Kunst- und Künstlerverein in Prag Mitte des 19.Jh., der seinen Namen von Arkas, einem Sohn des Zeus, herleitet. Er wurde zum Stammvater der Arkadier. Ihm zu Ehren wurde eine Landschaft auf dem griechischen Festland Arkadien (griechisch Arcadia) genannt. Im Mittelalter gründete sich in Rom die „Accademia degli arcadi“, die sich schnell verbreitete, nach Olympiaden rechnete und alles nach dem antiken Schäferleben benannte, sich mit Hirtengedichten, später auch mit Gelegenheitsschriften und wissenschaftlichen Fragen beschäftigte. Die Mitglieder legten sich altgriechische Schäfernamen zu (Goethe, seit 1788 Mitglied, hieß „Megalio“). Aus dem Mythos Arcadia wurde in der Frühen Neuzeit die Vorstellung gewonnen, es sei Leben jenseits gesellschaftlicher Zwänge möglich. Die 1859 von Ferdinand Břetislav
↑ Mikovec gegründete „Arcadia“ in Prag hatte von diesen alten Arcadiern nur noch den Namen entlehnt und diente eher der Zusammenfassung und Einigung der künstlerischen Welt. Sowohl das Österreichische Biografische Lexikon (Autor R.Havel, 1974) wie auch die Allgemeine Deutsche Biographie (Autor Rudolf Müller, 1885) nennen als Gründungsjahr erst 1860. Dies steht im Widerspruch zur Drasal-Chronik der Schlaraffia und anderen Aussagen.
↑ Schlaraffia Eine interessante Übersicht zu den Gründungsmitgliedern und genauen Zeitangaben stammt von Servac Heller (1845-1922), einem tschechischen Publizist und Schriftsteller. Veröffentlicht in der CSSR «Uprostred stoleti» (Mitte des Jahrhunderts) 1975. Auf deutsch erstmals erschienen in: „Prager Miniaturen – Ansichten aus alter Zeit“, herausgegeben, z. T. aus dem Tschechischen übertragen und mit einem Geleitwort versehen von Gustav Just, 1.Auflage © Buchverlag Der Morgen, Berlin 1985 (DDR). Hier der Auszug aus dem Buch. Servac Heller: Der Prager Verein Arkadia „In unserer aufgeregten Zeit wirkt wie ein Bild aus einem stillen, idyllischen Traum die Erinnerung an den Prager Verein, in dem sich Prager Schriftsteller und Künstler sowie ihre Freunde ohne Unterschied der Nationalität trafen, um sich in einem geselligen, heiteren Kreis bei ungezwungener, geistvoller Unterhaltung nach der ermüdenden Arbeit des Lebensberufs zu erholen und den Geist zu erfrischen. Dieser Bund oder Verein hieß Arkadia, wurde im Jahre 1860 gegründet und bestand nach damaligem Usus nach Einreichung der Statuten einige Wochen provisorisch, bis - Ende Februar - die Statthalterei diese Statuten bestätigte, Anfang März (1860) konstituierte sich die Arkadia definitiv in ihrer dann schon ständigen Räumlichkeit im Hotel «Zum schwarzen Roß». Bei der Gründung zählte der Verein 53 Mitglieder, und in seine Direktion wurden gewählt: der Direktor der Prager Malerakademie Eduard Engerth, der Hofrat Karl Egon Ebert, der Direktor des Konservatoriums Jan Bedfich Kittl, Universitätsprofessor Baron Leonhardi, der Redakteur der Zeitschrift „Lumirs“ Ferdinand B. Mikovec, der Direktor des Ständetheaters Thomé und der deutsche Schriftsteller Klement Ritter Weyrother. Als Ersatzleute wurden gewählt: der Regisseur tschechischer Stücke im Ständetheater Josef Jiri Kolar, der Maler Josef Mánes und der deutsche Schriftsteller Karl Nobak. Die Direktion wählte dann als Vorsitzenden Kittl und als seinen Stellvertreter Mikovec.“ Die angegebenen Daten stehen im Widerspruch zu den Angaben der Gründungsdaten der Schlaraffia und bedürfen weiterer Forschung.