Beschreibung
Lerbs, Karl
Titel: Der lachende Roland
Reych: Nr. 52 Brema (Bremen)
Geb.: 22.04.1893 in Bremen
Gest.: 27.11.1946 in Untertiefenbach
Volltext
deutscher Anekdotenerzähler Der Bremer Kaufmannssohn wandte sich schon früh schöngeistigen Aufgaben zu. Nach einer Buchhändlerlehre wurde er selbstständiger Theaterkritiker und Übersetzer von Dramen und Novellen aus mehreren europäischen Ländern. Zeitweilig versuchte er sich auch als Dramaturg. Als freier Schriftsteller machte er sich einen besonderen Namen mit seinen meisterlich erzählenden Anekdotenbänden „Der lachende Roland" und „Hinter Rolands Rücken", in denen er wie kein anderer bremisches Wesen und bremischen Sprachcharakter darstellt. Man kann nur allzu gut verstehen, dass die Schlaraffen des Reyches Brema gerade diesen gemütvollen, humorigen Erzähler zu ihrem Ehrenschlaraffen erkürt haben. Der nachfolgende Text ist eine Wiedergabe des von ihm selbst geschriebenen Vorworts zu seinem Werk „Die Deutsche Anekdote": „Die Anekdote ist meist in einem Gleichnis dargestellt. Sie enthält als kürzeste unserer epischen Formen eine zu äußerster Knappheit gedrängte und tatsächliche Begebenheit, aber wenn die Hand eines Meisters das kleine Rund formte und füllte, so trägt es die magische Kraft in sich, unter dem Blick des Betrachters sich zur vollen Gestalt zu entfalten, ein Geschehnis in seiner Bewegung und seinem Sinn lebendig zu machen, aus der kleinen Fabel wie in einem Durchblick Art und Wesen eines Menschen, einer Menschenschicht, ja eines Volkes fassbar werden zu lassen und zu deuten. Sie ergreift ihren Gegenstand in einem Augenblick, wo er lebt, redet, handelt, um über sich bündigen Aufschluss zu geben. Gewiss ist die so belichtete Begebenheit nur ein Sektor, ein Ausschnitt aus dem Ganzen, aber sie vermag in ihrer gerundeten Kürze, mit der Schlagkraft ihrer „Pointe“ und durch ihre ganz auf das Wesentliche gerichtete Sprache oft eine fester umrissene Gestalt. eine wirksamere Anschaulichkeit. eine klarere Deutung zu geben, als manche weitgespannte und tiefschürfende Betrachtung als, manches ehrgeizige und kunstvolle epische oder dramatische Gebilde." Seine wesentlichen Werke: „Poeta liliputanus, eines Knaben dichterischer Werdegang", „Wellen“, „Die Erscheinung", „Die Spende", „Die Wette gegen Unbekannt", „Der blaue Leutnant", „Lauter Anekdoten von Litaipe bis Zeppelin", „Der Griff ins All", „Der Völkerspiegel", „Lachende Erben", nebst einer kleinen Naturgeschichte des Bremers, „Bei genauer Betrachtung" und „Chorus eroticus". Übersetzungen liegen vor von Werken folgender Schriftsteller: E. Zola, S. Anderson, D. H. Lawrence, D. Cooper, Maurois, H. James, R. L. Stevenson, P. Mullen, F. H. Burnett. Lerbs starb den Freitod. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt