Reych Nr. 17

Vischer, Peter

Unbekannt ·V-Z

Beschreibung

Vischer, Peter der Ältere
Titel: Sebald
Reych: Nr. 17 Norimberga (Nürnberg)
Geb.: 1460 in Nürnberg
Gest.: 07.01.1529 ebenda

Volltext

deutscher Erzgießer Peter Vischer lernte bei seinem Vater und übernahm dessen Gießerwerkstatt, nachdem er 1489 Meister geworden ist. Aber schon zuvor hatte er sein Können mit einem nicht zur Ausführung gelangtem Entwurf für einen Sebaldusschrein unter Beweis gestellt. Dieser zeigte ein tabernakelähnliches Gehäuse, das in seiner Monumentalität völlig von der Endfassung abwich. Zahlreiche Aufträge und Würdigungen brachten ihn bald zu Reichtum und Ruhm. Binnen kürzester Zeit hatte er die Nürnberger Gießhütte zu größtem Ansehen in Deutschland und in Europa geführt. Als ureigenste Werke gelten die Grabplatten von Ernst von Sachsen im Magdeburger Dom und von dem Bischof Johannes IV. im Breslauer Dom. Beide sind signiert: „gemacht zu Nürnberg fon mir, Peter Vischer". Daneben hat er weitere Grabplatten und Epitaphien im Meißener Dom und zu Wittenberg geschaffen. 1507 erhielt er den Auftrag für das sogenannte Sebaldusgrab in St. Sebald zu Nürnberg. Zwar hatte der Meister 1508 damit begonnen, das Gehäuse zu dem silbernen Reliquienschrein des heiligen Sebaldus in Angriff zu nehmen, aber die Arbeit schleppte sich über Jahre dahin, weil viele andere Aufträge ebenfalls erledigt werden sollten. 1511 wurde er vom Rat mit Albrecht Dürer in eine Kommission zur Berichtigung des Schönen Brunnens eingesetzt, die Fugger-Familie bestellte ein Gitter für die Grabkapelle St. Anna in Augsburg, das aber nicht ausgeführt wurde und schließlich beauftragte ihn Kaiser Maximilian I., zwei Bronze-Statuen für das Grabmal in der Hofkirche zu Innsbruck zu gießen, nämlich den Ostgotenkönig Theoderich und den englischen König Artus in reichverzierter Rüstung. Die überlebensgroßen Figuren wurden mit 1000 Gulden hoch bezahlt. Für den mächtigen, die Ahnengalerie des Herrschers glorifizierten Grabentwurf mit zahlreichen Freifiguren wählte man nur die ersten Künstler jener Zeit: Dürer, Stoss, Leinberger und Vischer. Wegen des Sebaldusgrabes kam es 1512 wegen einer Arbeitsunterbrechung zu erheblichen Schwierigkeiten, so dass sich sogar der Große Rat einschaltete. Peter Vischer der Jüngere war inzwischen aus Italien zurückgekehrt und konnte sich, durchdrungen von den Vorstellungen der Renaissance, nicht mit seinem Vater über die Gestaltung des Werkes einigen. Nach umstrittenen Unterlagen soll sich Peter Vischer d.A. 1514 nicht mehr an der Ausgestaltung beteiligt haben, die schließlich 1519 beendet wurde. Das Gehäuse schließt sich in der Form an das gotische Baldachingrab an. 8 Säulen, vor denen die 12 Apostel stehen, tragen einen Baldachin mit 3 Kuppeln, der Unterbau ist mit Reliefs aus dem Leben der Heiligen, der Baldachin mit biblischen, allegorischen und mythologischen Gestalten geschmückt. Im Sockel befindet sich ein Selbstbildnis Vischers in seiner Werkstracht mit Arbeitsschürze, Stiefeln und Kopfschutz, in der Hand ein Werkzeug haltend. Die Inschrift am Grabmal lautet: „Ein Anfang gemacht durch mich, Peter Vischer 1508". Nach der Aufnahme in den Größeren Rat im Jahre 1520 erfährt man fast nichts mehr von ihm. Seine Söhne traten nach seinem Tode sein künstlerisches Erbe an, das sie jedoch im Sinne der jüngeren Generation mit Renaissancegeist durchsetzen. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt