Reych Nr. 57

Geibel, Emmanuel Franz von

Unbekannt ·G-I

Beschreibung

Geibel, Emanuel Franz von Prof.
Titel: Junius
Reych: Nr. 57 Lubeca (Lübeck)
Geb.: 17.10.1815 in Lübeck
Gest.: 06.04.1884 ebenda

Volltext

deutscher Dichter Der „liedermächtige Herold der deutschen Einheit" wurde als Sohn eines aus Hessen stammenden Geistlichen geboren, der eine starke poetische Begabung hatte. Die Mutter gehörte einer französischen Emigrantenfamilie an. Den ersten Unterricht leitete der Vater, anschließend besuchte der junge Geibel das Lübecker Katharineum. Um klassische Philologie zu studieren, ging der Zwanzigjährige nach Bonn und später ein Jahr nach Berlin. Hier schloss er sich dem Kuglerschen Kreis an, zu dem u.a. Burckhardt, Fontane und Menzel gehörten. Als sein Freund Curtius nach Athen übersiedelte, litt es ihn nicht länger in Berlin. Er fand als Hofmeister beim russischen Gesandten in Athen gleichfalls ein Unterkommen (1838). Die Rückkehr nach Deutschland im Jahre 1840 brachte auch seine erste Sammlung „Gedichte", die in den politischen Zeitläufen zunächst keinen richtigen Erfolg hatten. Als Gast des Freiherrn Malsburg auf dem Schloss Escheberg entstand dort die Verdeutschung der „Volkslieder und Romanzen der Spanier". Auf Veranlassung einflussreicher Gönner verlieh Friedrich Wilhelm IV. dem Dichter einen Ehrensold von jährlich 800 Talern und von da an konnte Geibel frei seiner Kunst leben. Im Sommer 1843 weilte er zusammen mit seinem Freunde Freiligrath als Stipendiat in St. Goar. Ein Besuch bei Kerner und Reisen nach Stuttgart, Hannover, Dresden und Berlin folgten bis zum Jahre 1852. In dieser Zeit wurden die „Juniuslieder" geschaffen. Im Frühjahr 1852 erhielt der Dichter unerwartet eine Berufung an die Universität München als Professor der Ästhetik durch König Maximilian II., die er mit Freuden annahm. In München war er Mitbegründer der Dichtergesellschaft „Krokodile". Geibel zählt zu den namhaftesten Dichtern seiner Zeit. Seine Poesien, durch Wohllaut und Reinheit der Form ausgezeichnet, haben durch Weichheit und Religiösität ihres Charakters vor allem den Beifall der Frauen errungen. Nach dem Verlust seiner Ehefrau Amanda, geb. Trummer, im Jahre 1855 verlebte er den Sommer in Lübeck. 1856 erschienen die „neuen Gedichte", 1857 die Tragödie „Brunhild“, 1864 die „Gedichte und Gedenkblätter". Nach dem Tode des Königs Maximilian entzog Ludwig II. dem Dichter 1868 den bayerischen Ehrensold, weil er dem König Wilhelm von Preußen bei einem Besuch in Lübeck ein Huldigungsgedicht gewidmet hatte. Daraufhin bewilligte der König von Preußen nunmehr dem Dichter eine Pension von 1000 Talern und somit wählte Geibel Lübeck wieder als bleibenden Wohnsitz. Schon lange Jahre an einem schweren Magenleiden leidend, verstarb er in seiner Geburtsstadt. Neben seinen eigenen Dichtungen hat er auch eine ganze Reihe spanischer, französischer, italienischer und portugiesischer Lieddichtungen übersetzt. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt