Lechner, Felix

Unbekannt ·Sonstiges

Beschreibung

Ehrenritter ↑ Devast der Große vom Böhmerwalde der Allschlaraffia, erkürt vom XIV. Concil zu Norimberga a. U. 100. k.k.Kommerzialrat, Großindustrieller, Holzgroßhändler, *07.05.1862, † 14 November 1933, Prag, Grab: Jüdischen Friedhof in Prag-Straschnitz, 9. Quartier. Der jüdische Holzgroßhändler Fel

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Ehrenritter ↑ Devast der Große vom Böhmerwalde der Allschlaraffia, erkürt vom XIV. Concil zu Norimberga a. U. 100. k.k.Kommerzialrat, Großindustrieller, Holzgroßhändler, *07.05.1862, † 14 November 1933, Prag, Grab: Jüdischen Friedhof in Prag-Straschnitz, 9. Quartier. Der jüdische Holzgroßhändler Felix Lechner stammt aus der Familie Löwy (später Lechner). Seine Eltern waren Adolf Löwy (1826–1900) und Marie Löwy (geb. Winterberg; um 1830–1905). Er war der Bruder von Regina Löwy (verh. Stein; 1853–1908); Katharina Löwy (1856–1909); Betty Löwy (verh. Pick; 1857–1905); Leontine Löwy (verh. Mayer; 1859–1932) und Dr. Karl Lechner (1863–1920) sowie drei weiterer, in der Genealogie ungenannter Geschwister. Im Zuge der Entgettoisierung der Juden in Böhmen, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts begann, deutschten viele Juden ihre Familiennamen ein, was damals rechtlich möglich war. Damit wollten sie der mit den jüdischen Namen im öffentlichen Leben einhergehenden Diskriminierung entgegenwirken und Zeichen der Integration in die deutsche Gesellschaft setzen. Die beiden Söhne Felix und Karl wählten den neuen Familiennamen Lechner. Nachdem Devast – wie erwähnt – in der ersten Stammrolle der Ostia (81) noch als Felix Löwy gemeldet war, änderte er im Umfeld der Verlegung seines Lebensmittelpunktes von Aussig nach Prag seinen Nachnamen von Löwy in Lechner. Er war verheiratet mit Ruza Lechner (geb. Birnbaum; * 1866; † unbekannt; wahrscheinlich nach 1941 ermordet in einem SS-Vernichtungslager). Ihre Kinder hießen Irma Lechner (* 1888; † unbekannt [Vernichtungslager ?]); Kurt (*1889; † unbekannt [Vernichtungslager ?]), Herbert Lechner (* 1891; † 1942 Minsk/Belarus [also SS-Vernichtungslager in Weißrussland], genau wie seine Ehefrau Nellie, geb. Kraus, sowie ihre Kinder Karl Egon und Meria Elisabeth), Egon Georg Lechner (1897–1921) und Georg Lechner († um 1923). Genauso erschütternd wie diese unfassbare Sterbe- und Todesbilanz in der engeren Familie von Felix Lechner ist sie in den Familien seiner Geschwister, wo sehr häufig zu lesen ist: „Tod: Datum und Ort unbekannt“. Bei näherer Betrachtung der Genealogie schockiert die Dimension dessen, was der Familie von Felix Lechner in der Zeit des „Dritten Reiches“ an Opfern zugefügt wurde. Er und die Seinen stehen gewissermaßen stellvertretend für die Menschenopfer, die der Schlaraffia als Ganzes in dieser Zeit abverlangt wurden. Bisher wurden darüber von Seiten des deutschen und österreichischen Schlaraffenverbandes keinerlei Andeutungen gemacht, geschweige denn, dass eine Aufarbeitung erfolgte. Die von der Hundertjahr-Chronik dem Bund 1959 diesbezüglich dargebotene Spärlichkeit in der Devast’schen Vita irritiert und kann für das betretene (Ver)Schweigen als beispielgebender Beleg gelten. Hier sind einige aufschlussreiche, aber letztlich leere Worte gesprochen worden. Sie hat damals jeder verstanden! Mit dem bezeichnenden Abschlusssatz: „Gut, dass Devast das bittere Ende Allschlaraffias und der Allmutter nicht mehr erleben brauchte.“ …und das Ende der eigenen Familie ist hinzuzufügen! Die Familie von Felix Lechner steht für das Ausmaß der jüdischen Opfer Schlaraffias im Dritten Reich, aber nicht nur für das Schicksal der Ermordeten, sondern auch für deren Eigentumsverlust, wie auch für Eigentumsverlust und Flucht derer, die dem Massenmord entkommen konnten. Um so mehr steht zumindest vor der heutigen Generation Allschlaraffias die Forderung, sich nicht aus der Geschichte zu stehlen, wie es die Nachkriegsgeneration der Schlaraffen tat, die sich ganz offensichtlich – und da war Schlaraffia kein Deut besser als die gesamte Gesellschaft der Bundesrepublik – über Jahrzehnte nicht dem Urteil der Geschichte stellen wollte. (Text Dr. Dieter Weber)
Quelle: Lulupedia Import