Beschreibung
Flora, Paul
Titel: Rabe
Reych: Nr. 30 Oenipontana (Innsbruck), erk. 01.02.157
Geb.: 29.06.1922 in Glurns (Südtirol)
Gest.: 15.05.2009 in Innsbruck
Volltext
österreichischer Zeichner, Karikaturist, Grafiker und Illustrator Paul Flora wurde 1922 in Glurns im Vinschgau als Italiener (Südtiroler) geboren, übersiedelte 1927 mit seiner Familie nach Nordtirol, wurde mit 6 Jahren Österreicher und blieb Tiroler. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste München und wirkte nach Ende des Weltkrieges als freischaffender Künstler in Innsbruck. 1948 wurde er als Mitglied im Art-Club (Wien) aufgenommen, war seit 1986 korrespondierendes Mitglied der Bayrischen Akademie der Schönen Künste und seit 1999 Mitglied im P.E.N.-Club Liechtenstein. Von 2003 bis 2006 wirkte er dort als Präsident und wurde aufgrund seiner vielen Verdienste um den Club zum Ehrenpräsidenten gewählt. Paul Flora war darüber hinaus Mitbegründer der städtischen Galerie im Taxispalais in Innsbruck im Jahr 1964 und Initiator des „Österreichischen Grafikwerrtbewerbes“. Paul Flora wurde auf eigenen Wunsch auf dem Friedhof seiner Geburtsgemeinde Glurns begraben. An Floras 89. Geburtstag widmete ihm die Stadt Glums posthum das Paul-Flora-Museum im Taufener Turm. Dort ist seitdem eine Dauerausstellung zu Leben und Werk zu sehen. Bekannt wurde Flora vor allem durch seine Strichzeichnungen aus einem engen flächigen Netzwerk aus verschiedenen Grautönen, die später durch Aquarellfarben und Buntstift ein malerisches Element erhielten. Mit diesen Mitteln schuf er bewusst durchkomponierte Bilder. In den Sechzigerjahren wurde der Strich fester, die Umrisslinie dicker, die Binnenzeichnung zusehends dominant. Durch ein enges, flächiges Netzwerk entstand eine Vielzahl von Grautönungen. Er brach dann mit der dicken Schraffur, wendete sich der feinnervigen, dünnlinigen, zarten Umrisszeichnung zu und entwickelte eine unverkennbare Strichtechnik mit Tuschfeder, mit der er künftig identifiziert wurde. 1949 begann er seine Mitarbeit an der amerikanischen Tageszeitung für Deutschland (Die Neue Zeitung). Zwischen 1957 und 1971 lieferte er wöchentlich Zeichnungen an die Hamburger Zeitung „Die Zeit“. Es entstanden in diesen Jahren rund 3.000 politische Karikaturen und Flora machte sich damit als politischer Karikaturist einen Namen. Seine Zeichnungen wurden auch in internationalen Blättern wie „The Times“, „Literary Supplement“, „Du“, „Dagens Nyheter“ und „The Observer“ veröffentlicht. Um 1970 bekam er einen ausgestopften Raben als Geschenk, den er immer öfter zeichnete und so zu einem Symbol seiner Zeichenkunst machte. Das erste Buch des Zeichners hieß daher auch „Floras Fauna“, wobei sein hintergründiger Humor den Betrachter seiner Arbeiten schmunzeln lässt. In Floras Welttheater dürfen alle auftreten: die Mächtigen, Kleinen, die sich Aufplusternden und die Bescheidenen, die Täter und die Opfer, Tiere ebenso wie Fabelwesen. Ihnen allen wird mit nie verletzendem Witz die Rolle zugewiesen, die sie nach Ansicht des Künstlers verdienen. Paul Flora als Karikaturisten zu bezeichnen würde ihm nicht ganz gerecht, wohl eher als „heiteren Philosophen mit spitzer Feder“. Einen „Bilderschriftsteller“ nannte ihn Erich Kästner. Seinen surrealen Stil bezeichnen vor allem das schräge Strichdickicht und: der „Rabe“. Bodenständig, ehrlich und humorvoll, das war Paul Flora, ein echter Tiroler, unser Ehrenschlaraffe (Text: Rt. Reim (30))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt