Am Werdenfels

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Reych Nr. 298 — Am Werdenfels. Reychschronik aus Band IV (a.U. 126-149).

Volltext

298 Am Werdenfels
Schon bald nachdem wir uns in unserer neuen Burg heimisch fühlten nahte ein Jubiläum. In der
Winterung 123/124 sollte der 50. Geburtstag unseres Reyches gefeiert werden. Es war die Aufgabe
für unseren Rt Spätzle. Seine Amtsbrüder Machi- a- no und Platonerl waren eher Bremser, so sehr
hatte die Vorbereitung Rt Spätzle mitgerissen. Spätzle fungierte von der ersten bis zur letzten Mi-
nute. Benachbarte Reyche bis hin zur Ingoldia trugen zum Gelingen bei. Es war ein großes Fest im
Lenzmond a.U. 124.
Nicht viel später erzürnte Rt Spätzle das Ziehmutterreych Oenipontana so sehr, dass es zur Reychs-
fehde kam. Diese wurde mit geistreichen Waffen im hohen Reych Castrum Majense ausgetragen.
Wir wurden ehrenvoller zweiter Sieger. Die Versöhnungssippung fand Jahre später im hohen Reych
Wilhaim statt. Seitdem versuchen sich die Werdenfelser in jeder Winterung bei dem von den Oeni-
pontanen veranstalteten Wettkampf „Giganten der Loipe” schadlos zu halten.
Nun kamen ruhige Zeiten für unser Reych. Am Thron folgten dem tachyglotten Rt Machiano die Rtt
Articus, Till Ule, Luja-fex, Autsch und Tertraphil. Spätzle wurde von Kortum und später Grischperl
abgelöst. Dazwischen fungierten Frohmund und Platonerl am Werdenfelser Thron.
Große Ereignisse sind für unser Reych in jeder Jahrung das Uhubaumfest , das wir im zweijährigen
Wechsel mit dem hohen Reych Oenipontana feiern, sowie unsere jährliche Sonnwendsippung.
Durch unsere touristisch günstige Lage reiten Freunde aus dem ganzen Uhuversum bei uns ein und
tragen zum Gelingen unseres Spiels bei. Unser Reych wurde von vielen Ahallaritten betroffen, so
dass wir froh sind, derzeit wieder eine stark besetzte Junkertafel zu haben.
Unter den Werdenfelser Sassen herrscht Harmonie und Freundschaft. Wir blicken froh in die Zu-
kunft.
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302 Portus Betsiae
A.U. 125 sippte das Reych mit 26 Sassen, ein stattliches Fähnlein, für das unsere kleine Burg in
Plainfield gerade groß genug war. Bis a.U. 132 hielt sich dieser Sassenstand fast gleich. Durch Neu-
zugänge, besonders aus einer Welle von beruflichen Versetzungen aus Germaniens Gauen, wurden
dem Reych 6 tüchtige Schlaraffen beschert, die uns leider alle nach einigen Jahrungen durch Rück-
versetzungen wieder verloren gingen. Trotzdem war es ein Gewinn für das Reych, denn diese Sas-
sen haben den Ruf der Portus Betsiae als ein fröhliches Reych durch ganz Europa getragen, was uns
unzählige Einritte aus Übersee bescherte. Im Ostermond a.U. 126 feierte das Reych sein 50-jähriges
Jubiläum, man schaute froh und mit Zuversicht in die Zukunft. A.U. 127-137 war sicherlich eine der
erfolgreichsten Perioden im Leben des Reyches. A.U. 134 besiegten wir die Mutter Newarka in einer
Reychsfehde – jetzt wurden die meisten verbleibenden Sassen dort aufgenommen!
Ein absoluter Höhepunkt war das Konzert des ASO a.U. 137 im Festsaal des Plainfielder Gesangver-
eins. In jenem Jahrzehnt und darüber hinaus gehörten unsere Kapitäns- und Admiralskongresse zu
den größten schlaraffischen Ereignissen in Nordamerika. In der Nachkriegszeit ließen sich bis zu
100 seefahrende Sassen, viele davon aus Übersee, zum „Kill van Kull” (einem winzigen Flüsschen
in den Marschen der Newark Bay) einschiffen, angeführt von den Großadmirälen in ihren pracht-
vollen Uniformen, und sie alle füllten den Festsaal mit brausendem Gesang und schauerlichen (und
durchaus wahren!) Seemannsgeschichten. Noch war die Sassenschaft jung und aktiv und deshalb
immer ausrittfreudig. Zu jedem größeren Feste der Nachbarreyche ritten stattliche Fähnlein in ihren
farbenfrohen Rüstungen, behangen mit Orden und Ahnen des Gastreyches und allzeit bewaffnet
mit passenden und humorvollen Fechsungen zum Thema. Aber auch die eigenen Sippungen waren
gut besucht, denn das Reych war stets darauf bedacht, für jede Sippung ein fulminantes Programm
mit Thema Kunst und Humor sorgfältig vorauszuplanen, wobei großer Wert auf eine breit basieren-
de Mitarbeit der Sassenschaft gelegt wurde Dazu gehörten gehaltvolle Abende mit Themen aus der
Geschichte, der Kunst, fröhliche Feuerzangenbowlen und Nebelhornabende. Auch wurde alljährlich
ein Musikprogramm geboten, das den Sassen das Leben und Schaffen bekannter großer Kompo-
nisten der Welt veranschaulichte, begleitet von musikalischen Auszügen der Musik des jeweiligen
Künstlers. Über das Reych hinaus trug die Portus Betsiae zur Erschaffung des Treuebriefes für 40
Jahre Zugehörigkeit bei, sowie zur Schaffung eines Flottenstützpunktes in der h. Curitibana, wo
der allgemein beliebte Kapitäns- und Admiralskongress auch in Südamerika gefeiert wird. Dieser
Kongress wird jetzt in Nordamerika vom h.R. Totowa weiter geführt.
A.U. 137/38 begann ein allmählicher Abbau des Reyches. In den letzten 20 Jahren meldeten sich
insgesamt 14 Sassen fahrend, darunter zahlreiche Throntalente. Im gleichen Zeitraum ritten noch 9
unserer bewährtesten Sassen gen Ahalla! Diese großen Verluste konnten durch Neuzugänge nicht
mehr ausgeglichen werden. Eine große Werbeaktion des Reyches resultierte in nur einem Sassen,
der bereits im Alter von 72 Jahren stand. In den letzten zwei Winterungen, in denen vier GU-Feiern
stattfanden, wurden die Sippungen des Reyches von nur 5- 7 eigenen Sassen besucht. Im Frühjahr
a.U. 146 war das Durchschnittsalter der 15 sesshaften Sassen des Reyches fast 75 Jahre (!). Eine Viel-
zahl altersbedingter körperlicher Beschwerden machte die aktive Mitarbeit der Sassen zunehmend
schwer oder oft ganz unmöglich. Portus Betsiae wäre in der nächsten Winterungen nicht mehr funk-
tionsfähig gewesen. Das Reych entschied sich schließlich für eine freiwillige Auflösung. Nach einer
wehmütigen letzten Sippung am 13.4. a.U. 146 schloss Portus Betsiae im Alter von 70 Jahrungen für
immer ihre Pforten. „Altes vergeht, Neues entsteht – was zählt ist, dass das Spiel weitergeht!”
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Quelle: Chronik Band IV, S. 386-387