Beschreibung
Spitzweg, Carl
Titel: Malerpoet
Reych: Nr. 319 Stella Alpina (Zell am See)
Geb.: 25.02.1808 in Unterpfaffenhofen
Gest.: 23.09.1885 in München
Volltext
deutscher Apotheker und Maler Neben seiner Ausbildung zum Apotheker widmete sich Spitzweg schon sehr früh dem Zeichnen und Malen. Sein Vater Simon Spitzweg war ein wohlhabender Kaufmann. 1819 beklagte der junge Spitzweg den Tod seiner Mutter. Noch im gleichen Jahr heiratete sein Vater die Schwester seiner verstorbenen Frau. Die ersten uns bekannten Zeichnungen stammen aus dem Jahre 1823. Nach dem Abschluss der Schulausbildung am humanistischen Gymnasium in München (1825) begann seine Lehre in der Königlich-Bayerischen Hofapotheke, die 1828 beendet war. Im gleichen Jahr starb sein Vater. 1829 wurde er Provisor an der Löwenapotheke in Straubing. 1805 verlor er seinen älteren Bruder Simon, der in Alexandrien an der Pest starb. 1830 begann er an der Universität München sein Studium mit Pharmazie, Botanik und Chemie, das er schon nach 2 Jahren mit der Examensnote „ausgezeichnet“ abschloss. Von März bis Juli des Jahres 1832 machte er eine ausgedehnte Italienreise, auf der er ein erstes Skizzenbuch anlegte. Seit 1833 quälte ihn ein regelmäßig auftretendes Nervenfieber, das ihn zu häufigen Kuraufenthalten und schließlich zur Aufgabe seines Apothekerberufes zwang. Angeregt durch Christian Morgenstern und Eduard Schleich kopierte er Werke holländischer Meister des 17. Jahrhunderts. Seit 1835 war er Mitglied des Münchner Kunstvereins, des Liebhabertheaters und des Bayerischen Landtages. Seine Aus- und Weiterbildung zum bedeutenden Maler erfolgte ab 1836 als Autodidakt. Dabei waren ihm verschiedene Reisen und Aufenthalte im Ausland von großem Nutzen: 1839 in Dalmatien, 1841 in die Schweiz, 1846 nach Venedig, 1849 nach Prag, 1850 wieder Venedig, 1851 Reise mit Eduard Schleich über Paris zur Weltausstellung nach London, anschließend Antwerpen, 1862 nach Wien. Die malerische Reife war erreicht, die Wirkung seiner Bilder reichte fast an impressionistische Effekte heran. 1848 war er Mitglied des „Münchner Künstler-Freikorps" zur Vertreibung von Lola Montez. Spitzweg schuf Genremalereien, Landschaften und eine Fülle von Zeichnungen, sein eigenstes Gebiet fand er in Darstellungen des kleinbürgerlichen Lebens seiner Zeit, biedermeierlich, mit liebevollem Humor und romantischem Empfinden. Mit feinster Technik entstanden meist in relativ kleinen Formaten besondere Typen, Gardisten, Nachtwächter, fahrende Künstler, Gelehrte und viele andere. Wir erinnern uns an die bekanntesten Hauptwerke: „Der arme Poet", „Im Dachstübchen", „Der Einsiedler", „Ständchen“, „Der Hypochonder", „Der Abschied", „Der Sterngucker", „Der Herr Pfarrer", „Der abgefangene Liebesbrief', „Der alte Herr auf der Terrasse", „Wäscherinnen am Brunnen", „Der verliebte Provisor". 1863 erfolgte ein Umzug in München nach dem Heumarkt Nr. 2, direkt am „Alten Peter". Zu seinem Freundeskreis gehörten neben Eduard Schleich, Eduard Grützner, Anton Seitz und Moritz von Schwind. Nicht unerwähnt sollen seine Zeichnungen für die „Fliegenden Blätter" sein, deren Mitarbeiter er schon seit 1844 war. Der Auszeichnung mit dem bayer. Michaelsorden (1865) folgte 1868 die Ehrenmitgliedschaft der Akademie der bildenden Künste in München. Auf der Weltausstellung in Paris war Spitzweg mit vier Bildern vertreten (1867). Heute sind seine Werke in vielen Galerien Deutschlands, sowie in Zürich und Vaduz zu bewundern. Der weit über die Grenzen Deutschlands hinaus beliebte Künstler verstarb siebenundsiebzigjährig an den Folgen eines Schlaganfalls. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt