Reych Nr. 25

Meyer, Conrad Ferdinand

Unbekannt ·M-O

Beschreibung

Meyer, Conrad Ferdinand
Titel: Jürg Jenatsch
Reych: Nr. 25 Basilea (Basel)
Geb.: 11.10.1825 in Zürich
Gest.: 28.11.1898 in Kilchberg

Volltext

schweizer Dichter Als Sohn eines Regierungsrates studierte Meyer nach dem Besuch des Gymnasiums in Zürich Jura, wie zuvor sein Vater. In diese Zeit fallen auch die ersten dichterischen Versuche. 1853 zog er nach Lausanne, wo der Historiker Louis Vulliemin die geistige Entwicklung des jungen Meyers entscheidend beeinflusste. Ende 1853 kehrte er in das Haus seiner Mutter nach Zürich zurück und beschäftigte sich mit der Übersetzung französischer Geschichtswerke. 1857 ging er nach Paris und anschließend mit seiner Schwester Betsy nach Italien. Sein Jurastudium hatte er inzwischen völlig aufgegeben. Meyer wurde immerhin 39 Jahre alt, bevor er mit seinen ersten Schöpfungen, den „Zwanzig Balladen", an das Tageslicht trat, selbst dann noch seinen Namen im Dunkeln lassend. Der äußere Erfolg war recht klein. Die fünf Jahre später 1869 veröffentlichten „Romanzen und Bilder" bekundeten zwar eine Erstarkung seiner epischen Kunst, aber sie gewährten ihm trotz allgemeiner Anerkennung keine innere Befriedigung. Unter dem Einfluss des deutsch-französischen Krieges 1870/71 befasste sich Meyer betont mit deutschem Schrifttum. In diese Zeit fällt auch die Publikation seiner bekanntesten Novellen und Romane: „Huttens letzte Tage", „Das Amulett", „Jürg Jenatsch", „Der Schuß von der Kanzel", „Gustav Adolfs Page", „Die Hochzeit des Mönchs" sowie „Die Versuchung des Pescara". Die Wandlung zum Historien-Dichter großen Stils hatte sich angebahnt. 1875 heiratete er Luise Ziegler und nannte sich nach ihr seit 1879 Meyer-Ziegler. Mit 50 Jahren hatte die Dichterkraft ihren Höhepunkt erreicht. Eine große Wirkung hatte „Der Heilige". Hier wurde der Wandel des weltlustigen englischen Kanzlers Thomas Becket zum frommen Heiligen dargetan und in die menschliche Seele hineingeleuchtet. Obwohl dem Zeitalter des Realismus zugehörig, umgibt der Dichter seine Werke mit romantischem Sprachgefühl. Als Meister in der Darstellung historischer Stoffe erreichte er in seinen Werken ein hohes literarisches Niveau, kunstvoll, prägnant mit bildstarker Stilisierung. Die ständige Beschäftigung mit der Geschichte war für ihn die Voraussetzung für feinste Ausarbeitung. Sein Platz in der deutschsprachigen Literatur ist unbedingt in der Reihe eines Gottfried Keller und Jeremias Gotthelf. 1892 musste er sich in die Heilanstalt Königsfelden begeben. Ab 1893 verdämmerte ein großer Geist in seinem eigenen Hause. Auf dem hochgelegenen Friedhof zu Kilchberg, wo der schöne Züricher See heraufschaut und die Alpenspitzen herüberleuchten, ragt ein einfacher Obelisk über die übrigen Grabdenkmäler. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt