Beschreibung
Hamerling, Robert
Titel: Ahasver
Reych: Nr. 24 Vindobona (Wien)
Geb.: 24.03.1830 in Kirchberg
Gest.: 13.07.1889 in Graz
Volltext
österreichischer Lehrer und Schriftsteller Hamerling war der Sohn eines in ärmlichen Verhältnissen lebenden Webers, der später nach Wien zog. Robert besuchte 1840 das Untergymnasium in Wien und wurde nach dem Abitur Mitglied der „Akademischen philosophischen, philologischen, naturwissenschaftlichen und medizinischen Studien bis er 1851 eine Stelle als Hilfslehrer der klassischen Sprachen am akademischen Gymnasium in Wien und danach in Graz erhielt. 1855 war er als Professor am Gymnasium in Cilli und Triest tätig. Kränklichkeit und Unlust zum Lehramt veranlassten ihn, im Herbst 1866 in den Ruhestand zu treten. Ab dieser Zeit lebte er in Graz und konnte sich nun ganz seiner musischen Veranlagung hingeben. Finanziell war er damals unabhängig, da ihm eine Verehrerin seiner Kunst ein nennenswertes Kapital schenkte. Hamerling trat zuerst als Lyriker vor die Öffentlichkeit. Er bot als Dichter mit großer Sprachkunst lebhafte und sinnlich bunte Kleinmalerei und phantasievollen Reichtum der Handlung. Seine lyrischen Gedichte erschienen unter dem Titel „Ein Sangesgruß vom Strande der Adria" (1857), „Sinnen und Minnen" (1860) und „Blätter im Winde" (1887). Er schrieb ferner die lyrisch-epischen Dichtungen „Venus im Exil" (1858), „Ein Schwanenlied der Romantik" (1862) und die Kanzone „Germanenzug“ Der große Wurf mit durchschlagendem Erfolg gelang ihm erst mit dem Epos „Ahasverus in Rom", worin er Ahasver in dem lasterhaften Rom Neros als grandiose weltgeschichtliche Persönlichkeit vorführt. Bald darauf folgte ein zweites Epos, „Der König von Sion", das die Wiedertäufer in Münster schildert. Beide Werke wurden in viele Sprachen übersetzt und gelten wegen ihrer farbenprächtigen Schilderung als die vollendetsten Leistungen Hamerlings. Weitere epische Dichtungen waren „Die sieben Todsünden" (1872), „Amor und Psyche" mit Illustrationen von Thumann (1882) und das satirische Epos „Homunculus" (1888). Seinen dramatischen Versuchen „Danton und Robespiere" blieb der Erfolg versagt. Das Lustspiel „Lord Lucifer" und das satirische Scherzspiel „Teut“ kam indes besser an. Erwähnenswert ist jedoch sein Roman „Aspasia“, ein Liebesroman aus Alt-Hellas mit der geistreichen Schilderung des Perikleischen Zeitalters. Sein chronisches Magenleiden, unter dem er ständig zu leiden hatte, setzte seinem Leben ein Ende. Aus seinem Nachlass erschien die Selbstbiographie „Stationen meiner Lebenspilgerschaft", das philosophische Werk „Die Atomistik des Willens" und „Letzte Grüße aus Stiftinghaus". Ihm zu Ehren wurde 1893 ein von dem Ritter Hauer von der Lilie (Professor Hans Bandstetter) geschaffenes Bronzestandbild in Waidhofen und 1904 eine Marmorstatue, von Kundmann geschaffen, in Graz errichtet. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt