Beschreibung
Schrammel, Johann
Titel: Wien bleibt Wien
Reych: Nr. 24 Vindobona (Wien)
Geb.: 22.05.1850 in Neulerchenfeld
Gest.: 17.06.1893 in Wien
Volltext
österreichischer Komponist Johann und der um zwei Jahre jüngere Josef entstammten der zweiten Ehe des Klarinettisten Kaspar Schrammel mit der Wiener Volkssängerin Aloisia Ernst. Für die Brüder war die Atmosphäre des damaligen Vorortes Neulerchenfeld von entscheidender Bedeutung, denn hier hörten sie die altwienerischen Weisen in den unzähligen Gaststätten. Das größte Verdienst Kaspar Schrammels bestand wohl darin, dass er diesen eine solide Ausbildung zuteil werden ließ, die weit über das hinausging, was in diesem sozialen Milieu üblich war. Am Wiener Konservatorium wurden sie in die hohe Kunst der „Wiener Geigenschule“ eingeführt. Während Hanns anschließend bis 1875 beim Militär diente, ging Josef auf Tournee und spielte ab 1871 mit wechselnden Partnern beim Heurigen. Der tägliche Verdienst war weit besser als jener Johanns, der nach seiner Militärzeit in Salonkapellen für 3 Gulden musizierte. Also war es für Josef nicht schwer, seinen Bruder zu überreden, gemeinsam mit ihm und dem damals besten Kontragittaristen Anton Strohmayer 1878 das „Nußdorfer Terzett“ zu gründen, wobei sie rein konzertante, alte Wiener Volksmusik pflegten. 1884 vollzog sich durch die Gründung des Quartetts mit Georg Dänzer, Wiens bestem G-Klarinettisten, jener Wandel, der aus einem Quartett einen Gattungsbegriff entstehen ließ. Die Ursachen dieser einmaligen Ausstattung eines volkstümlichen Musizierstils lagen vor allem im Material der Musik selbst und deren Ausgangspunkt im volkstümlichen Schaffen. Eine andere Ursache ist die schöpferische Kraft der Brüder Schrammel und eine dritte ihr gespielter, komponierter und angeeigneter Satz, der gekennzeichnet ist durch sparsame Verwendung der Mehrstimmigkeit. Das Publikum stürmte die Veranstaltungsorte. Der bis dahin nie gehörte Klang füllte die größten Säle bis auf den letzten Platz und der Erfolg sprach sich bis in höchste Kreise herum. Der Adel riss sich darum, die „Schrammeln“ in seinen Palästen zu hören. Kronprinz Rudolf bat sie auf sein Schloss. Die größte Anerkennung ihrer musikalischen Kunst erfuhren sie aber durch Hans Richter, der die Wiener Philharmoniker anlässlich seines hundertsten Dirigates zu einem Abend bei den „Schrammeln“ einlud und sagte: „Besseres kann ich ihnen nicht bieten.“ Nur 7 Jahre lang musizierte das Quartett in Originalbesetzung. 1891 schied Dänzer aus und an die Stelle der Klarinette trat die Knöpferlharmonika. Bald schied auch Strohmayer aus dem Verband. Die ehrende Einladung, bei der Weltausstellung in Chicago 1892 mit dem Quartett im österreichischen Pavillon zu konzertieren, konnte Hanns infolge zunehmender Verschlechterung seines Gesundheitszustandes nicht annehmen; auch Josef blieb Die Brüder spielten nun mit anderen Partnern: desgleichen bildeten sich mehrere Quartette in der typischen Besetzung, der Klang der Originalbesetzung konnte aber nicht mehr erreicht werden! In seinen Kompositionen bleibt Hanns gemeinsam mit seinem Bruder Josef unvergessen! Eine kleine Auswahl sei angeführt: Die Lieder „Unser Nachwuchs“, „Die Dankbarkeit“, Der Frieden auf der Welt“, „Der Schwalbe Gruß“, Walzer wie „Weana Gmüat“, „Nußdorfer Walzer“, „D-Tanz“ und Märsche wie „Kunst und Natur“, „Wiener Künstler“, „in arte voluptas“ sowie die dem Kronschatz der Wiener Volksmusik zugehörige, heimliche Hymne der Stadt „Wien bleibt Wien“. (Text (gekürzt): Rt. Na-Bumm (24) )
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt