Thomé, Franz

Unbekannt ·Geschichte

Beschreibung

Thomé wurde am 21. November 1807 in Wien als Sohn des Kanzleibeamten des russischen Botschafters in Wien, Fürst Andrei Kirillowitsch Rasumowski geboren. Nach dem Tod des Vaters übersiedelte die Mutter mit ihm nach Dresden, wo er das Gymnasium absolvierte. Als die Mutter wieder heiratete, zog die Fam

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Thomé wurde am 21. November 1807 in Wien als Sohn des Kanzleibeamten des russischen Botschafters in Wien, Fürst Andrei Kirillowitsch Rasumowski geboren. Nach dem Tod des Vaters übersiedelte die Mutter mit ihm nach Dresden, wo er das Gymnasium absolvierte. Als die Mutter wieder heiratete, zog die Familie nach Wien zurück. Schon 1824, mit 17 Jahren, ging Thomé zum Theater und spielte auf Bühnen in Wien jugendliche Liebhaber. Nach weiteren Engagements an nur zum Teil ermittelten Theatern und Bühnen in Österreich-Ungarn (1828–31 in Böhmen bei Jan Suwar, 1832 in Brünn) folgten Engagements in Paris, 1837-39 (Buda-) Pest und Nürnberg. 1837 heiratete er in Pest die Schauspielerin, Lokalsängerin und Choristin Demoiselle Marie Baumgärtner (1817–1859). Im Oktober 1841 – nun 34 Jahre alt – kam er an das Theater in Mainz. Zunächst trat er dort noch als Regisseur des Theaters in Triest und somit als Gast auf, immer in Hauptrollen und mit glänzenden Kritiken. Damit hatte er sich rasch eine besondere Auszeichnung verdient: Die Mainzer Erstaufführung von Nestroys Posse »Der Talisman« mit Thomé in der Hauptrolle und als Benefiz-Vorstellung für ihn, so dass ihm alle Einnahmen des Abends zuflossen. Fortan wurde er auf den Theaterzetteln auch nicht mehr als Gast, sondern als Mitglied des Ensembles aufgeführt. Bis zum Ende der Spielzeit und seines Mainzer Engagements im April 1842 hat er in 29 verschiedenen Stücken die Hauptrolle innegehabt und durchweg höchst anerkennende Kritiken erhalten. 1845 übernahm er die Direktion des Theaters in Laibach, die damals mit der von Triest verbunden war. 1847 wurde er von Graf Skarbek nach Lemberg in dessen neu erbautes Theater als „artistischer Director“ engagiert, kehrte aber schon 1848 zu den vereinigten Bühnen von Laibach, Triest und Klagenfurt zurück. 1850 übernahm er die Leitung des Landständischen Theaters mit dem Schauspiel- und Opernensemble in Graz, wobei er weiterhin als Schauspieler und Regisseur tätig war.. Ein geflügeltes Wort dieser Zeit – begründet auf das von ihm geförderte ausgezeichnete Bühnenbild – lautete: „Man muß den ‚Propheten‘ in Wien hören und in Graz sehen.“ 1853 pachtete Thomé das Theater in Riga, spielte mit seinem Ensemble auch in Nachbarstädten sowie in Helsinki und brachte 1857 als erste Oper Wagners überhaupt den „Tannhäuser“ nach Finnland. Vom 22. März 1853 bis zum Jahre 1858 war er Direktor des Theaters in Riga. Als im Herbst 1857 ein neuer Direktor für das Prager Ständetheater gesucht wurde, bewarb er sich 1858 erfolgreich um die Leitung. Unter neun qualifizierten Bewerbern hatte man sich für ihn entschieden. Ab 1859 leitete er, zuerst gemeinsam mit Johann August Stöger, seinem Vorgänger, als stillem Teilhaber und mit diesem durch geheimen Contract geschäftlich verbunden, das k.k.privilegierte Graf Nostiz’sche Theater auf dem Obstmarkt, das Prager Nationaltheater, heute Ständetheater, wo sich das deutsche und das tschechische Ensemble die Bühne teilten. In diesem Theater wurde einst Mozarts "Don Giovanni" uraufgeführt, wobei Mozart die Premiere selbst dirigierte. 1859 verheiratete sich Thomé in 2. Ehe mit der Mezzosopranistin Demoiselle Adelaide Günther (1834–1865). Aus dieser zweiten Ehe hatte er eine Tochter. Es gelang Thomé, an sein Theater bekannte Sänger und Schauspieler zu verpflichten. Das Ständetheater war zudem eine Kaderschmiede für kommende Stars von Schauspiel, Oper und Tanz; Thome scharte junge Talente um sich, die später an großen Häusern wirken sollten - vom Wiener Burgtheater bis zum Bolschoi-Theater. Über sein Verhältnis zu Wagner gibt es unterschiedliche Auffassungen. Einige bekannte Darsteller, wie den späteren Wiener Burgschauspieler Konrad Adolf ↑ Hallenstein und die Sänger Franz Innozenz Nachbaur und Eduard Bachmann, holte er in sein Ensemble. Thomé gründete am 10. Oktober 1859 in Prag gemeinsam mit einigen seiner Schauspieler und Sänger den Künstler- und Geselligkeitsverein Schlaraffia, nachdem er den Künstlerverein Arkadia verlassen hatte. Es gibt hier historische Unklarheiten, da viele Quellen als Gründungsjahr der Arkadia 1860 angeben. In diesem Jahr fand die Konstitution der Arkadia statt und Thomé wurde als Mitglied der Direktion gewählt. In Prag ließ er 1859, mit Johann August ↑ Stöger, zusätzlich ein gut ausgestattetes Sommertheater, die sogenannte Neustädter Arena mit 3.000 Plätzen, erbauen, die ihm bis zu seinem Tod Pachteinnahmen brachte. Dieser kostspielige Bau des Neustädter Theaters vor dem Roßthore führte zur finanziellen Krisis und schon 1860 zu finanziellen Diskrepanzen und Thomé überwarf sich mir Stöger. In welchem guten Andenken aber Stöger bei den Pragern stand, zeigte sich bei Eröffnung des Neustädter Theaters, bei welcher nur er, obgleich in der Direction gar nicht genannt, stürmisch hervorgerufen wurde. Denn der aalglatte, unsympathische Director Thomé erfreute sich wenig Wohlwollens von Seite der Prager. Aus der Krisis, deren nächste Folge die Auflösung der Compagnieschaft war, ging Stöger, wohl mit nicht unbedeutendem Verluste hervor, doch immerhin noch soviel rettend, um sich ins Privatleben zurückziehen zu können. Er übersiedelte nun nach München zu seiner Tochter, aber schon nach drei Jahren ereilte ihn, im Alter von 70 Jahren, der Tod. Als im November 1862 mit dem Tschechischen Landestheater (Interimstheater) die erste selbstständige tschechische Bühne Prags eröffnet wurde, blieb Thomé Direktor sowohl des deutschen als auch des tschechischen Hauses. Im Frühling 1864 liefen seine Verträge für beide Bühnen aus, doch leitete er das tschechische Ensemble, nachdem sein Nachfolger am Interimstheater im September 1865 bankrott gegangen war, noch bis zum preußisch-österreichischen Krieg 1866. Er hatte in dieser neuen Aufgabe den Zenit seines Künstlerlebens erreicht und das Ständetheater zu solcher Blüte gebracht, dass es bald zu den bedeutendsten Bühnen in Europa gezählt wurde. Er leitete 1865 - 1866 auch zusätzlich die erste tschechische Bühne Prags, das Tschechische Nationaltheater, Interimstheater in Prag, das später in die Nationaloper an der Moldau eingebaut wurde. Durch seine organisatorischer Sorgfalt und intensive Unterstützung machte er sich um das tschechische Theaterwesen sehr verdient. Während seiner Leitung wurde 1866 Smetanas "Verkaufte Braut" und „Die Brandenburger in Böhmen“ uraufgeführt. Die Theater wurden nach dem preußisch-österreichischen Krieg, nach dem preußischen Einmarsch in Prag geschlossen. Er behielt 1867–70 die Theaterleitung in Linz. Nach seinem ersten Schlaganfall 1870 löste er den Vertrag und kehrte nach Prag zurück, wo er nach einem zweiten Schlaganfall am 22.Mai 1872, 65-jährig starb. Sein Grab befindet sich auf dem Olšanský Hřbitov, Eingang Olšanský náměstí, rechts neben der Kapelle. Von dort ca. 50 Meter hinein und dann ca. 20 m nach rechts. Thomé galt als erfahrener Unternehmer mit hohem künstlerischem Niveau. An all seinen Bühnen schränkte er das Possen- und Operettenrepertoire zugunsten des soliden Schauspiels und der Oper ein und legte Wert auf die Bühnenausstattung. Thomé wurde zum 21. Ehrenritter ↑ Carl II. der Frauenprüfer der Allschlaraffia vom XXIV. Concil in Vorarlberg vom 9. bis 11. Lethemond a. U. 150 erkürt.
Quelle: Lulupedia Import