Reych Nr. 208

Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus

Unbekannt ·G-I

Beschreibung

Hoffmann, Ernst Th. Amadeus
Titel: Kater Murr
Reych: Nr. 208 Babenbergia (Bamberg)
Geb.: 24.01.1776 in Königsberg
Gest.: 25.06.1822 in Berlin

Volltext

deutscher Jurist, Komponist und Schriftsteller Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann, der seinen dritten Vornamen später aus Begeisterung für Mozart durch dessen Vornamen Amadeus ersetzte, wurde als dritter Sohn des Advokaten Chr. Ludw. Hoffmann aus der Ehe mit seiner Kusine Luise Albertine Doerffer geboren. Die glücklose Ehe wurde 1779 wieder geschieden und so ging der Knabe mit ihr in das Doerffer'sche Haus zurück, wo er eine freudlose Jugend verlebte. Nach dem Besuch der Burgschule bezog er mit 16 Jahren die Universität Königsberg, um Jurist zu werden. 1798 war er als Referendar am Kgl. Kammergericht in Berlin, 1800 als Assessor bei der Kgl. preuß. Regierung in Posen, 1802 wegen seiner Karikaturen unbeliebter Persönlichkeiten nach Plock versetzt, 1804 in Warschau. Diese Laufbahn endete 1806, als die Franzosen Warschau besetzten und die preuß. Regierung sich auflöste. In die Musik führte ihn zunächst der Bruder seiner Mutter und später ein Organist ein. In Berlin nahm er Unterricht bei dem ebenfalls aus Königsberg stammenden Komponisten Joh. Friedr. Reichardt und lernte den Schauspieler Franz V. Holbein kennen. Um seine künstlerische Laufbahn zu beginnen gab er im Herbst 1807 im „Erscherschen Commissions Comtoir" in Leipzig und im „Allgemeinen Reichsanzeiger" eine Anzeige auf, durch die er sich um Anstellung als Musikdirektor an einem Theater bewarb. Sie hatte den Erfolg, dass er sofort vom Grafen Julius v. Soden als Musikdirektor an dessen neugegründetes Theater in Bamberg am 1.9.1808 verpflichtet wurde. Doch konnte sich Hoffmann nicht gegen den Dirigenten Dittmaier durchsetzen und wurde nur als Theaterkomponist beschäftigt. 1813 folgte er dem Ruf des Theaterdirektors Joseph Seconda als Musikdirektor nach Dresden. Nachdem er mit seinem Freund, dem Verleger Carl Fr. Kunz vor dem Verlassen Bambergs einen Verlegervertrag abgeschlossen hatte, erschien 1814/15 eine 4 bändige Sammlung seiner Erzählungen von der spukhaften Vision bis zu den Gedanken über den hohen Wert der Musik, wie z. B. „Ritter Glück", „Kreisleriana“ (Joh. Kreislers musikalische Leiden), „Der goldne Topf', „Die Abenteuer aus der Sylvesternacht". Damit trat er vor eine breitere Öffentlichkeit und wurde damals neben Jean Paul der am meisten gelesene Schriftsteller. Der erste Band der „Fantasiestücke" (Blätter aus dem Tagebuche eines reisenden Enthusiasten) ist erfüllt durch Bamberger Erlebnisse. Nach dem Bruch mit Seconda ging er 1814 zunächst nach Leipzig, dann nach Berlin, wo er 1816 wieder eine Anstellung als Rat am Kammergericht fand. Nun folgten neben Unterhaltungsschriften die Werke seiner „Meisterjahre": Die Oper „Undine", „Die Elixiere des Teufels", „Der Sandmann", „Seltsame Leiden eines Theaterdirektors", „Prinzessin Brambilla", „Die Serapionsbrüder" (4 Bde.), „Das Fräulein von Scudéry“, „Meister Floh", „Meister Johannes Wacht'' und schließlich „Lebensansichten des Kater Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern". Dies war sein größtes und reifstes, aber leider unvollendet gebliebenes Werk mit der Gegenüberstellung des Philistertums in Gestalt eines Katers und dem wahren Künstlertum in Gestalt eines Kapellmeisters. Zu seinen intimsten Freunden gehörte der Schauspieler Devrient, mit dem er oft und gerne in der Weinstube von Lutter und Wegner beisammen saß und seiner skurrilen Phantasie und seinem sprühenden Witz freien Lauf ließ. Ein Rückenmarksleiden mit fortschreitender Lähmung setzte dem vielseitigen und lebensfrohen Menschen ein allzufrühes Ende. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt