Proletarier-Quartett

Unbekannt ·Sonstiges

Beschreibung

In DSZ 6/163 gibt Rt UHN-Synn (266) einen historischen Abriss zu diesem Klang. „Im Frühjahr 1859 saß eine zwanglose Gesellschaft von Künstlern und Kunstfreunden in Freunds Restauration, Ecke Wassergasse und Grube in Prag. Als Theaterdirektor Thomé von dem Grund des Austritts aus dem Verein „Arcadia“

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In DSZ 6/163 gibt Rt UHN-Synn (266) einen historischen Abriss zu diesem Klang. „Im Frühjahr 1859 saß eine zwanglose Gesellschaft von Künstlern und Kunstfreunden in Freunds Restauration, Ecke Wassergasse und Grube in Prag. Als Theaterdirektor Thomé von dem Grund des Austritts aus dem Verein „Arcadia“ berichtete, beschlossen alle anwesenden Freunde sich zum Trotz als Proletarier zu bezeichnen. Die neuen Mitglieder begannen sofort, individuelle Namen zu erfinden, die aus ihrem profanen Beruf und dem Wort „Proletarier“ zusammengesetzt waren. Während der Beratung über diese Namen, dichtete und komponierte Albert Eilers das „Proletarier-Quartett“. Es wurde noch am selben Abend von den Herren Bachmann, Eilers, Mick und Slansky zum Gaudium der Anwesenden uraufgeführt. Nach der ersten großen Begeisterung alle erlahmte diese und der Club drohte zu zerfallen. Eilers und Schmidt-Weißenfels machten sich immer intensiver Gedanken darüber, einen neuen Verein mit einer Art „Verfassung“ zu gründen. Man traf sich weiterhin beim „Freund“ in normal-bürgerlicher Kleidung, ohne jegliche Abzeichen und ohne jegliche Kopfbedeckung. Die neu aufkommende Euphorie gipfelte darin, dass am Abend des 10. Oktober 1859 der Mehlhändler Allram ein sogenanntes „Stiftungslied“ dichtete. Die Anregung wurde sofort vom Kapellmeister Jahn aufgegriffen. Auf der Rückseite eines Speisezettels versah er den Text mit Noten. Als die meisten anderen Gäste später das Lokal verlassen hatten, wurde der Klang „Zur Eröffnung“ zum ersten Mal von allen noch Anwesenden mit Begeisterung gesungen. Weil dieser Klang aber als Vokalquartett komponiert worden sein soll und weil das eigentliche „Proletarier-Quartett“ in den späteren Klangsammlungen nicht mehr auftauchte, wurden und werden diese beiden Klang-Titel in Schlaraffia, auch heute noch, oft verwechselt. Bemerkenswert, aber durchwegs kaum zur Kenntnis genommen, ist die Tatsache, dass der „Mehlproletarier“, Karl Allram, die fröhliche Gesellschaft im Text nur als „Verein“ bezeichnet hatte, nicht aber schon als „Schlaraffia“. Der „Baßproletarier“ Albert Eilers – der spätere Rt Albertus und in der Folge Rt Graf Gleichen – war der erste „Klang-Chronist“ dieser Zeiten. Bereits im Mai 1861, also kaum eineinhalb Jahre nach der Gründung des „Vereins“ hat er eine Sammlung der bis zu diesem Zeitpunkt bei Freud gesungenen Klänge herausgebracht. Viele Klänge waren eigene Schöpfungen. ↑ Der Schlaraffia® Lieder 1. Bekanntlich fängt jedes allschlaraffische Klangbuch mit dem Klang „Zur Eröffnung“ an. UHUs Fügung ist es zu verdanken, dass ein Original-Exemplar von Rt Graf Gleichens Sammlung in der Österreichischen Nationalbibliothek aufgestöbert werden konnte. Es ist erkennbar, dass die für Schlaraffen entsprechende erste Ausgabe erst am 10. Oktober 1863 durch Franz Thomé (Rt Carl II.) als Buch herausgegeben wurde. Graf Gleichen hat der Ausgabe nicht nur eine Widmung für seine „liebe Schlaraffia“ beigefügt, sondern den zwei ursprünglichen Strophen noch eine eigene Dritte angehängt, in der er schon ein „Schlaraffenland“, im Sinne unserer heutigen Verwendung, erwähnt. Weil aber der Text von Rt Allschmetten (Bild oben) - durch die Verwendung des Wortes „Verein“ - nicht „standesgemäß“ war, wurde in späteren Klangsammlungen zusätzlich eine Version mit neu gestalteten Worten veröffentlicht. …Das „Proletarier-Quartett“ konnte nun erstmals in der 1.Liedersammlung auf Seite 58 und 59 als Klang Nr. XXX gefunden werden. Der Text ist bisher die einzige schriftliche Dokumentation aus dieser vorschlaraffischen Periode, was die Tragweite des jetzt aufgetauchten historischen Fundstückes betont. Das „Proletarier-Quartett“ ist deshalb nie wieder in einer Variante der verschiedenen Klangbuch-Ausgaben aufgetaucht, weil es sich hierbei nicht um einen ausgesprochenen Schlaraffen-Klang gehandelt hat. Es schien, aus schlaraffischer Sicht, unwichtig zu sein. Ab 1895 wurde dieser geschichtsträchtige Klang unterdrückt.“
Quelle: Lulupedia Import