Beschreibung
Stolz, Albert
Titel: Purzinigele
Reych: Nr. 125 Pons Drusi (Bozen)
Geb.: 19.11.1875 in Bozen
Gest.: 08.01.1947 ebenda
Volltext
Weiland Sasse des H.R. Pons Drusi ES Purzinigeles Familie kam aus Salurn, der südlichsten deutschen Siedlung Südtirols. Der Vater. ein biederer Malermeister mit künstlerischen Talenten. lehrte die drei Buben seiner achtköpfigen Familie zunächst für seinen handfesten Beruf an, ließ sie aber auch an seinem Kunstschaffen teilhaben. Schon früh fiel der kleinwüchsige. schwächlich wirkende jüngste der Brüder, Albert, nicht nur durch kleine Spitzbübereien in der Schule, sondern besonders durch talentierten Zeichen- und Maldrang auf, sodass er schon mit 21 Jahren in einer Ausstellung des Bozener Museums mit fünf Bildern, darunter einem Selbstbildnis und einem Porträt des Vaters, Aufsehen erregte. Der mit seiner Gattin von Albert porträtierte Geheimrat Bahmann aus Coburg erwirkte 1898 vom Vater durch Zusicherung der halben Kosten für die ersten Studienjahre Alberts Entsendung an die vom Bozener Professor Alois Delug geleitete Wiener Akademieklasse, wo er durch zunehmende Aufträge gefördert und bald in die Meisterschule aufgenommen, den Königswarter Preis, 1903 den Spezialschulpreis und 1906 für sein großes Gemälde „Der Abschied der Apostel" das Tiroler Landesstipendium erhielt, das ihm einen längeren Aufenthalt in Rom, Neapel und Palermo ermöglichte. In Wien fühlte er sich von der Diskussion um die Sezession nicht angezogen; er empfing hingegen künstlerische Anregungen von Franz Defregger und dem ihm auch später verbundenen Egger-Lienz. Eng mit seiner Heimat Südtirol verwachsen, konnte er sich von dieser nicht lösen und verbrachte sein ganzes Leben, abgesehen von kurzen Auslandsaufenthalten, u.a. zu Porträtaufträgen in Berlin, Aschersleben und Weimar, und von mehreren Kriegsjahren als Standschütze an der Südfront, in Bozen. Seine kleine humorbegabte Erscheinung brachte ihm in der Stadt den Spitznamen „Purzinigele" ein. Diesen Namen empfing er auch als Schlaraffe in der Pons Drusi, der er sicher vor und einschließlich der am 18. Windmond a. U. 67 erfolgten faschistischen Verbotszeit bis zu seiner in einer „Katakombensippung" am 12.11. a.U. 76 (1935) zelebrierten 60. Geburtstagsfeier angehörte, die mit dem tragischen Verschwinden eines Teilnehmers und behördlicher Verwarnung wegen der heimlich weitersippenden Pons Drusi endete. Er verkehrte in aufgeschlossenen Künstlerkreisen und machte seinen Weg auch als Freskenmaler mit religiösen, geschichtlichen und Sagenstoffen. Vor allem aber hat es ihm das Volksleben angetan, wie es sich in dieser reizvollen Berg- und Weinlandschaft in der Familie, am Markt, im Wirtshaus, bei der Arbeit, beim Viehhandel, in Sagen usw. vielfältig widerspiegelt. Aus diesem Lebenskreis gewann er immer wieder Auftrieb und Anregung. Seine Meisterwerke grüßen auch heute noch frischlebendig von so mancher Wand oder Decke herab und leuchten wie jene von Schwind und Spitzweg ins Herz des Volkes hinein. wobei oft mit feinem, hintergründigen Humor auch eigene Schwächen und frohe Erlebnisse dargestellt sind. Aber auch die schweren Zeiten unseres Volkes in der jüngeren Vergangenheit finden ergreifenden Ausdruck. Sein umfassendes, saubere Gesinnung und echtes Heimatgefühl ansprechendes Schaffen sichert Albert Stolz einen würdigen Platz unter den Heroen der Kunst. (Text: Rt Medihymnicus (125) )
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt