Beschreibung
Zweig, Stefan
Titel: Erasmus von Petrópolis
Reych: Nr. 414 Curitibana (Curitiba)
Geb.: 28.11.1881 in Wien
Gest.: 22.02.1942 in Petrópolis
Volltext
österreichischer Schriftsteller Zweig wurde in eine wohlhabende Unternehmerfamilie geboren, was ihm einen großbürgerlichen Lebensstil und Reisen nach Indien und Amerika erlaubte. Auch wenn er lieber für das Feuilleton der Neuen Freien Presse schrieb und Gedichte (1901: Silberne Saiten) und Novellen (1904: Die Liebe der Erika Ewald) veröffentlichte, konnte er sein Studium der Philosophie erfolgreich abschließen. Zweig pflegte regelmäßigen Austausch zu anderen Künstlern und Schriftstellern und war begeisterter Sammler von Autografen. Der Erste Weltkrieg, in dem Zweig im Kriegsarchiv arbeitete, machte ihn zu einem überzeugten Pazifisten und Gegner des Nationalismus, vielmehr vertrat er die Idee eines geistig geeinten Europas. Nach Beurlaubung vom Militärdienst 1917 zog Zweig in die neutrale Schweiz, wo er seine Ideale eines humanistisch geprägten Weltbilds in der dortigen Presse vehement verbreitete. 1919 kehrte er nach Österreich zurück, sein 1927 erschienenes Werk „Sternstunden der Menschheit“ brachte ihm Weltruhm, ebenso seine Biographien (Maria Stuart, Magellan, Balzac und vor allem Erasmus von Rotterdam) 1934 emigrierte Zweig nach London, seine Bücher und Filme wurden Opfer der deutschen Zensur und er kam auf die Liste der verbotenen Autoren. Nach Ausbruch des 2. Weltkriegs kam Zweig über Argentinien und Paraguay nach Petrópolis in Brasilien, wo seine „Schachnovelle“ entstand. 1942 wählt er den Freitod, nicht ohne seiner neuen Heimat in seinem Abschiedsbrief zu danken: „Ehe ich aus freiem Willen und mit klaren Sinnen aus dem Leben scheide, drängt es mich, eine letzte Pflicht zu erfüllen: diesem wundervollen Lande Brasilien innig zu danken, daß es mir und meiner Arbeit so gut und gastlich Rast gegeben. Mit jedem Tage habe ich dies Land mehr lieben gelernt, und nirgends hätte ich mir mein Leben lieber vom Grunde aus neu aufgebaut, nachdem die Heimat meiner Sprache für mich untergegangen ist und meine geistige Heimat Europa sich selber vernichtet.“ Das H.R. Curitibana, das Zweig als erstes Reych zum Ehrenschlaraffen erkürte, insbesondere aufgrund seiner ganz persönliche Beziehung zu Brasilien, schreibt: „Stefan Zweig gilt als ein ganz Großer in der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts. Seine Novellen, vor allem aber seine Autobiographien bedeutender historischer Persönlichkeiten sind beispielgebend. Stefan Zweig besaß offenbar mehr politischen Instinkt als so mancher anerkannte politische Dichter seiner Zeit. Sein freiwilliges aus dem Leben scheiden hat seine Wurzel in der Resignation, die die Kriegsereignisse in Europa zeitigten aber auch Enttäuschung über auftretende Distanz und Verhalten der intellektuellen brasilianischen Gesellschaft und gewissen Kreisen der Regierung. Depressionen und Enttäuschungen führten zu dieser Kurzschlusshandlung. Jeder, der sich mit der Literatur Stefan Zweigs vertraut gemacht hat, wird ihn schätzen und mit Hochachtung gegenüberstehen, so wie wir es in der h. Curitibana auch pflegen.“ (Text: Rt. So- grates (414))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt