Urschlaraffia

Unbekannt ·Urschlaraffia

Beschreibung

„Der Schlaraffia ähnliche Vereinigungen hat es schon zu allen Zeiten gegeben. Sie blieben fast immer auf den Ort der Gründung beschränkt und waren meist von kurzer Dauer. Lediglich die in Wien am 30. des Lenzmondes a.U.66 (30.3.1925) gegründete Urschlaraffia bildet hierin eine Ausnahme. Man kann auc...

Volltext

„Der Schlaraffia ähnliche Vereinigungen hat es schon zu allen Zeiten gegeben. Sie blieben fast immer auf den Ort der Gründung beschränkt und waren meist von kurzer Dauer. Lediglich die in Wien am 30. des Lenzmondes a.U.66 (30.3.1925) gegründete Urschlaraffia bildet hierin eine Ausnahme. Man kann auch nicht sagen, sie sei Schlaraffia ähnlich, da bei ihrer Gründung das kühnste Plagiat begangen wurde, denn Satzungen, Spiegel und Ceremoniale wurden vollinhaltlich von der Allschlaraffia übernommen. Weiters wurde auch die Zeitrechnung kopiert, lediglich eine Zusatzangabe, bezogen auf das Gründungsjahr der Urschlaraffia, an die allschlaraffische Zeitrechnung hinzugefügt (z. B. a. U. 66/1). Nur im Art. 1 des Spiegels wurde ein Arierparagraph mit der Definition „Freundschaftsbund gleichgesinnter, deutscher Männer", eingebaut. Gleichzeitig wurden auch Mitgliederverzeichnisse, Stammrollen, Gliederung und Ausstattung der Burgen kopiert, um jedem Uneingeweihten den Eindruck zu vermitteln, er befinde sich in Allschlaraffia. Die Gründer der Vereinigung rechtfertigten die Wahl des Namens Urschlaraffia mit der falschen Behauptung, dass die Gründer der Allschlaraffia ausnahmslos Arier gewesen seien. Anlass zu dieser Abspaltung war die nach Kriegsende anfangs der zwanziger Jahre in Österreich und der Tschechoslowakei herrschende deutsch-nationale Welle. Sicherlich haben auch menschliche Gründe eine Rolle gespielt wie z.B. die Heimkehr der geschlagenen Offiziere aus dem verlorenen Krieg, die sich in der damaligen Gesellschaft zurückgesetzt fühlten. Völkisch-nationalistisches sowie antisemitisches Gedankengut trat in diesen Jahren zunehmend zu Tage. Die zu jener Zeit betriebene nationalsozialistische Propaganda gegen die Logen und auch gegen Allschlaraffia stellte eine empfindliche Bedrohung dar. Aus derartigen weltanschaulichen Gründen kam es sogar a.U.64 (1923) zum zeitweiligen Ausschluss eines Reyches aus Allschlaraffia. Nach Wiederaufnahme dieses Reyches herrschte nach außen hin wieder Einigkeit. Jedoch unterschwellig waren die völkisch-nationalistischen Ideen weiterhin verbreitet. In der Vindobona war nach Kriegsende das Reych auf über 600 Sassen angewachsen, und man musste den wöchentlichen Uhutag auf Mittwoch und Donnerstag verteilen. Damals befand sich unter den Sassen des Reyches ein Ritter Cottilon der Unentbehrliche (prof. k. u. k. Feldmarschallleutnant i.R. Wilhelm Edler von Soppe). Dieser war im Reych Mursa (133) Schlaraffe und auch OÄ geworden. Später verschlug es ihn zur Aemona (154), wo er seinen späteren Freund, Rt Dr. Accurat von Reychstreu (prof. Franz Fest), kennenlernte. Nach Kriegsende trafen sich dann beide als Sassen der Vindobona in Wien wieder. Rt Cottilon war von krankhaftem Ehrgeiz und von einem ungezähmten Geltungstrieb beseelt. Er, der schon vor dem ersten Weltkrieg Oberschlaraffe gewesen war, konnte es nicht verwinden, in der Vindobona keine führende Rolle zu spielen. Diese Unzufriedenheit machte sich sein Freund, Rt Dr. Accurat, zunutze. Es gelang ihm, den frustrierten Rt Cottilon für seine nationalen und antisemitischen Ideen zu gewinnen und ihn zur Gründung einer sogenannten „rein arischen" Schlaraffia zu überreden. In dieser erhielt Rt Cottilon die Rolle des Gründers, Rt Dr. Accurat blieb hingegen als graue Eminenz vorsichtig im Hintergrund. Die Mitglieder der „Urschlaraffia" kamen hauptsächlich aus zuvor nicht schlaraffischen Kreisen. Nennenswerte Austritte aus Allschlaraffia im Wien dieser Jahre liegen nicht vor. Die Gründer hatten geglaubt, aus den damals 253 Schlaraffenreychen würden zahlreiche Gleichgesinnte mit fliegenden Fahnen in ihr Lager wechseln. Ein gerichtliches Vorgehen wusste der damalige Oberschlaraffe der Allmutter, Rt Devast der Große, zu verhindern, denn das hätte bedeutet, dass sich zwei deutsche Verbände, die beide dem Prinzip der Freundschaft huldigten, vor tschechischen Gerichten wegen geistigen Diebstahls gestritten hätten. So wurde das Problem „Urschlaraffia" zunächst ignoriert und der Weg für eine künftige Eingliederung in Allschlaraffia freigehalten. In Österreich und der Tschechoslowakei wurden schon drei Jahre nach der Gründung immerhin drei weitere Urschlaraffen-Reyche gegründet. So wuchs die „Urschlaraffia" bis zu ihrer Auflösung a. U. 79 (1938) zu einem Verband mit 48 Reychen und 5 Colonien heran, von denen 14 im Gründungsland Österreich, 26 Reyche und 5 Coloniene in der Tschechoslowakei (ČSR), vier in Deutschland und je eines in Lettland, Polen, Rumänien und Ungarn errichtet wurden. Allerdings waren bis dahin bereits alle vier deutschen, ein tschechisches und ein österreichisches Reych wieder untergegangen, so dass sich a.U.79/14 die aktuelle Zahl auf 42 Reyche unf 5 Colonien belief. Der Mitglieder-Höchststand war damals etwa 1.330. Das ideologische Einschwenken der Urschlaraffia auf die damaligen Machthaber verhinderte jedoch nicht, dass die Urschlaraffenreyche 1937/38 genauso aufgelöst wurden wie jene der Allschlaraffia. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden nur sechs der vormals 53 Urschlaraffenreyche wiedererrichtet: fünf in Österreich und eines in Deutschland. Dazu entstanden bis a.U.104 noch fünf weitere Reyche und Colonien (1 in D, 4 in Ö) sowie 7 Feldlager (alle in D). Nach dem 2.Weltkrieg konnte die Urschlaraffia auch an die Mitgliderzahlen nicht mehr anknüpfen. Die Stammrolle a.U. 33/34 (a.U.98/99) wies etwa 300 Mitglieder auf, a.U. 37/38 (a.U.102/103) waren es 400, ein Jahr später 480. A.U. 45/46 (a.U.110/111) war die Zahl der Mitglieder wieder auf etwa 300 gesunken. Allerdings gab es vor allem in Westdeutschland eine gewisse Zahl Urschlaraffen, in deren Nähe sich kein Urschlaraffenreych befand und darum auch nicht zu den eingetragenen Sassen zählten. Sie genossen das sogenannte ↑ Heimatrecht an Uhutischen. In der Broschüre „Urschlaraffia e.V. Vogtey Germania“ von a.U.38 (a.U.103) werden allein ca. 170 deutsche Urschlaraffen als nirgends zugehörig mit Heimatrecht aufgelistet. Damit erhöht sich die absolute Zahl an sesshaften und fahrenden Urschlaraffen um 1962 auf etwa 570. Natürlich hatte fast jedes Reych Nachwuchssorgen. nur die großen Urschlaraffenreyche verzeichneten nach wie vor einen gewissen Zulauf. So war man im Reych 1, dem Urallmutterreych Castellum Vindobonense, kurz vor der Vereinigung mit der Schlaraffia bei einer Knappennummer von 180 angelangt, in Graetz an der Mur waren es 125, im Castellum Cellense immerhin 51. Das Verhältnis zwischen den Urschlaraffenreychen und jenen der Allschlaraffia blieb zunächst gespannt, obwohl die Gründe hinfällig geworden waren, die seinerzeit zur Gründung Urschlaraffias geführt hatten. Um alle Zweifel auszuräumen, sah sich der Allschlaraffenrat und der ehemalige Oberschlaraffe der Allmutter Praga, Rt A-soo vom großen Wort (prof. Dir. Friedrich Winter), genötigt, im Ostermond a.U.102 in der Schlaraffenzeitung in D/Ö Nr. 127, S. 2211 einen klärenden Bericht zu veröffentlichen. An ein Zusammengehen war noch nicht zu denken, weil viele Schlaraffenfreunde nach wie vor dem Problem Urschlaraffia unsicher gegenüberstanden. Dies beweist eine Anfrage in DSZ Nr. 3 vom Christmond a. U. 104, ob ein Schlaraffe beiden Verbänden angehören dürfe. Rt Dramadoris, Castrum Solodurum (334), vertrat in DSZ Nr. 6 vom Lenzmond a. U. 105 in seinem Artikel "Ein heißes Eisen" die Auffassung, es sei endlich an der Zeit, klare Verhältnisse zu schaffen. Obwohl er mit der Urschlaraffia sehr hart ins Gericht ging, dürfte sein Beitrag doch letztlich bewirkt haben, dass man sich in beiden Verbänden über Sinn und Unsinn der Trennung Gedanken machte. Ein erstes Treffen in Wien zwischen Vertretern beider Verbände blieb jedoch ergebnislos. Die Zeit war wohl noch nicht reif. Sieben Jahre später, am 24. Heumond a. U. 112, kam es dann aber in Graz zu der entscheidenden Aussprache. Daran nahmen teil: für die Urschlaraffia der Vorsitzende des obersten Urschlaraffenrates, Rt Kittchen der Germ-Ahne, (prof. Hptm. a. D. Hans Thummel), Rt Liebeheiß der Aktenfresser, (prof. Dr. Franz Pail), und Rt Hagen von der Pleite (prof. Dr. Otto Steidler) — allesamt Sassen des Urschlaraffenreyches Graetz an der Mur (378) — sowie für die Allschlaraffia der Vorsitzende des SRA, ASR Reise-Bass der Tonaupilger (prof. Karl Bissuti) von der Grazia (4) und Rt Musi der Filius (prof. Emmerich Lang) der Vindobona (24). Bei dieser Aussprache wurde, vorbehaltlich der Zustimmung des ASR, vereinbart, dass die Eingliederung Urschlaraffias in Allschlaraffia im Wege von Coloniegründungen spiegelgemäß möglich sei. Am 30. im Eismond a.U. 113 gab der Verband Urschlaraffia dem Allschlaraffenrat mittels Brief die Auflösung der Urschlaraffenreyche bekannt unter der Voraussetzung, dass alle bisherigen Reyche Urschlaraffias nach Anerkennung des allschlaraffischen Spiegels und Ceremoniales als Colonien in den Verband Allschlaraffia aufgenommen werden. In DSZ Nr. 7a wurde dann am 25. des Wonnemondes a.U.113 die Coloniegründung der sieben österreichischen Reyche durch den damaligen Vorsitzenden des ASR, Rt Ric-Rac der Tonmixer (prof. Dr. jur. Johann Zürcher) bekanntgegeben. Nach kurzer Zeit folgte auch das einzige deutsche Urschlaraffenreych dieser Maßnahme. Die Sanktionierung der betroffenen acht Urschlaraffenreyche erfolgte dann in den darauffolgenden Jahren. Die somit in Allschlaraffia nun übernommenen vormaligen Urschlaraffenreyche erhielten die Reychsnummern 375 bis 381 und 384. Es handelt sich um folgende Reyche: In Österreich 375 Castell „Am schönen Bronnen", Wien, 376 Castra Victoria unterm Lindwurm, Klagenfurt, 377 Castellum Cellense, Maria Zell, 378 Graetz an der Mur, Graz, 379 Altenhoffen, Treibach-Althofen, 380 Castellum Erolatium, Windischgarsten, 381 Castra Montana, Rottenmann und in Deutschland 384 Ob der Isar, München. Nun schließt sich der allschlaraffische Kreis wieder, und es gibt nach 47 Jahren, wie vor a.U. 66, nur noch eine Allschlaraffia. Das Bemerkenswerte ist jedoch, dass diese vormaligen Urschlaraffenreyche im Sinne der schlaraffischen Toleranz aus ihrer Vergangenheit manches Brauchtum beibehalten haben, so z. B. Lieder und Sippungsgewohnheiten, die einen Besuch dieser Reyche zu einem Erlebnis werden lassen.“ (Aus der Ritterarbeit des Jk Kurt der Pons Drusi a.U.137, in wenigen Fällen korrigiert)
Quelle: Lulupedia Import