Reych Nr. 110

Weber, Karl Maria von

Unbekannt ·V-Z

Beschreibung

Weber, Karl Maria von
Titel: Adolar
Reych: Nr. 110 Oldenburgia (Oldenburg)
Geb.: 19.11.1786 in Eutin
Gest.: 05.06.1826 in London

Volltext

deutscher Komponist, Kapellmeister und Dirigent Karl Maria von Weber wurde als 9. Kind des Kapellmeisters Franz Anton von Weber geboren. Früh schon, kaum 11 Jahre alt, verlor der Knabe seine sorgsame Mutter, die zweite Gattin seines Vaters. Adolar war nichts weniger als ein Wunderkind. Seine musikalische Anlage trat erst in seinem zehnten Jahre hervor. 30 Jahre lang hat Adolar ein Wanderleben geführt, von Stadt zu Stadt, ohne Heimat, ohne sich am eignen Herd zu wärmen. Auf ihn trifft das Wort seines Zeitgenossen Eichendorff in vollem Umfange zu: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt". So finden wir den Knaben bis zum Tode der Mutter in Meiningen, Nürnberg, Hildburghausen und Salzburg, dann in München, und nachdem der noch nicht 13jährige in Erfurt, Gotha und Leipzig als Pianist aufgetreten war, führte ihn sein Lebensweg nach Freiberg, dann wieder nach Salzburg, Hamburg, Augsburg und schließlich nach Wien. Noch nicht 18 Jahre alt, erhielt Adolar, empfohlen durch seinen Lehrer Vogler, die Stellung eines Kapellmeisters in Breslau. Zwei Jahre später finden wir ihn in Karlsruhe, dann in Stuttgart, und hier wurde Adolar im Februar 1810 samt seinem 76jährigen alterschwachen Vater, als Opfer unerhörter Ränke, durch den übelwollenden König von Württemberg des Landes verwiesen. Doch voll Vertrauen auf seine eben vollendete Oper Silvana betritt Adolar unentwegt im Alter von 23 Jahren die Bahn, die ihn in wenig Jahren seinem Höhepunkte zuführte. Wir finden ihn in den nächsten Jahren in Mannheim, Zürich, München, Leipzig, Gotha, Berlin und schließlich in Prag. Hier findet der Meister endlich in den Jahren 1812 - 1816 eine feste Stellung als Direktor der Deutschen Oper. In dieser Zeit ist es, in welcher unsere Väter einmütig sich erhoben gegen die Unterdrückung des wälschen Nachbars. Sterbend hatte der edle Körner, unser Ehrenschlaraffe Zriny das letzte seiner unvergänglichen begeisternden Helden- und Freiheitslieder gesungen, die mit den gewaltigen und dabei echt volkstümlichen Klängen Adolars ihren Siegeslauf durch das weit aufhorchende Vaterland fanden. Die Lieder klangen in tausend und abertausend Herzen wieder und sicherten ihrem Schöpfer unvergänglichen Lorbeer. Die letzten 10 Lebensjahre Adolars, 1816 - 1826, sind seine Meisterjahre. Das Vaterland rief seinen treuen Sohn durch den Mund des Königs Friedrich August von Sachsen, und mit Stolz darf die kunstsinnige Hauptstadt an der Elbe sich rühmen, des Meisters dauernde Wohnstatt geworden zu sein und ihn den ihrigen nennen. In treudeutschem Geist ward Adolar hier der Schöpfer des musikalischen Dramas, das der Merkstein einer neuen Zeit geworden ist und dessen Entwicklung und Ausgestaltung den Stempel seines Geistes trägt. Hierin liegt die hohe Bedeutung Adolars. und wenn ihm schon das Gluck zuteil geworden ist. von seinen Zeitgenossen erkannt und bewundert zu werden, so ist es der Nachwelt vorbehalten, ihm die Stelle anzuweisen, die ihm in der Geschichte des musikalischen Dramas gebührt, der Kunstschöpfung, die frei von fremdem Beiwerk unser eigenstes Wesen aufs herrlichste offenbart. Welcher Liebe bei Alt und Jung der Freischütz sich erfreute, der in den Jahren 1818 bis 1821 nach dem Textbuch des sächsischen Hofrats Kind entstanden war, davon legt ein Rätsel aus jener Zeit Zeugnis ab: Das Erste möchte Jeder sein, Das Zweite schweift durch Flur und Hain, Das Ganze hat ein Kind ersonnen. Ein Weber hat es fein umsponnen. Als Adolar am 5. Juni 1826 zu London, unmittelbar nach der Aufführung seines Oberon, fern von deutscher Erde, noch nicht 40 Jahre alt, starb, da weinten um ihn eine heißgeliebte Gattin und zwei Söhne, - das Vaterland aber hatte einen seiner Edelsten verloren und konnte den auf fremdem Boden Gebetteten nur betrauern, nicht aber in dankbarer Verehrung an seinen Grabhügel treten. Seine letzte Ruhe fand er in Dresden. wo ihm 1860 Rietschel ein Denkmal am Theaterplatz errichtet hat. (Text: Rt. Plato (46))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt