Ehrenritter Allschlaraffias, erkürt vom XIV. Concil zu Norimberga a. U. 100. Ritter „Devast vom Böhmerwalde genannt „Der Große“ oder „Unser Devast der Große“, war wie auch „Raps“ und „Barnabas” ein Großer Allschlaraffias, eine überragend-prägende Leitfigur, allein schon deshalb, weil er auf dem Thron der Praga (1903–1933) und im Bundesvorsitz (1906–1933) über Jahrzehnte zum „Mehrer Allschlaraffias“ wurde. 1885 wurde Felix
↑ Lechner – damals noch unter seinem ursprünglichen jüdischen Familiennamen Löwy) – Erzschlaraffe der Colonie Ostia (81), gegründet 5.12.1885). Hier schrieb er 1887 als Hofpoet des Reyches ein Gedicht, das man als Leitidee seines gesamten Wirkens bezeichnen kann: „Die Freundschaft der Schlaraffia“. Schon ein halbes Jahr später, im Dezember 1887, teilt die „Ostia“ mit: „Baron Devast vom Böhmerwalde ist gen Praga [...] ausgeritten“, was nichts anderes bedeutet, als dass er in die böhmische Hauptstadt umgezogen war und hier sesshaft in der Praga wurde und zwar unter dem geänderten Familiennamen Lechner. Im Oktober 1894 wurde Devast Junkermeister, um genau neun Jahre später (Oktober 1903) die Knute des Gestrengen aus der Hand zu legen. Zwei Monate später (Dezember 1903) wurde er erstmals auf den Thron der Praga gewählt. Der 6.10.1906 markiert den Beginn seiner Rolle als ihr OÄ an der Seite von Barnabas, Pragas eisernem Kantzler und graue Eminenz und Steuermann Allschlaraffias, der ihn wohl für die Rolle als neuer Lenker auserkoren hatte. Er übernahm sie dann endgültig im Februar 1909, ein Jahr vor dem Ahallaritt des schwer erkrankten Barnabas. Mit der Ambtsführung von Devast war ein Zuwachs von 150 Reychen und Colonien zu verzeichnen, und unter seiner Leitung fanden das 50. Stiftungsfest der „Praga“ und sechs Concile (VII. – XII.) statt. Auf ihn gehen solche Fürsorgemaßnahmen zurück wie der „Freundschaftsschatz“, der „Kriegswitwen- und -Waisen-Schatz“ und der „Ausgleichsfonds“, mit denen die Schlaraffen an ihre sozialen Wurzeln anknüpften. Mit Devast erfolgte aber auch 1914 die Festlegung der deutschen Sprache als Geschäftssprache Allschlaraffias und damit als Umgangssprache unter den Schlaraffen. Diese schwerwiegende Entscheidung war der endgültige Bruch mit der Prager deutsch-tschechischen Tradition. Die Hundertjahr-Chronik kam nicht umhin 1959 festzustellen, dass diese „bedeutsame Tat zu Turicensis [...] von ihm [Devast] gegen eine starke Opposition [durchgesetzt wurde]. Auch in der Zeit nach dem Kriege erwies sich Devast den zahlreichen auf den Bund einstürmenden Schwierigkeiten und Gefahren voll gewachsen. Er setzte es mit vielen Mühen durch, dass der Bund »Allschlaraffia«, der in Wien für das gesamte Uhuversum behördlich sanktioniert war, auch weiterhin von tschechischen Regierungsstellen in Prag genehmigt wurde und seine rechtliche Existenz nicht verlor (Genehmigungserlass des tschechischen Ministeriums des Innern vom 27. 9. 1919).“ Zu beachten ist also, dass Devast – ein deutsch-jüdischer Böhme – einerseits 1914 eine von den Tschechen als antitschechisch wahrzunehmende Festlegung zu verantworten hatte und andererseits 1919 von den Tschechen die wohlwollende Fortexistenz des Bundes Schlaraffia einforderte. Der Genehmigungserlass der tschechoslowakischen Behörden war ein Vorgang, der den Willen des neu entstandenen demokratischen Staates markierte, die auf seinem Territorium gewachsenen deutschen – und das dürfte in diesem Falle auch eine Rolle gespielt habe: jüdischen – Traditionen zu achten. „Als politisches und rassisches Gezänke in die Burgen einzudringen und den Bund zu erschüttern drohte, gelang es Devast’scher Überzeugungskraft und Beredsamkeit auf dem bewegten Concil zu Haidelberga, daß »kein Steinchen von dem stolzen Bau Allschlaraffias abbröckelte«“, verlautet die Hundertjahr-Chronik über das den Schlaraffenbund zu spalten drohende Aufkommen der antisemitischer Tendenzen. Organisatorisch fand dies seinen Ausdruck in der extrem antisemitisch ausgerichteten, sich selbst demagogisch Urschlaraffia nennenden Konkurrenz. An dieser Stelle ist ein damit verbundener Aspekt zu erwähnen, der heute kaum noch bekannt ist, der insbesondere in den 1920er und 1930er Jahren aber immer wieder an der Person des Juden Felix Lechner festgemacht wurde: Schlaraffia hatte seit ihrer Gründung in Prag mit zwei irrigen Unterstellungen sowohl von Seiten der Behörden in Österreich und Deutschland – hier teils wider besseren Wissens – aber auch im Volk zu kämpfen, deren Wirkungen letztlich im fast vollständigen Untergang des Bundes in Europa in den Jahren 1937–1939 mündete: Der Vorwurf zu den geheimgesellschaftlichen Logen (wie den Freimaurern) zu gehören und eine jüdisch dominierte Organisation zu sein, wobei zwischen beiden Aspekten dem Zeitgeist und der politischen Zielstellung entsprechend ein Zusammenhang impliziert wurde. Diese Zuschreibung setzte sich in den Staatsorganen des Inneren bis in die jüngere Zeit fort und wurde durch die Nazis zum Ärger der Schlaraffen besonders seit 1933 vergnüglich gepflegt. Die Person des Juden Felix Lechner war deshalb über viele Jahre die bevorzugte Zielscheibe von Angriffen der rechtsextremen Medien, insbesondere der Nazi-Presse. In den Quellen ist die genannte Zuschreibung signifikant nachweisbar, sowohl in dem staatlich produzierten Aktenmaterial als auch im schlaraffischen Schriftgut. Die Gründung der Urschlaraffia erfolgte genau wegen des Vorwurfes gegenüber Allschlaraffia mit Lechner an der Spitze, dass sie jüdisch dominiert sei. Aber der Urschlaraffia nutzte das letztlich nicht, denn auch sie musste es sich gefallen lassen, zu den Logen gezählt zu werden. So wie Allschlaraffia sich dagegen wehren musste, eine freimaurerische Geheimgesellschaft zu sein, war nur kurz danach auch die Urschlaraffia dazu gezwungen. Eingedenk dieser Feststellungen verwundert es nicht, dass die Würdigung für Felix Lechner, für Ritter Devast, in Allschlaraffias Ehrentafel der Ehrenritter im Jahre 1959 – erkürt durch das XIV. Concil zu Norimberga (Nürnberg) a. U. 100 – historisch so „unverfänglich“ ausfiel, wie nachfolgend kurz beschrieben. Alle seine Verdienste in 30 Jahren als Führer des Bundes werden aufgeführt. Aber kein Wort über die Angriffe auf ihn und Allschlaraffia bis zu seinem Tode im November 1933 wegen seines Judentums, als hätte es diese nicht gegeben. Kein Wort über die Ermordung seiner Frau und Kinder bzw. die Auslöschung der meisten Angehörigen seiner Familie, ganz so als wären alle eines natürlichen Todes gestorben. Kein Wort des Bedauerns und der Entschuldigung, was Deutsche ihren jüdischen Mitbürgern antaten. Devast war zweifelsohne eine der überragenden Gestalten in der Geschichte Allschlaraffias. Was er während seiner Ambtsführung leistete, seine reichen persönlichen und schlaraffischen Vorzüge, sein energievoller, vornehmer Charakter, sein liebenswürdiges Wesen, seine vollendete, hinreißende Rednergabe und seine Schlagfertigkeit, vor allem aber seine begeisterte Hingabe an die schlaraffische Idee sind so einmalig und so bewundernswert, dass er die Dankbarkeit des Uhuversums für alle Zeiten vollauf verdient. Sein Name wird erst mit dem letzten Schlaraffen verlöschen. (Text Dr. Dieter Weber und Chronik Allschlaraffias)