Beschreibung
Schönherr, Karl Dr.
Titel: Erde
Reych: Nr. 216 Porta Tiroliae (Kufstein)
Geb.: 24.02.1867 in Axams
Gest.: 15.03.1943 in Wien
Volltext
tiroler Arzt und Dichter Der früh verwaiste Sohn eines Lehrers verbrachte eine harte Jugend im Vintschgau und besuchte das Gymnasium in Bozen. Mit mühsam zusammengespartem Geld studierte er in Wien Medizin und ließ sich dort als Arzt nieder. Er schrieb zuerst Tiroler Heimaterzählungen, dann Bühnenstücke, von denen schon die 1908 erschienene Bauernkomödie „Erden, auf die am Ende dieses Beitrages noch eingegangen wird, mit dem Bauernfeld-Preis ausgezeichnet wurde. Später erhielt Schönherr auch den österreichischen Schiller-Preis und den Preis des Volkstheaters. Er erwies sich als ein vielfach preisgekrönter Nachfolger Anzengrubers. Sein allzu sicherer Instinkt für Bühneneffekte, seine kernige Holzschnittmanier und sein überfarbiger Dialekt gaben allerdings den Bauern seiner Heimatstücke einen leicht überspannten Ausdruck. Ein lebenswahres, echt naturalistisches Bild aus dem Tiroler Bauernleben zeichnete ES Erde in der gleichnamigen Tragikkomödie, die am 13.01.1908 in Düsseldorf uraufgeführt wurde: „Eine Komödie des Lebens", nannte er sein von symbolischen und expressionistischen Elementen getragenes Lied von der Erde, das jenes zähe Festhalten am eigenen Boden vom Skurrilen bis zum Tragischen ins Bühnenlicht stellt. Das geht über den Tod hinaus. Der alte Grutz, Herrscher und Schaffer in diesem Reich der Arbeit, in der gefahrvollen Berglandschaft, der jede Handbreit Acker und Wiese abgerungen werden muss, spricht „. . . a Baur, wie keiner mehr kennt . . ." - Iässt sich nicht trösten, wenn er dem Ende schon nahe erscheint: „. . . i stirb ja nit! bin meinem Lebtag knietief in der Erd dreingsteckt! jetzt steig i halt a paar Schuech tiefer, dös is alls!" Er übergibt den Hof auch nicht, als er, seinen Zustand erkennend, alle Vorbereitungen für das Jenseits sachlich und genau verfügt, während er gleichmütig feststellt: „Ja, jetzt geht's langsam der Erden zu! . . ." Von 1910 bis zu seinem Tode wirkte er mit der Exelbühne zusammen. Sein Werk „Glaube und Heimat" wurde gleichzeitig im „Deutschen Volkstheater" in Wien und in Prag uraufgeführt. Sein „Weibsteufel“ wurde sowohl in Mainz als auch in München 1915 verboten. Von ihm erschienen: „Inntaler Schnalzer", d. s. Gedichte in Mundart, „Allerhand Kreuzkopf", „Die Bildschnitzer", „Sonnwendtag“, „Karnerleut“, „Die Trenkwalder", „Volk in Not", „Glaube und Heimat", „Der Armendoktor", „Die Fahne weht", „Tiroler Bauernschwänke" und „Tiroler Marterl" für abgestürzte Bergsteiger. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt