Reych Nr. 397

Heer, Jakob Christoph

Unbekannt ·G-I

Beschreibung

Heer, Jakob Christoph
Titel: Joggeli
Reych: Nr. 397 Vitudurum (Winterthur)
Geb.: 17.07.1859 in Winterthur
Gest.: 20.08.1925 in Zürich

Volltext

schweizer Lehrer und Schriftsteller Das literarische Schaffen in der Schweiz war im Zeitraum des ausgehenden 19. Jahrhunderts und der Jahrhundertwende geprägt von bedeutenden Epikern und Novellisten. Den bekannten Literaten Jeremias Gotthelf, Gottfried Keller und Conrad Ferdinand Meyer folgten zu Beginn unseres Jahrhunderts Carl Spitteler, Ernst Zahn, Heinrich Federer und als der damals meistgelesene Schriftsteller der Winterthurer Jakob Christoph Heer. In Winterthur-Töss geboren und in der Geborgenheit des damaligen Rebbauern-Dorfes aufgewachsen, folgte J.C. Heer seiner Berufung zum Lehrer und war bis 1887 als Dorfschulmeister im Züricher Oberland tätig. Nach einem längeren, krankheitsbedingten Aufenthalt in Italien trat er 1888 mit seinem ersten Buch „Ferien an der Adria“ als Schriftsteller an die Öffentlichkeit. Weitere Publikationen folgten und namentlich seine Beschreibungen von spektakulären Ballonfahrten mit dem damals bekannten Kapitän Spelterini fanden ein so großes Echo, dass ihn die „Neue Züricher Zeitung“ 1892 zum Feuilleton-Redaktor berief. Nun begann ein intensives literarisches Schaffen, das neben der Tagesschriftstellerei auch sehr viel Platz ließ für eine ganze Anzahl Novellen und seinen ersten Roman „An heiligen Wassern“. 1899 folgte J.C. Heer einer Berufung als Redakteur der in Stuttgart im Verlag J.G. Cotta erscheinenden „Gartenlaube“. In rascher Folge erschienen die Romane „König der Bernina“, „Felix Notvest“ und im Jahre 1902 das wohl schönste, wenn auch heute nicht mehr bekannteste Werk „Joggeli“, eine innige Beschreibung seiner eigenen Jugend. Wieder zurück in der Schweiz, begann 1909 ein Dezennium glücklichen und erfolgreichen Schaffens. Nebst einer ganzen Anzahl kleinerer Epen finden namentlich die beiden Novellen „Nick Tappoli“ und „Tobias Heider“ Erwähnung. Letztgenannte ist als Beschreibung der eigenen Mannesjahre gleichsam eine ergreifende Fortsetzung von „Joggeli“. Nach dem Krieg fand sein Schaffen, ja sein ganzes Leben eine tragische Wende. Die Entwertung der deutschen Mark, die schon während des Weltkriegs einsetzte und sich nachher zur Katastrophe ausgewachsen hatte, entriss ihm nicht nur sein Einkommen, sondern brachte ihn auch um sein ganzes Hab und Gut. Er suchte Zuflucht bei seiner ältesten Tochter in Hessen. Mehrere Schlaganfälle und fortschreitende Arterienverkalkung raubten ihm auch noch die Gesundheit. Die letzten Jahre verbrachte J.C. Heer in Stein am Rhein in der Schweiz, wo er allerdings sein Vorhaben, eine Sammlung von Skizzen, Aufsätzen und Erzählungen nicht mehr vollenden durfte. Am 20. August 1925 starb J.C. Heer in Zürich. Die Stadt Winterthur hat ihren, zu Lebzeiten so berühmten, vielgelesenen und hochgeschätzten Sohn drei Jahre nach dem Tod mit einem aus dem Gebiet der Bernina stammenden Gedenkstein geehrt, Dann wurde es sehr rasch still um J.C.Heer. (Text: Rt. Logo-Viel (397) )
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt