Beschreibung
Hergé
Titel: Tintin
Reych: Nr. 418 Brucsella (Brüssel, erk. 28.03.155)
Geb.: 22.05.1907 in Etterbeek bei Brüssel
Gest.: 03.03.1983 in Woluwe-Saint-Lambert bei Brüssel
Volltext
belgischer Comiczeichner Dass Hergé, der vor allem durch seine Comics berühmt wurde, auch als Illustrator in vielen Bereichen aktiv war, ist vielen nicht bekannt. Seine Titelbilder für Bücher und Zeitschriften, Kalender und Postkarten bilden einen nicht unwesentlichen Teil seines Schaffens. Georges Remi wuchs in einem stark konservativ und katholisch geprägten Milieu auf. Im Jahr 1920 wechselte Georges auf Wunsch des Arbeitgebers seines Vaters an die katholische Schule „Saint-Boniface“. Für Georges Remi begann damit der Eintritt in ein Milieu, das für seine weitere Entwicklung enorme Bedeutung gewinnen sollte. Dieser Einfluss intensivierte sich noch, als er kurz darauf auch dem katholischen Pfadfinderbund, beitrat, der ihm die Möglichkeit eröffnete, in verschiedenen Sommerlagern viele europäische Länder zu bereisen. Auch seine Arbeit als Comiczeichner war später stark von der Ethik der Pfadfinderbewegung und seinen frühen Reiseerlebnissen geprägt. Hergés bekanntestes und umfangreichstes Werk sind die Abenteuer von Tim und Struppi, die er von 1929 bis zu seinem Tod schrieb und zeichnete. Mit seinem Werk beeinflusste er die Comic-Kultur in Europa wie kaum ein anderer. So erschien vom 10. Januar 1929 bis zum 8. Mai 1930 im Le Petit Vingtième das erste Tim-und-Struppi- Abenteuer namens „Tim im Lande der Sowjets“. In den folgenden Jahren zeichnete er eine ansehnliche Zahl von Titelblättern. Dafür war es erforderlich, sehr klare und unkomplizierte Zeichnungen abzuliefern und so entwickelte er in dieser Zeit den für ihn typischen, als „klare Linie“ bekannten Stil. Besonderes Merkmal ist das Abstraktionsgefälle innerhalb der Zeichnungen: Während die Figuren, besonders die Mimik, stark vereinfacht werden, bemühte Hergé sich gerade ab der Mitte der 1930er Jahre um detailgetreue und realistische Darstellung der Hintergründe und der Requisite. Einen Umbruch brachte das fünfte Tim-und-Struppi-Abenteuer „Der Blaue Lotos“. Er war befreundet mit Tschang Tschong-Jen, einem jungen Bildhauerstudenten an der Brüsseler Académie des Beaux-Arts. Tschang führte Hergé in chinesische Geschichte, Kultur und Kunst ein. Beeinflusst durch diese Erfahrungen wollte Hergé fremde Kulturen und Schauplätze fortan so exakt wie möglich beschreiben. Als Zeichen der Dankbarkeit fügte er zudem einen erfundenen Tschang Tschong-Jen in „Der Blaue Lotos“ ein, einen jungen Chinesen, der auf Tim trifft sowie sein Freund wird. Hergé akzeptierte ein Angebot des Le Soir, Brüssels führender französischsprachiger Zeitung, die unter deutscher deutsche Kontrolle stand. Da er aufgrund der politischen Lage nicht mehr auf aktuelle Ereignisse eingehen konnte, wich er auf eher fantastischen Stoff aus. In dieser Zeit tauchten „Kapitän Haddock“ und „Professor Bienlein“ neben Tim auf. Nach dem Krieg verringerte Hergé seine Tätigkeit als Illustrator und konzentrierte sich immer mehr auf seine Arbeit an „Tim und Struppi“. 1946 wurde Hergé von Raymond Leblanc angestellt, der das Magazin Tintin startete, dessen erste Ausgabe am 26. September des selben Jahres erschien. Der Humor von Tim und Struppi gründet sich in großen Teilen auf visuelle Gags und Situationskomik. Figuren wie der schwerhörige Professor Bienlein, der cholerische Kapitän Haddock oder die extrem tollpatschigen Detektive Schulze und Schultze eröffnen hierfür zahlreiche Möglichkeiten. Auch Tim und Struppi selbst sind nicht davor gefeit, durch Missgeschicke für Gags herzuhalten, sie stellen also keine „perfekten“ Helden dar. Unter Berücksichtigung dieser Tatsachen und der Freude, welche diese Comics auch bei Erwachsenen hervorrufen, ist eine Verwandtschaft mit den Schlaraffen offensichtlich. Daher hat d.h.R. Brucsella beschlossen, Georges Prosper Remi alias Hergé zum Ehrenschlaraffen „Tintin“ zu ernennen. Seit a.U. 153 führt d.h.R. Brucsella im Wechsel mit dem Pralinenturney das Tintin-Turney durch. (Text (gekürzt): Rt. O`Wey (418), DSZ 03/155)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt