Reych Nr. 332

Lingg, Hermann von

Unbekannt ·J-L

Beschreibung

Lingg, Hermann von Dr.
Titel: Brünnlein, der Völkerwanderer
Reych: Nr. 332 Insulinde am Bodensee (Lindau)
Geb.: 22.01.1820 in Lindau am Bodensee
Gest.: 18.06.1905 in München

Volltext

deutscher Arzt und Dichter Lingg studierte in München, Berlin, Prag und Freiburg Medizin und war ab 1846 Militärarzt in den Garnisonen Augsburg, Straubing und Passau. Die Revolution 1848/49 und ihre Folgen für so manche seiner Bekannten zerrütteten seine Nerven, so dass er sich in eine Nervenheilanstalt bringen ließ, wo er in demselben Zimmer wie Lenau wohnte. 1851 genesen und pensioniert, zog er nach München. Dort wurde er mit Geibel bekannt, der ihn in den Münchner Dichterkreis einführte, ihm von König Max II. ein Jahresgehalt erwirkte und den Verlag Cotta veranlasste, die erste Sammlung der Linggschen Gedichte zu drucken. Geibel selbst schrieb die Einführung zu den Gedichten wie folgt: „Hier ist weder ein wohlfeiles, bloß äußerliches Formtalent noch leichtbefriedigter Dilettantismus; hier ist ein neuer, eigentümlicher Inhalt, in eigentümliche, meist scharf ausgeprägte Formen gegossen." Es folgten zwei weitere Bände „Gedichten, „Vaterländische Balladen und Gesänge", „Zeitgedichte" (1870), „Schlusssteine" (1878), „Lyrisches“ (1885), „Jahresringe" (1889) und „Schlussrhythmen und neueste Gedichte" (1901). Seit frühester Jugend arbeitete Lingg an einer epischen Dichtung, die die ungeheuren Geschehnisse der Völkerwanderung in einen Rahmen fassen sollte, aber letztlich zerfiel die Dichtung in eine Reihe von Geschichtsbildern, wie der Aufbruch der Hunnen, Schlacht bei Adrianopel, Erstürmung Roms, Schlacht auf den Katalaunischen Feldern. Eine Sammlung epischer Dichtungen unter dem Titel „Dunkle Gewalten" sowie „Byzantinische Novellen" und die Novellensammlungen „Von Wald und See" und „Furchen“ brachten nicht den erhofften Erfolg. Lingg rang auch um den dramatischen Lorbeer mit seinen Dramen „Catilina“, „Violante", „Macalda", „Der Doge Candiano", „Der Herr des Feuers" und „Corsar und Doge". Gut gelangen ihm Einakter wie „Die Walküren", „Högnis letzte Heerfahrt" und „Eine Szene aus Pompei". Ganz im Geiste Scheffels und Wilhelm Buschs gedichtet ist das Satirdrama „Die Besiegung der Cholera", wo einmal der seltene Humor Linggs aufleuchtet. Im Alter von 80 Jahren schrieb Lingg seine Erinnerungen unter dem Titel „Meine Lebensreise" mit dem richtigen Schlusswort: tempus vitae, tempus pugnae. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zählte Lingg zu den hervorragendsten Dichterpersönlichkeiten deutscher Zunge und wurde für seine Verdienste geadelt. Die Stadt Lindau errichtete ihm zu Ehren 1920 ein Brünnlein in der ebenfalls nach ihm benannten Straße und ernannte ihn gleichzeitig zum Ehrenbürger der Stadt. München hatte ihm bereits zu seinem 70. Geburtstag die Ehrenbürgerwürde verliehen. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt