Reych Nr. 79

Kempowski, Walter

Unbekannt ·J-L

Beschreibung

Kempowski, Walter Dr. h.c.
Titel: Tadellöser
Reych: Nr. 79 Suerina (Schwerin)
Geb.: 29.04.1929 in Rostock
Gest.: 05.10.2007 in Rotenburg (Wümme)

Volltext

deutscher Schriftsteller und Archivar Am 29. April 1929 wurde Walter Kempowski als Sohn eines Reeders und Kaufmanns in Rostock geboren. Er erlebte die Zeit des Dritten Reichs und den 2. Weltkrieg als Kind und Jugendlicher, von der Familie wohl behütet. Im 2. Weltkrieg wurde Walter Kempowski als 15-jähriger in eine Strafeinheit der Hitlerjugend eingewiesen. 1945 erfolgte die Einberufung als Luftwaffenkurier. Nach dem Krieg wurde er zeitweilig als Laufbursche beschäftigt und begann seine Lehre als Druckereikaufmann. Er ging in das damalige Westdeutschland, arbeitete in einer amerikanischen Arbeitskompanie in Wiesbaden und kehrte in die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) zurück. 1948 kam Kempowski von ein sowjetisches Militärtribunal. Das Urteil: 25 Jahre Zwangsarbeit wegen angeblicher Spionage. Acht Jahre saß er im Zuchthaus Bautzen. 1956 wurde Kempowski amnestiert. Die Haft im Zuchthaus Bautzen gehörte zu seinen prägenden Erlebnissen. Hier beschloss er, das Erlebte aufzuzeichnen. Das nachgeholte Abitur und das anschließende Pädagogikstudium ermöglichten ihm eine Anstellung als Landschullehrer in Niedersachsen. Später nahm er mehrere Gastdozenturen in der Bundesrepublik und den USA wahr. Seit 1981 veranstaltete Kempowski vierteljährliche Seminare zur Literaturproduktion in seinem Haus in Nartum bei Bremen. Kempowskis Werke tragen häufig autobiographische Züge und sind zumeist Themen der Zeitgeschichte verpflichtet. Er war ein unermüdlicher Sammler deutscher Kriegs- und Nachkriegszeugnisse und legte ein Archiv mit über 300.000 Bildern und über 7.000 bisher unveröffentlichte, authentische Berichte von Soldaten und Zivilisten an. Diese Sammlung machte das zehnteilige Hauptwerk „Echolot“ erst möglich. Es gilt als kollektives Tagebuch. Das Archiv Kempowskis ging bereits zu seinen Lebzeiten in den Besitz der Akademie der Künste in Berlin über. Ein zweites Archiv entstand an der Universität der Hansestadt Rostock. Im ersten Roman Kempowskis „Im Block“ wurden Erfahrungen aus der eigenen Gefangenschaft verarbeitet. „Tadellöser und Wolff“, 1972, ist das erste Buch des Autors, das wirtschaftlichen Erfolg brachte. Es wurde zur deutschen Chronik zweier Familien von der Jahrhundertwende bis zum Beginn des Wirtschaftswunders. Die Handlung spielt im damaligen Rostock und gibt einen Eindruck vom Leben und Sozialgefüge des damaligen Mecklenburg wider. Das Buch wurde 1972 verfilmt und als Mehrteiler im deutschen Fernsehen gezeigt. 1973 erschien ein weiterer Band „Uns geht´s ja noch gold“, dann der Roman „Hundstage“, „Der rote Hahn“ ist eine Veröffentlichung zu Ereignissen der jüngeren deutschen Geschichte. Neben den Hörspielen „Moin Vaddr läbt“ und „Beethovens Fünfte“ erschienen viele andere wichtige Walter Kempowski erhielt spät, aber nicht zu spät, Anerkennung, Auszeichnungen und Preise. Er wurde mehrfach mit Ehrendoktorwürden geehrt und zum Ehrenbürger der Hansestadt Rostock ernannt. Er war PEN-Mitglied und Mitglied der Akademie der Künste in Hamburg. Der Bundespräsident verlieh ihm das Bundesverdienstkreuz. (Text: Rt. Idee (79), DSZ 136 / 1)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt