beobachtungsgabe. Die offizielle Kunstkritik erhob Knaus zum Hauptrepräsentanten deutscher Malerei. Wo immer Knaus auf Ausstellungen seine Werke zeigte, erlangte er höchste Bewunderung seines Könnens und höchste Auszeichnungen. Kaiser Napoleon III. überreichte ihm persönlich die große Goldmedaille und das Offizierskreuz der Ehrenlegion für das Bild „Invalide beim Weißbier". 1867 folgten die Düsseldorfer Jahre im eigenen Heim, die künstlerisch und menschlich zu den glücklichsten Zeiten seines Lebens gehörten, bis zum plötzlichen Tod seiner 11-jährigen Tochter. Hauptbilder aus dieser Zeit: „Kinderfest“, „Hessisches Leichenbegängnis im Winter" und die „Hauensteiner Bauernberatung". In der 3. Periode folgte Knaus einer Berufung an die Berliner Akademie bis 1882. Das bei unveränderter Produktionskraft jetzt erkennbar werdende Nachlassen seines künstlerischen Vermögens äußert sich in einer Auflösung des bisherigen Typenvorrats in bestimmte immer wieder variierte Themen. Die bekanntesten Bilder, um einige aus der Vielzahl zu nennen, waren „Zirkusleute", „Hessischer Bauerntanz" mit etwa 100 Figuren, „Rheinischer Mummenschanz", „Kartoffelernte im Schwarzwald", „Der Starost", „Leierkastenmann“, „Strolch“, „Droschkenkutscher". Selbst der Bauernmalerei überdrüssig, wendet sich Knaus zuletzt gänzlich neuen Motiven zu, mit denen er teilweise auf Ablehnung stieß: „Madonna mit Kind", „Heilige Familie", „Caritas“ sowie mehrere Bilder mit Faunen, Nymphen, Bachantinnen und dergleichen. Zugleich mit dem Nachlassen seiner Sehkraft wird auch der Goldton seiner Frühwerke zugunsten der Graumalerei der neuen Generation aufgegeben, aber als Zeichner bewahrte er seine erstaunliche Fähigkeit charakteristischen Erfassens bis in das höchste Alter hinein, wovon zahlreiche Skizzen nach den ihm liebgewordenen Modellen hessischer und Schwarzwälder Bauern beredtes Zeugnis (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt