bleiben wir noch ein paar Tage gemütlich ;::usammen" bannte er die Geister. Die
Protokolle hat er alle selbst geschrieben. meist in Poesie. Wenn er sie nicht vorlesen
wollte. hat er sie gesungen. Es wurden Chor- und Eillzellieder vorgetragen, es wurde
gemalt. getanzt. Instrumentalmusik ausgeführt und "dieser oder jener erzählt. wie',
in ähnlichen (0 Kreisen". Eines der ersten lieder, die in der Stiftshütte ge
sungen wurden, war das später auch in Schlaraffia beliebte "Braminenlied" (Rotes
Liederbuch 9). Als Stiftshüttenlied hatte es den zweiten Vers: "Bei uns da gibts nur
Stifte mit freiem Herz und Kopf; dazu auch Oberstifte mit einem langen Zopf".
Unser heutiges lied Nr. 42 hieß im letzten Vers: "Und nun nehmt die Gläser,
trinkt aus und
mit: es wachse. es blühe. es leb' die Stiftshüt',
wer dableibt.
wer fortgeht. der
dazu, -
doch glücklich fährt der, der hier sucht süße Ruh'."
Durch Differenzen mit dem Wirt der Stammkneipe zum "Grünen Baum", damals
einem der ersten Gasthöfe Coburgs, ging die Stiftshütte am 4. August 1866 ein,
aber der Freundeskreis um Eilcrs blieb trotz Wechsel der Lokale zusammen und hielt
durch, bis 1 S 81 aus seinem Bestand noch Kyborgia sich entwickeln konnte,"
Zu erwähnen wäre noch, daß im Jahre 1581 zu Prag die 1. S t am m r 0 11 e
zum Preise von 1 EI. erschien.
Auch die Geschichte der Vindobona um ein wertvolles Stück zu bereichern,
ist uns möglich, '
"Graf Höllenstein" war 1571 aus der Praga geschieden. Wir wissen um seine volle
neun Jahre dauernden Bemühungen, in Wien eine Schlaraffia zu gründen, wir wissen
um seine Mitgliedschaft in den beiden bedeutenden Ritterbiinde Wiens, in der Aha
R i t t e r s haft und in der R i t t e r s c h a f t der "G r ü n e n Ins el" (siehe
dort 0.
Endlich 3m 3. Dezember 1580 konnte er folgende Sendboten nach Prag abgehen
lassen:
.. Ew. Herdchkeit t In meiner Eigenschaft als Botschafter des Schlaraffenreyches habe
ich die Ehre Ew. Herrlichkeit mitzutheilen, daß am 2. Dez. 1580 allhier eine Schlaraf
fia gegründet wurde. Bis ZUlU 1. Jan. 1581 werden Versammlungen stattfinden. und
3m 6. Jan. wird das hiesige Reych eröffnet ...
Das neue Reych
terstüt::ung.
envartet von der Mutter Pr g a Anerkennung und kräftigste Ull
Vindobona. 3. Dez. 15'80
Luln dem Mutterreycht
Lulu Vindobona!
Euer getreuer
Höllenstein
Erboberschlaraffe und Botschafter."
Dazu erzählt der schon oben genannte Richard Ale x an der (R. "P I a tom i t
cl e m B 11 r g z i n k e n", Monachia) in seinen Erinnerungen:
"Bei meinem Abschied von Monachia, der sich unendlich herzlich
und bd
welchem mir Ritter "B Ion deI mit der geschwollenen Lyra", profaner Ludwig
G a n g hof er, Abschiedsverse widmete, die zu seinen ersten dichterischen Er
güssen zählten, wurde mir das Ritterwort abgenommen,
nach meiner Ankunft
in Wien ebenfalls eine Schlaraffia zu gründen. (Das innige Gedicht Ganghofers wird
am Schluß angefügt!)
Nacl-tdem ich mich in Wien etwas eingelebt und durch große Anfangserfolge meine
"künstlerische Ehre gerettet" hatte, mußte ich an mein in München gegebenes Ver
srrechen denken, sofort in Wien eine Schlaraffia zu gründen. Obgleich noch
unbeka:mt in Wiener Kreisen, hatte ich doch in etwa vierzehn Tagen neunzehn
181
sChlaraffen (Erz-!) der Vindobona zusammen, und am 19. November 1580 (18 SO)
hatten wir bereits die 1. Sippung. welcher der HofburgsChauspieier Hallcnstein prdsi
dierte. Unter den Gründern befanden siCh Mitterwurzer, Tyrolt. Witte, Bank, Ranzen"
berg, HeinriCh, Grünfeld, SChreiner, Girardi, Buchhändler Rosener. ein wirklicher Ge
neralfeldmarsChall, einige Gelehrte und Industrielle. Die ganze köstliche Wiener Ge.
mütlichkeit kam hier zur Geltung, und eine Fülle künstlerischer Gaben, verbunden
mit der Brüderlichkeit der Schlaraffenart, maChten die SChlaraffenabende zu gesell
sChaftlich wertvollen in Wien.
Inzwischen hatte auch Freund Ganghofer l'vlündlen verlassen und war nach Wie"'!
übergesiedelt, wo er unter der Direktion J auner als Dramaturg am Ringtheater wirkte.
AuCh er trat sofort der Schlaraffia Vindobona beL der er bald eine Zierde wurde.
Welchen Rang die Wien er Schlaraffia in den besten Gesellschaftskreisen Wiens
einnahm, beweist fOlgende Episode, die wohl einzig in ihrer Art dasteht.
Dle Ursd11araffia aller Schlaraffenreyche ist die Praga (Prag). Der Erb- und Erb
obeTsdllaraffe dieses Reyches war
der Große", im profanen Leben Kaufmann
EiehIer. Von gedrungener Mittelfigur, umrahmte ein kurz geschorener Vollbart sein
etwas gerötetes Gesidlt, das durm eine goldene Brille, die ihm stets schief auf der
Nasenspitze saß, einen besonders ulkigen Ausdn1L1c bekam, der geradezu groteske
Formen annahm, wenn er in der unantastbaren Würde des OberschJaraffen ernst wurde
und seine Befehle mit dOl1nerähnlichem Ton vom Oberschlaraffenthron herab in die
Burg sChleuderte. Den großen goldgestickten ,f.,1antel nachlässig über die Schulter ge
worfen, den Schlaraffcnhehn schief allf dem Kopf sitzend, die Brust, den Rücken, den
BauCh mit unzähligen Orden geSc11ll1üd<t, mit denen er bei seiner Inspektionsreise
durch die verschiedenen Schlaraffenreyche dekoriert worden war, das Zepter in der
reChten Hand. mit der linken sich den Manteizipfel haltend, glich er in salmen
Momenten dem Zeus, und keiner der unten sitzenden SChlaraffen hätte es wag~n
dürfen, sich gegen den Machtspruch dieses Gewaltigen aufzulehnen. Ewiges Burgver
lies wäre eine Strafe gewesen.
"Raps der Große" kam also auch nach Vindobona, um dieses junge, vornehme
ReyCh zu besichtigen, und wurde mit allen ihm gebührenden Ehren empfangen. Das
ReyCh hatte sich inzwisChen bereits auf 3 B Ritter, 4 Junker und 1.2 Knappen ver
größert. Ich bekleidete die Würde des Zeremonienmeisters und mir lag ob, den Gewal
unter Begleitung der 12
vom Burghof in die Ritterburg zu führen.
war die denkwürdigste Sippung,
je ein Schlaraffenreyd1 erlebt, und als wir das
Mitternachtslied sangen mit seiner so zu Herzen gehenden Melodie, mit seinen so
wann empfundenen Worten des Abschieds, da blieb bei diese;l Männern des Humors
kein
trocken, und aus dem parodistischen Ton der Schlaraffia entwickelte sich
ein so inniges, brüderliches Freundschaftsgefühl, das auch heute, naCh vierzig Jahren,
noCh nachwirkt.
Die offizielle Sippung war also zu Ende. Da erhob sich "Raps" in seiner ganzen
Würde und Größe, zitierte den Junkermeister vor den Thron und befahl, besagter
JUllkermeister solle mit seinen zwölf Knappen antreten und ihm (Raps) das Wiener
Nachtleben zeigen, aber, fügte er hinzu, in den Grenzen des Anstandes, wie es
wackeren Schlaraffen ziemte. Donnerwetter, das war eine Aufgabe für unsern Junker
meister ! "Euer Wunsd1 ist mir Befehl, Herrlichkeit", entgegnete der Junkermeist~r,
"in einer Viertelstunde sollt Ihr ein Nachtleben haben, \\1e es nur in der Vindobonf\
mögliCh ist." Dann befahl er seinen Knappen, die Sturmhaube wieder aufzusetzen.
die Pfeifen in BereitsChaft zu halten und am
so
Posten zu stehen,
bis er zurück sei.
In der höchsten Verzweiflung stürzt der J unkerllleister auf die Straße, sich an den
nächsten Wachmann wendend und ihn fragend, wo noch was los sei -
aber an
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ständig müßte es sein -, worauf der Jünger der heiligen Hermandad ihm den Rücken
kehrt und ihm antwortet, das sei nicht sein Revier, Da fällt der Blick unseres Junker
meisters auf eine Etage im ersten Stock eines Hauses am
in der acht bis
zehn Zimmer in strahlender Helle leuchten, Vor dem Haustor
viel bzstellte
Haker, also große Gesellschaft.
Wer und was der
war, blieb vorläufig
hier hieß es so schnell
wie möglich handeln. Der Junkermeister war innerhalb weniger Minuten wieder in der
Burg. "Seid Ihr bereit, Herrlichkeit?"
er "Raps", worauf dieser erwiderte:
"Führt uns!" Unter Vorantritt der Knappen. die mit ihrem Junkermeister an der
die
übemahmen, gefolgt von "Raps" und einigen wetterfesten Rittern,
sich der
Zug nach dem Opernring. Ohne vorherige Anmeldung geht',
die erste Stiege hinauf, wo Diener in schwarzseidenen Kniehosen diesen sonder
baren Zug ankommen sehen und ihm den Eintritt verweige1'11 wol
[… Fortsetzung im Originalband]