Beschreibung
Liechtenstein, Ulrich von
Titel: Frauenlob
Reych: Nr. 328 Castrum Noricum (Judenburg)
Geb.: 1198 in Burg Liechtenstein
Gest.: 26.01.1275 in Schloss Frauenberg
Volltext
steirischer Minnesänger Genau wie die Schreibweise seines Namens nicht eindeutig geklärt ist, so wenig genau sind auch seine persönlichen Daten. Er entstammt einem alten steirischen Adelsgeschlecht, wurde ritterlich erzogen und stieg in höchste Verwaltungsämter auf, die ihm aber noch genügend Zeit für seine empfindsame epische Dichtung Über seine in Nachahmung literarischer Vorbilder unternommenen abenteuerlichen „Turnierfahrten“ durch Österreich, Böhmen und Oberitalien - bereichert um mancherlei fremde Geschehnisse und Motive - berichtete er in der gereimten Ich-Erzählung „Frauendienst“, 1255, einer kulturhistorisch einzigartig aufschlussreichen Autobiographie, über die harte, oft ins Groteske umschlagende Realität des Minnedienstes. Er schrieb u.a. die Minnelehre „Frauenbuch“, 1257, ein Streitgespräch in Versen zwischen einer Dame und einem Ritter über den Niedergang der höfischen Sitten, sowie zahlreiche Tanz- und Minnelieder. „Frauendienst", schon mal erwähnt, ist die Geschichte aus der Zeit, als er im Minnedienst stand. Es ist eine Erzählung in Strophen von acht gleichen Zeilen, von einzelnen Liedern unterbrochen, mit einer Übersteigerung der Idee der hohen Minne bis zur Karikatur. Er zeichnete sich selbst als einen Don- Quijote, einer Gestalt, die im merkwürdigen Gegensatz zu seiner Tätigkeit als hoher Beamter steht, doch sind die von ihm berichteten Minneerlebnisse nicht vorbehaltlos als biographische Tatsachen zu werten. Seine Frauengeschichte und sein didaktisches Frauenbuch stehen am Ende des ritterlichen Minnegesangs. In Judenburg weisen heute noch zahlreiche Kirchen und Schlösser auf die einstige Anziehungskraft hin. Im Gebiet rechts der Mur ist die Stammburg der Lichtensteiner, seit dem 18. Jahrhundert eine Ruine, erwähnenswert. Dort saß im 13. Jahrhundert der als Politiker wie als Minnesänger in die Landesgeschichte eingegangene Heroe. Die Familien verzweigten sich mannigfaltig. So ist der Fürst des Zwergstaates Liechtenstein ein Ulrich von Li(e)chtenstein wird in Abbildungen meist als Ritter zu Pferd dargestellt. Sein Helm, mit einer Meeresjungfrau geziert, verdeckt sein Gesicht. Der „Don Quijote" des höfischen Minnedienstes" sprengt so in voller Rüstung auf prächtig gekleidetem Rosse dahin, merkwürdigerweise über Wasser, das von Fischen und kämpfenden Unholden bewohnt ist. Die besagte Helmzier mag an die Ritterfahrt erinnern, die er als Frau Venus verkleidet unternahm. Die von A. Schlosser geschaffene Steinplastik steht im Ehrenhof der Grazer Burg. Sein Grabstein befindet sich in der Pfarrkirche von Unzmarkt. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt