Reych Nr. 384

Valentin, Karl

Unbekannt ·V-Z

Beschreibung

Valentin, Karl
Titel: Buchbinder Wanninger
Reych: Nr. 384 Ob der Isar (München)
Geb.: 04.06.1882 in München
Gest.: 09.02.1948 in Planegg

Volltext

deutscher Komiker Der Vater des begnadeten Humoristen stammt aus Hessen, seine Mutter aus Sachsen. Er war gelernter Tapezierer und Kompagnon der Möbeltransportfirma Falk & Fey. Valentin absolviert die Volksschule und erlernt auf Wunsch des Vaters das Schreinerhandwerk. 1902 tritt er in die Münchner Varietéschule ein. Im gleichen Jahr stirbt der Vater, Valentin übernimmt die elterliche Firma und verkauft sie. Inzwischen hat er einen Musikapparat zusammengebastelt, dessen nahezu 20 Instrumente er gleichzeitig bedienen kann. Er nennt sich Charles Fey und geht mit seinem Musikapparat auf Deutschlandtournee bis nach Berlin. Völlig erfolglos kehrt er nach einigen Monaten wieder nach München zurück. Beim Baderwirt trägt Valentin zum erstenmal selbstverfasste Couplets und Monologe vor und hat damit unerwarteten Erfolg. „Das Aquarium" leitete seine Popularität als Komiker ein. Der Singspielhallenbesitzer des renommierten Frankfurter Hofs engagiert ihn. Mit seiner grüblerischen Wortklauberei, die plötzlich in dramatische Komik umschlagen kann, hat er sich rasch die Herzen seiner Zuhörer Im Frankfurter Hof lernt er Liesl Karlstadt kennen, die erst seine Schülerin, dann seine Partnerin wird. Am 31. Juli 1911 heiratet er Gisela Royes, die im Hause Fey als Dienstmädchen angestellt worden war. 1913 tritt Valentin zum erstenmal mit Liesl Karlstadt gemeinsam auf und bereits ab 1915 gastiert Valentin in allen Münchner Kabaretts mit großem Erfolg. Die ersten Fassungen von Tingeltangel entstehen und kommen im Germaniabrettl zur Aufführung: „Das Christbaumbrettl" und „Der Firmling" (1922). Im folgenden Jahr unternimmt er die ersten Gastspielreisen nach Wien im Chat noir, nach Zürich in der Bonbonniere und nach Berlin im Theater am Schiffbauerdamm. Die Münchner Erfolge mit seinen Theaterstücken „Die Raubritter vor München", „Der Bittsteller", „Brillantenfeuerwerk", „Im Photoatelier" und „Die Orchesterprobe" veranlassen ihn zu wiederholten Gastreisen nach Berlin, wo er im Kabarett der Komiker auftreten kann. 1931 wird dem erfolgreichen und beliebten Komiker der Goethesaal in der Leopoldstraße für seine Auftritte zur Verfügung gestellt. Er hat nun ein eigenes Theater, das aber schon zwei Monate später wegen Schwierigkeiten mit den Behörden wieder geschlossen werden muss. Darnach tritt er wieder im Kolosseum auf. Im Oktober 1934 eröffnet Valentin in den Kellerräumen des Hotels Wagner sein Panoptikum, einen Kuriositäten- und Schauerkeller. In dieses Projekt hatte Valentin sein und Liesl Karlstadts gesamtes Vermögen investiert, aber schon nach einem Jahr musste das Panoptikum wegen Unrentabilität wieder geschlossen werden. 1939 betreibt Valentin im Färbergraben 33 seine neue „Ritterspelunke", eine Mischung von Panoptikum, Kellerkneipe und Kabarett. Hier wird seine umfangreichste Komödie „Ritter Unkenstein" zusammen mit Liesl Karlstadt ein neuer Erfolg, seine neue Partnerin wird die junge Schauspielerin Annemarie Fischer. In den Jahren 1941 – 1946 verfasst Valentin noch zahlreiche Szenen, Monologe und Couplets, aber er tritt nicht mehr auf. 1947 gibt er noch ein Gastspiel im „Bunten Würfel" und im Januar 1948 im „Simpl“. Bei diesen letzten Auftritten ist Liesl Karlstadt wieder seine Partnerin. Anfang Februar zieht sich Valentin eine schwere Erkältung zu, der er nach wenigen Tagen erliegt. Am 11. Februar wird er auf dem Waldfriedhof zu Planegg beigesetzt. Der „Buchbinder Wanninger" wird uns für immer in Erinnerung bleiben! (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt