Rt Millex der Aeroplaner (15), profan Dr. iur. Georg Goetz. Er wurde Ende 1922 im Alter von 35 Jahren als Kn 210 in die Monachia aufgenommen und zwei Jahre später im April zum Ritter geschlagen. Der aus Augsburg stammende Schlaraffe war Jurist und als Rechtsanwalt in einer Kanzlei mit der noblen Münchner Adresse „Kaufinger Strasse“ tätig. Millex war glühender Nationalsozialist. 1924 verteidigte er im Prozeß um den Hitler-Ludendorff Putsch (Marsch auf die Feldherrnhalle) Dr. Wilhelm Frick, den Reichsinnenminister des Hitler-Kabinetts, der damals zu 15 Monaten Festungshaft verurteilt wurde. Millex stand auch dem Nazi Franz Ritter von Epp nahe, dem Reichsstatthalter Hitlers in Bayern, für den er vor 1933 als persönlicher Rechtsberater tätig war. Ebenfalls hatte Millex offensichtlich Verbindungen zu Ernst Röhm, der 1934 auf Befehl Adolf Hitlers in derselben sogenannten „Prominentenzelle“ im Gefängnis Stadelheim erschossen wurde, in der während des Ersten Weltkrieges der Sozialist Kurt Eisner, 1919 sein Mörder Graf Arco auf Valley, und 1923 Hitler selbst vor seinem Prozess einsaßen. Millex war in der Winterung 72/73 (1931/1932) zum ersten Mal als „Oberschlaraffe der Kunst“ auf den Thron des Münchner Reyches gewählt worden. Zusätzlich wurde er – der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt – Nachfolger des Rt Hinkeldey (15) im Gremium der Schiedsrichter Allschlaraffiae. Als Sendbote Nr. 1 der sich aber erst nach der Leipziger Versammlung konstituierten „Statthalterei der reichsdeutschen Schlaraffen-Reyche“ zählte offensichtlich das Schreiben, das zu Beginn des Ostermonds a.U. 74 an alle Schlaraffenreyche außerhalb Deutschlands verschickt wurde und unter dem Titel „Greuelmär“ bekannt geworden war. Millex und die anderen drei deutschen Mitglieder des allschlaraffischen Schiedsgerichts - Rtt Excelsior (8), Benjamin (11) und Phipp Hipp Hurrah (42) - unterschrieben, obwohl es zum Zeitpunkt der Abfassung keinerlei offizielles Mandat für diesen Zirkel gab, im Namen der deutschen Schlaraffen zu handeln. Man darf annehmen, dass Millex seine allschlaraffische Adelung als auserwählter Schiedsrichter zu Kopf gestiegen war und er, der sich als vertrauter Kenner und Helfer der neuen braunen Nomenklatura fühlte, plötzlich seine Berufung entdeckte, die deutsche Schlaraffia als deren gefühlter „Führer“ im Stil eines Adolf Hitlers zu „retten“. Für ihn war die Ende Januar 1933 vollzogene Machtübertragung an die NSDAP der Startschuss für den schon lange mit weiteren „völkisch“- nationalistischen Gesinnungsfreunden geplanten Umbau der deutschen Schlaraffia gemäß der jetzt gültigen Weltanschauung. Millex gelang es, seine Person auf schlaraffisch-nationaler Ebene so aufzubauen, dass er von den führenden Oberschlaraffen der Berolina und Lipsia, den Rtt Candidus (2) und Pfifficus (3), als ihr „Heilsbringer“ gesehen wurde. Zuvor hatte Millex in seiner Monachia (15) für reinen Tisch im Sinne des „nationalen Aufbruchs“ gesorgt. Mit Datum 05.04.1933 machte das Münchner Reych folgende Beschlüsse bekannt, die einstimmig von der dortigen Sassenschaft gefasst wurden: „I. Die Schlaraffia Monachia will als von jeher auf nationalem Boden stehend Teil nehmen und Teil haben an der nationalen Erhebung und an der Erneuerung des Reiches nach rein vaterländischen Gesichtspunkten und Grundsätzen. Undeutsche oder antideutsche Gesinnung ist unvereinbar mit der Zugehörigkeit der Schlaraffia. II. Die bisherige Verbindung mit Prag ist von uns mit sofortiger Wirkung gelöst. III. Nach Ausschluss der wenigen bisher noch der Schlaraffia Monachia angehörenden jüdischen Mitglieder können nur mehr deutsch-stämmige Männer aufgenommen werden.“ Das später als 1. Koncil der deutschen Schlaraffia bezeichnete Treffen begann in der Pleißenburg der Schlaraffia Lipsia (3) um 11 Uhr 15. Geladen hatte das Reych Berolina (2) mit Datum 13.04. a.U. 74,
↑ Konzil 1. Es war Millex, der mit seinem ehemaligen Mandanten und jetzigen Reichsinnenminister Frick aus eigenem Antrieb darüber sprach und entweder ihm die gewünschten Antworten in den Mund legte oder diese so zu hören bekam, wie er sie sich erhofft hatte. Es war wiederum Millex, der die führenden deutschen Schlaraffen der Berolina und Lipsia zu der Veranlassung nötigte, die Leipziger Versammlung einzuberufen. Es war ebenfalls Millex, der die Delegierten mit seiner Rede auf die Beschlußfassung einstimmte und das unausgesprochene Empfinden hervorrief, damit sei die deutsche Schlaraffia in ihrem weiteren Bestehen gesichert. Millex als Nazi innerhalb der Schlaraffia hatte sich die Gleichschaltung der deutschen Schlaraffenreyche zur persönlichen Aufgabe gemacht und gemäß seiner Wesensart knallhart durchgezogen. Die drei zu Leipzig gefassten Beschlüsse haben die Delegierten aus völlig freien Stücken gefasst und folgten damit im vorauseilenden Gehorsam der agitatorischen Rede des Rt Millex. Sie brachen damit die deutschen Reyche nicht nur aus dem Verband der Allmutter heraus, sie legitimierten für ihren deutschen Bereich damit erstmals die schon sehr lange von rechtsradikalen Schlaraffen angestrebte Abkehr von den Prinzipien der Prager Urschlaraffen. Rt Millex war ein hochintelligenter Kopf, der bereits vor und in den dreißiger Jahren wie so viele andere das Heil Deutschlands mit der Hitler-Partei verband und in seiner Verblendung deren Ideologie völlig kritiklos vertrat. Sein Auftritt in der Leipziger Versammlung war der eines großen Agitators, der in seiner Rede alle Register zum Einsatz brachte, um eine Abstimmung gemäß seinen Vorgaben zu erreichen. Da er damit die deutsche Schlaraffia der ideellen Vorgaben und des Wertes der Gründer beraubte, ist sein damaliger zielorientierter Einsatz als höchst verwerflich zu bezeichnen. Dennoch erstaunlich, sei hier angemerkt, dass die großen Namen der deutschen Schlaraffia ihn so völlig unkontrolliert gewähren ließen. Millex bildete nach der Leipziger Zusammenkunft mit den vier anderen Präsidialen der Berolina und Lipsia die „Statthalterei der reichsdeutschen Schlaraffen-Reyche“. Laut deren Sendboten Nr. 6 führte Millex, jetzt auch als Generalbevollmächtigter der Schlaraffia bezeichnet, Verhandlungen mit der Reichsleitung der NSADP in München mit dem Ziel, „daß Schlaraffen Mitglieder der Partei sein und bleiben dürfen“. Das Rundschrieben Nr. 8 vom 10. d. Heumonds a.U. 74 begann mit folgender an die Schlaraffenreyche weitergeleiteten parteiamtlicher Bekanntmachung der NSDAP vom 9. Juni 1933: „Verschiedene Anfragen veranlassen uns, darauf hinzuweisen, dass selbstverständlich die Mitglieder des Vereins „Schlaraffia“ unter dieselben Bedingungen wie die Freimaurerlogen fallen, also nicht Mitglieder der NSDAP sein können. Parteigenossen, die dem Verein „Schlaraffia“ angehören, haben unter allen Umständen aus dieser Organisation auszutreten. Die Gauleitung.“ Die Statthalterei resümierte: „Daraus ergibt sich zu unserem großen Leidwesen, dass die Bemühungen der Statthalterei und ihrer Helfer um einen freundliche Einstellung der NSDAP zur Schlaraffia ohne Erfolg geblieben sind.“ Daran sollte sich bis zur Selbstauflösung 1937 auch nichts mehr ändern. Es fällt auf, dass bereits bei diesem Sendboten der Statthalterei die Unterschrift von Millex fehlte. Die Begründung für den Beschluss der Reichsleitung der NSDAP wurde im Sendboten Nr. 9 vom 19. d. Heumonds nachgeliefert: „Im Willen und Können, die Belange des deutschen Volkes in nationaler und ethischer Hinsicht zu fördern, kann kein Mensch den Führer der Bewegung und den Kanzler Adolf Hitler übertreffen [...] Wer wirklich Nationalsozialist ist, braucht außer der Bewegung keine zweite Gemeinschaft. Deshalb soll sich jeder entscheiden, ob NSDAP oder eine andere Gemeinschaft.“ Der Sendbote Nr. 10 der Statthalterei vom 29. d. Heumonds enthielt einem Paukenschlag: „Nachdem der Statthalter H. [Herrlichkeit] Millex-Monachia infolge Ablehnung seines im Interesse der Schlaraffia an die Reichsleitung der NSDAP gerichteten Gesuches durch deren Entscheidung vom 9. Juni d. J. aus Schlaraffia ausgetreten ist [...]“. Es erfolgt jetzt ein Zeitsprung in das Jahr 1947. Im Uhufunken Nr. 9 vom 1.2. a.U. 88 (1947) liest man in der Rubrik „Aus den Reychen“: „15. Monachia, Neugründung des Vereins [...] Das Reych ist die Fortsetzung der alten Monachia von 1880 [...] Mitglied kann vereinsgesetzlich nur sein, wer unbelastet [nationalsozialistisch] oder ordm. bereinigt [entnazifiziert] ist. Das Reych Monachia ist gewillt, zur Wahrung seiner inneren Verbundenheit in dieser schweren Zeit seinen Kreis nur mit äußerster Vorsicht zu erweitern [...] und besonders den entwurzelten Opfern der jüngsten Vergangenheit [Juden], sofern sie selbst dem Uhubund die Treue wahrten, eine neue schlaraffische Heimat zu geben.“ In der Nr. 29 der deutschen Schlaraffenzeitung wird mit Datum 7.11. a.U. 92 (1951) als Prüfling der Monachia genannt: „Goetz Georg, Dr., Rechtsanw., geb. 21.1.87 i. München (bis 1933 Mitglied d. Schlaraffia Monachia)“. Der weitere Standeslauf erfolgte gemäß den jeweiligen Meldungen: „Eismond a.U. 93 [1952] – Kugelung als Kn 314. Hornung a.U. 93 – Erhebung zum Jk Girgl. Ostermond a.U. 93 – Ritterschlag zum Rt Mil-lex der Heimkehrer“. In der Folgezeit hatte Mil-lex von a.U. 95/96 (1954/1955) an mit a.U. 98/99 (1957/1958) das Amt des Junkermeisters inne, sowie von a.U. 101/102 (1960/1961) mit a.U. 103/104 (1962/1963) das Amt des OoP der Monachia. Sein Ahallaritt erfolgte im 89. Lebensjahr am 9.2. a.U. 117 (1976). Es bleibt auch in aller Deutlichkeit anzumerken, mag Mil-lex in seiner zweiten schlaraffischen Laufbahn als ein „guter Schlaraffe“ gesippt haben, sein Wirken im Jahr 1933 und dessen katastrophale Folgen für das wertvolle Ideal unseres schlaraffischen Bundes können dadurch nicht aufgewogen werden. Diese Feststellung ist man auch den damaligen Leidtragenden der drei fatalen Leipziger Entschließungen schuldig. (Rt LeBasco -