Beschreibung
Endrikat, Fred
Titel: Archeviech vom Pütt
Reych: Nr. 45 Moguntia (Mainz)
Geb.: 07.06.1890 in Nakel an der Netze
Gest.: 12.08.1942 in München
Volltext
deutscher Schauspieler und Kabarettist Im damals noch deutschen Westpreußen ist er geboren, aber aufgewachsen in Wanne-Eickel in einer kinderreichen Bergmannsfamilie, und somit in bescheidenen Verhältnissen. Schon als Schüler tat er sich mit Gedichten sowie mit kleinen Theaterstücken hervor, die er zu besonderen Anlässen mit seinen Geschwistern aufgeführt hat. Nach Volksschulabschluss und nach einer abgebrochenen Schlosserlehre arbeitete er auf einer Zeche als Pferdejunge unter Tage, also im „Pütt“. Aber in seiner Freizeit hat er am liebsten geschrieben, musiziert und komponiert. Als er dann einen bei Vereins- und Hochzeitsfeiern auftretenden und ihm imponierenden Amateurkomiker kennen lernte und als Assistent begleiten durfte, bekam er einen Zipfel der von ihm erträumten Künstlerkarriere zu fassen. Schon mit 17 Jahren ist Endrikat als Ansager und Vortragskünstler selbst aufgetreten, zunächst in seiner Heimatstadt Wanne-Eickel und bald auch in Varietés und Unterhaltungs-Cafés in anderen Ruhrgebietsstädten. Zum weithin bekannten und beliebten Star unter den Kabarettisten und Conférenciers wurde er allerdings erst nach seinem 1920 erfolgten Engagement an dem berühmten „Wintergarten“ und an dem „Kabarett der Komiker“ in Berlin. Sein ureigenstes Requisit war ein dickes, zerfleddertes Telefonbuch, in dem er seine Gedichte, die er selbstverständlich alle auswendig konnte, umständlich „suchte“. Sein Ehrgeiz gebot ihm übrigens, nur eigene Texte und Gedichte vorzutragen, während er für manchen anderen namhaften Kabarettisten Gedichte, Couplets, Sketche und Parodien geschrieben hat. Wohl auch deshalb wurde er 1832 als „Hausdichter“ an das beühmte Kabarett „Simplizissimus“ in München berufen, in dem er immer wieder auch selbst aufgetreten ist. Nur deshalb hat ihn eine Auswahl seiner herrlichen Schmunzellyrik überlebt, die ja eigentlich nur für flüchtige Kabarettprogramme bestimmt war, weil sie ihm sein Freund und Verleger Blanvalet förmlich abgeluchst und nacheinander in fünf Bändchen veröffentlicht hat: „Endrikatechismus“, „Die lustige Arche“, „Höchstweltliche Sündenfibel“, „Liederliches und Lyrisches“ und „Der fröhliche Diogenes“, „Die Arche“ nannte Endrikat auch sein 1937 gegründetes eigenes Kabarett-Ensemble und dessen Mitglieder ironisch-liebevoll auch „Archeviecher“. In einem Nachruf auf Endrikat, der mit erst 52 Jahren an einem Lungentumor gestorben ist, hieß es: „Seine Gedichtsbändchen künden von dem gütigen Humor, dieses einstigen Kumpels, der mit rauer Stimme das Loblied der irdischen Freuden sang. Legitimer Enkelsohn Till Eulenspiegels, am gleichen Ast wie Peter Hebel und Jean Paul, Lichtenberg, Busch und Ringelnatz gewachsen, fand er aus der weisen Kauzigkeit seines Wesens stets zur heiteren Wahrheit der Dinge, zum großen Ja zu allem Guten, Echten und Schönen.“ (Text: Rt. Kientje (45))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt