Reych Nr. 248

Gernhardt, Robert

Unbekannt ·G-I

Beschreibung

Gernhardt, Robert
Titel: Lützel Jemann
Reych: Nr. 248 Athenae Gottingenses (Göttingen)
Geb.: 13.12.1937 in Reval
Gest.: 30.06.2006 in Frankfurt / Main

Volltext

deutscher Schriftsteller 1937 im estnischen Reval (heute Tallin) geboren folgte eine Umsiedlung nach Posen und nach dem Krieg die Vertreibung, die Gernhardt mit seiner Mutter und 2 Brüdern in den Kreis Hannover führte, von dort aus kam die Familie nach Göttingen. Gernhardt studierte Malerei und Germanistik, bis er sich 1964 als freiberuflicher Maler, Zeichner, Karikaturist und Schriftsteller in Frankfurt am Main niederließ, welches er gelegentlich gegen die von ihm geliebte Toskana eintauschte. Auch über die Toskana gibt es verschiedene Werke von Gernhardt. Gernhardt arbeitete für die Satirezeitschrift „Pardon“ und später „Titanic“. Hier setzte er, insbesondere in der Pardon-Kolumne „Welt im Spiegel“ dem deutschen Humor seinen Stempel auf. Vordergründiger Blödsinn, der aber bei genauerem Betrachten auf einem perfekten Spiel mit der deutschen Sprache basierte, wurden sein Markenzeichen. Beide Satiremagazine wurden Aushängeschild der „Neuen Frankfurter Schule“, die Gernhardt zusammen mit F.W. Bernstein, Bernd Eilert, Pit Knorr, F.K. Wächter, Chlodwig Poth, Eckhard Henscheid und Hans Traxler begründete. Werke wie „Die Wahrheit über Arnold Hau“, „Besternte Ernte“ oder „Wörtersee“ sind längst Klassiker der deutschen Humorliteratur. Auch für Radio und TV lieferten Gernhardt – Eilert – Knorr Texte, z.B. für die Serie „Dr. Muffels Radio– ABC“, aus der „Dr. Muffels Tele-Brause“ hervorging. Ebenso wäre der Komiker Otto ohne die Texte dieses Trios sicher nicht zu solcher Bekanntheit In den späteren Jahren wandte sich Gernhardt auch der Lyrik und ernsteren Texten zu, die seine eigene Herzoperation und Krebserkrankung thematisierten („Herz in Not“, „Die K-Gedichte), nicht ohne diese mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Sein Spiel mit der deutschen Sprache gipfelt in dem Buch „In Zungen reden“, in dem er eigene Texte im Stil großer Dichter wie z.B. Boccaccio, Busch, Heine oder sogar Gott schreibt. 2005/2006 hielt er als Gastprofessor mehrere Vorlesungen über Heine an der Düsseldorfer Universität. Seine Verehrung der Dichter im Allgemeinen war weitab von jeglichem Plagiatismus, sondern zeichnete sich vielmehr in einem liebevollen Umgang mit ihnen und der deutschen Sprache aus. Gernhardt arbeitete oft unter Pseudonymen wie Lützel Jemann, Hans Mentz oder Norbert Gamsbart, damit er sich von eigenen Ansichten humorvoll distanzieren konnte, da sie ja von seiner Kunstfigur geäußert wurden. (Text: Rt. Koi (247)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt