Reych Nr. 77

Walther von der Vogelweide

Unbekannt ·V-Z

Beschreibung

Walther von der Vogelweide
Titel: Minnesang
Reych: Nr. 77 Neostadia (Wiener Neustadt)
Geb.: um 1170 in Tirol
Gest.: um 1230 in Würzburg

Volltext

deutscher Lyriker Wohl selten haben sich so viele Wissenschaftler und Heimatforscher um Klärung des Geburtsjahres und Geburtsortes eines berühmt gewordenen Menschen bemüht wie bei Walther von der Vogelweide. War er unstrittig Tiroler, war er vielleicht ein Schweizer, oder ein Franke oder gar ein Frankfurter, wie von den jeweiligen Forschern „als bewiesen" angesehen? Bislang gibt es über Walthers Leben nur eine einzige be- und anerkannte urkundliche Eintragung vom 12. November 1203. als der singende Wandersmann vom Passauer Bischof sechs große Schillinge für einen Pelzrock erhielt. Sonstige Daten hat man aus Selbstzeugnissen in den Liedern herausgefiltert. Als Geburtsdatum wird 1160 und 1170 dargestellt. so dass man sich auf um 1165 geeinigt hat. Walther entstammt einem ritterlichen (Herre), aber verarmten Geschlecht. Seine Sangeskunst erlernte er bei dem Hofdichter Reinmar am Hof des Babenbergers Herzog Leopold V. Nach der Übernahme des Herzogtums Österreich durch Leopold VI., der an Reinmar als Hofdichter festhält, verlässt Walter Österreich verbittert und bekämpft Reinmar in Liedern bis zu dessen Tod 1210. Nach den Jahren unsteten Wanderlebens weilt der Dichter vorübergehend auf der Wartburg am Hofe des kunstsinnigen Landgrafen Hermann von Thüringen, etwa um 1205. Im Thronstreit zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV. trat er für den Staufer Philipp ein und unterstützte die staufische Sache mit seinen Sprüchen. Erst nach dessen Ermordung stand er auf der Seite Ottos V. und später Friedrichs II. In diese Zeit gehören seine Lieder „Schirmherr Roms, König Apuliens“, die von Friedrich II. ein Zuhause erflehen. Von ihm muss Walther 1219/20 sein Lehen bei Würzburg oder seine Pfründe in Würzburg erhalten haben. Wahrscheinlich nahm Walther noch am Kreuzzug Friedrich II. teil. Seine Mäzene sind jetzt Engelbert und Diether von Katzenelnbogen und jetzt entstehen auch seine erzieherischen Sprüche der Lebenserfahrung. 1227 sollen die „Elegie" und das „Palästinalied" entstanden sein. Das mutmaßliche Todesjahr ist wohl 1230. Das Grab Walthers wird in dem zwischen 1350 und 1354 entstandenen „Leonebuch“ bezeugt: „Her Walther von der Vogelweide begraben ze Wirzeburg zu dem Nuwenmunster in dem grasehove." An einem Pfeiler des Arkadenganges am Lusamgärtchens war eine Gedenktafel angebracht. die noch 1738 gesehen und vermutlich 1792 zerstört wurde. Eine Chronik veranlasste 1880 die Aufgrabung des Lusamgärtchens, bei der man tatsächlich die Gebeine eines etwa 60jährigen Mannes fand, die kein geringerer als der berühmte Mediziner Virchow untersuchte. Da die Datierung des Sarges auf das angenommene Todesjahr des Sängers 1233 fiel, war man sicher, das gesuchte Grab entdeckt zu haben. Sein letztes Gedicht, der Rückblick auf die verflossenen Jahre, schließt mit einem Ausblick auf die Ewigkeit in einem Seufzer der Hoffnung: „niemer mer ouwe . . .". nie mehr klagen. Die Weingartner Liederhandschrift (um 1300) und die Sammlungen seiner Dichtungen werden neben den vielen Denkmälern für alle Zeit liebenswerte Erinnerungen an den großen Minnesänger wach halten. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt