Beschreibung
Kleist, Heinrich Wilhelm von
Titel: Strahl
Reych: Nr. 60 Francovadia (Frankfurt / Oder)
Geb.: 18.10.1777 in Frankfurt / Oder
Gest.: 21.11.1811 am Kleinen Wannsee
Volltext
deutscher Dichter Nach dem frühen Tode seines Vaters, einem preußischen Major des märkischen Adels, wurde der Fünfzehnjährige gemäß der Tradition in das Potsdamer Garderegiment eingereiht, mit dem er 1793 zur Rheinarmee stieß, aber wegen des plötzlichen Todes seiner Mutter zurückgerufen wurde. 1797 zum Leutnant befördert, bereitete er sich heimlich auf sein späteres Studium vor, das er nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst 1799 in Frankfurt mit Mathematik und Physik begann. Nach seiner Verlobung mit der Generalstochter Wilhelmine von Zenge ging er nach Berlin, um dort eine Stelle im Zoll-Department anzunehmen. Von hier führte ihn eine Reise nach Würzburg, über die er in ausgedehnten Briefen berichtete. Nach einer weiteren Reise nach Paris, auf der ihn seine Schwester Ulrike begleitete, wollte er mit seiner Braut in die Schweiz übersiedeln. Da sie aber lieber nach Frankfurt zurückwollte, löste er das Verlöbnis auf und ging alleine in die Schweiz. Dort verlebte er eine glückliche Zeit auf der Deloseainsel im Thuner See und schloss seine erste Tragödie „Die Familie Schroffenstein" etwas übereilt ab. Eine Unruhe hatte ihn plötzlich erfasst, den unvollendeten „Guiskard“ in der Tasche reiste er nach Paris, dann nach Boulogne, wo Napoleon eine Landung in England vorbereitete, und wieder nach Paris und schließlich wieder nach Hause. In Mainz warf ihn ein heftiges Nervenfieber nieder, von dem er sich nur allmählich erholen konnte. 1804 stellte er sich wieder dem König in Potsdam zur Verfügung und erhielt ein provisorisches Amt in Königsberg. Trotz schwankender Gesundheit entstanden hier „Amphitryon“, „Der zerbrochene Krug", und „Penthesilea“. Nach dem Zusammenbruch von 1807 machte er sich mit einigen Freunden nach Berlin auf, wurde als Spion arretiert und nach Frankreich gebracht. Nach seiner Freilassung ließ er sich in Dresden nieder und gründete ein vornehmes literarisches Organ, den „Phöbus“, dem der Erfolg versagt blieb. Nach einem Zwischenaufenthalt in Prag tauchte er 1810 in Berlin auf und schuf hier sein reifstes Drama, den „Prinz von Homburg". Die von ihm gegründete Tageszeitung „Die Abendblätter" wurde alsbald unter scharfe Zensur gestellt und musste eingehen. Kleist stand völlig mittellos da und beschloss abermals Offizier zu werden. Während ihm der König für den Fall eines Krieges eine Stelle versprach, nahm ihm das notgedrungene Bündnis Preußens mit Napoleon jede Hoffnung. In dieser verzweifelten Lage schloss sich ihm eine kranke Frau, Adolphine Vogel, an. Mit ihr gemeinsam erschoss er sich am Wannsee bei Berlin. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt