Reych Nr. 393

Grabbe, Christian Dietrich

Unbekannt ·G-I

Beschreibung

Grabbe, Christian Dietrich
Titel: Zwiespalt
Reych: Nr. 393 Theotmalli (Detmold)
Geb.: 01.12.1801 in Detmold
Gest.: 12.09.1836 ebenda

Volltext

deutscher Schriftsteller Grabbe wurde als Sohn eines Zuchtmeisters im Detmolder Zuchthaus geboren. Schon während seiner Gymnasiastenzeit arbeitete er an Werken wie „Theodora“ und dem „Herzog von Gothland". Mit seinem Abgangszeugnis am Detmolder Gymnasium studierte er in der Zeit von 1820 bis 1824 Jura in Leipzig und Berlin, um sich 1824 in Detmold als Advokat niederzulassen und vier Jahre später zum Militärauditeur ernannt zu werden. Bemühte er sich auch immer wieder um einen seriösen Beruf in bürgerlicher Umgebung, so lag seine Leidenschaft bei geographischen und geschichtlichen Studien und sein unstetes Wesen drängte ihn aus beamteter Stellung und Familie. 1834 verließ er Beruf und Ehefrau und ging nach Frankfurt und Düsseldorf. 1836 kehrte er schwerkrank nach Detmold zurück und starb im Haus seiner Schwiegereltern. Der literarische Wert und das Genie einer Fülle von Werken in der Zeit zwischen 1817 und 1836 ist unumstritten. Es entstanden „Theodora", „Herzog Theodor von Gothland", „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung", „Nanette und Maria", „Marius und Sulla", „Don Juan und Faust", „Friedrich Barbarossa und Heinrich VI“, „Napoleon", „Hannibal“ und die „Hermannsschlacht". Nur ein besessener Arbeiter ist in der Lage, in einer so kurzen Lebenszeit ein so riesenhaftes Werk zu hinterlassen, einen Stoff, der an Sprache und Bildfülle den Leser oft überfordert und deprimiert, ein Werk von einer Wildheit der Phantasie, einer Kühnheit von Einfällen, einer Originalität von Ideenassoziationen, das sich zu einem einzigartigen Phänomen in der deutschen Literatur erhebt, aber ungeordnet, ungebändigt, fieberhaft, unruhig im Tempo. Seine Bedeutung für den Naturalismus und den Expressionismus, für die Entwicklung des realistischen Geschichtsdramas und der Geschichtstragödie ist heute abgesichert. Grabbe setzt sich mit dem Shakespearschen Theater, dem Schillerschen Nationaldrama, der Goetheschen Dichtung neu auseinander und kann reflektierte Gedanken an Büchner, Brecht, Hauptmann, Hebbel, Heym weitergeben. Ganz sicher ist der ES-Name „Zwiespalt“ in jeder Beziehung gut gewählt, und mit der Erkürung ergeht die Aufforderung an die Sassenschaft - und nicht nur an die der Theotmalli - sich mit dem ES Zwiespalt auseinander zusetzen. Die Anregungen sind dem, der einmal anfängt, überquellend vielfältig. (Text: Rt. Bitterix (393))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt