Beschreibung
Harsdörffer, Georg Philipp (auch als Diplomat eingesetzt.)
Titel: Trichter
Reych: Nr. 17 Norimberga (Nürnberg), erk. 01.10.159
Geb.: 01.11.1607 in Fischbach (zu Nürnberg)
Gest.: 17.9.1658 in Nürnberg
Volltext
Schriftsteller, Spracherneuerer, Dichter und Begründer des „Pegnesischen Blumenordens“ Harsdörffer hat in seinem verhältnismäßig kurzen Leben Erstaunliches erreicht und bewirkt. Er war Nürnberger Ratsherr, Jurist, Politiker, Schriftsteller, Spracherneuerer und Dichter. Bereits mit 16 Jahren wurde er an der Universität in Altdorf immatrikuliert, setzte sein Studium dann in Straßburg fort. Er studierte Jura, Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften. Eine Bildungsreise, genannt „Kavalierstour“, führte ihn fünf Jahre lang durch die Schweiz, die Niederlande, England, Frankreich und Italien. In einer Zeit, in der noch der Dreißigjährige Krieg tobte. 1631, zurück in seiner Heimatstadt, trat in den Verwaltungsdienst ein. Zuerst im Untergericht, dann am Stadtgericht, schließlich wurde er in das zentrale Führungsorgan der Reichsstadt gewählt, in den „Kleinen Rat“. Sein Rat als Jurist war sehr gefragt und er wurde sehr oft 1648 war der Dreißigjährige Krieg zu Ende. Von Mai 1649 bis Juli 1650 fand dann in Nürnberg ein „Friedens-Exekutions-Kongress“ statt. Als krönenden Abschluss veranstaltete man dann am 25. September 1649 das „Nürnberger Friedensmahl“. In der Chronik ist nachzulesen, dass es „600 Speisen in sechs Gängen gab und aus einem Löwenbrunnen aus dem Löwenmaul zweierlei Wein auf die Straße floss, wo sich eine begeisterte Menge um den guten Tropfen balgte“. Festdirigent, heute würde man Event-Manager sagen, war Georg Philipp Harsdörffer. Der Vater von fünf Söhnen und drei Töchtern war vielseitig interessiert, befasste sich mit Mathematik, mit den Naturwissenschaften, bildender Kunst, Philologie und Sprachtheorie. Er verfasste eine mathematische Abhandlung (Deliciae mathema-ticiae et physicae), schrieb mit der „Jämmerlichen Mordgeschichte“ den ersten „Frankentatort“ und erdichtete das erste Libretto zur ältesten überlieferten deutschen Oper „Seelewig“ von Sigmund Theophil Staden, ebenfalls einem Nürnberger. Als Schriftsteller hat Harsdörffer 50 Bände hinterlassen, u.a. den „Poetischen Trichter“ um „die Teutsche Dicht- und Reimkunst, ohne Behuf der lateinischen Sprache in VI Stunden einzugiessen“, woraus der Volksmund schnell den „Nürnberger Trichter“ machte, mit dem man die Weisheit eintrichtern kann. Georg Philipp Harsdörffer hat weit über die Nürnberger Stadtmauer hinausgeschaut, war Mitglied in sog. sprachpflegenden Gesellschaften, beispielsweise auch bei der gesellschaftlichen Vereinigung „Die „Fruchtbringende Gesellschaft“ des Fürsten zu Anhalt in Weimar, und er gründete 1644 in Nürnberg den Pegnesischen Blumenorden, den es heute immer noch gibt. Der tiefere Grund dieser Gesellschaften war, die deutsche Sprache zu erneuern, hauptsächlich sie von den vielen rauen Redensarten zu befreien, die von den Söldnern und Landsknechten stammten, die mit dem 30 jährigen Krieg durch Deutschland gezogen waren und deren Umgangssprache sehr, um nicht zu sagen äußerst, verroht war, mit Einflüssen aus dem Französischen, Italienischen und Spanischen. Harsdörffers Bemühungen zeigten Erfolge, denn heute noch verwenden wir Begriffe, die von ihm stammen wie zum Beispiel das Wort Beispiel, oder Betrachtung, Briefwechsel, Ebenmaß, Gesichtskreis, Grundlinie, Hochschule, Mittelpunkt, Rechtschreibung, Schauspieler, Unterweisung, Widerhall, Verfasser u.v.a. (Text aus der Laudatio des h.R. Norimberga)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt