Beschreibung
Münchhausen, Hieronymus Karl Friedrich Freiherr von
Titel: Hieronimus Kugelblitz
Reych: Nr. 336 Ob der Hamel (Hameln)
Geb.: 11.05.1720 in Bodenwerder
Gest.: 22.02.1797 ebenda
Volltext
deutscher Offizier und Erzähler Obwohl ihm nur gerade einmal 4 der berühmten Lügengeschichten sicher zugeordnet werden können, steht sein Name für zahlreiche abenteuerliche und fantastische Übertreibungen. Mit 13 Jahren ging er an den braunschweig-wolfenbütteler Hof und diente zunächst als Page, strebte dann eine militärische Karriere an und nahm als Leutnant am Russisch-Österreichischen Türkenkrieg (1736 – 39) teil. Die Belagerung der osmanischen Krim Festung Otschakow führte wohl zu seiner berühmtesten Geschichte „Der Ritt auf der Kanonenkugel“. 1750 quittierte Münchhausen den Militärdienst und lebte von dort an auf seinem Stammgut Bodenwerder. Niedergeschlagenheit über seine mittelmäßige militärische Laufbahn und eine fehlende Perspektive als Gutsbesitzer machten ihn aggressiv und selbstgefällig, was auch zu zahlreichen Zwistigkeiten mit den Bürgern Bodenwerders führte. Auf Bodenwerder tat sich Münchhausen als Gastgeber von Jagd- und Herrengesellschaften hervor, bei denen er als Unterhalter seiner Gäste oftmals Jagd- und Kriegsabenteuer in der von ihm bekannten Art schilderte. Aufgrund der Offensichtlichkeit der Lügen stand keineswegs die Prahlerei selbsterlebter Abenteuer, sondern die kunstvolle Erzählung zur Unterhaltung der Gäste im Vordergrund. Diese Lügengeschichten fanden literarische Nachahmer, die selbst Geschichten erfanden und sie teilweise als jene des Freiherrn Münchhausen ausgaben. 1761 gab Rochus Graf von Lynar in seinem „Sonderling“ drei Geschichten ohne Namensnennung heraus, die aber zweifelsfrei Münchhausen zugeordnet sind. 1781 erschienen im anonym verfassten „Vademecum für lustige Leute“ zum Ärger von Münchhausen Anekdoten „eines Herrn M-h-s-n“. 1785 fasste Rudolf Erich Raspe in England die mittlerweile 18 Anekdoten des Vademecums zu einer Münchhausenausgabe zusammen. Der Lyriker Gottfried August Bürger wird auf dieses Buch aufmerksam, übersetzt es 1786 ins Deutsche und ergänzt weitere Geschichten und bringt es unter dem Titel „Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande, Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen“ heraus. So blieben die Geschichten vom zugefrorenen Posthorn, vom achtbeinigen Hasen und sogar eine Reise zum Mond untrennbar mit dem Lügenbaron verbunden. (Text: Rt. Koi (247) )
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt