Beschreibung
Paul, Jean (Dr. h.c. Paul Joh. Richter) (auch Richter, Johann Paul Friedrich)
Titel: Siebenkäs
Reych: Nr. 188 Baruthia (Bayreuth)
Geb.: 21.03.1763 in Wunsiedel
Gest.: 14.11.1825 in Bayreuth
Volltext
deutscher Dichter Wirtschaftliche Not zwang ihn 1784 zum Abbruch seiner theologischen, geisteswissenschaftlichen Studien. Er wurde Haus- und Volksschullehrer, setzte aber seine schon 1783 begonnene literarische Arbeit fort und widmete sich ab 1794 ganz dem Schreiben. Nach häufigem Ortswechsel lebte er ab 1804 in Bayreuth, bezog ab 1808 ein festes Gehalt und konnte nun unabhängig arbeiten. Jean Paul erblindete ein Jahr vor seinem Tode. Als beliebter und erfolgreicher Erzähler des Idealismus bildete er eine eigene Stilform heraus, die zahlreiche Elemente bekannter literarischer Strömungen miteinander verband. Mit reicher Phantasie und einem Hang zum Skurrilen, Komischen und Grotesken, wandte er immer wieder das Thema der Diskrepanz zwischen Realität und Idealität ab, wobei oft die Handlung zugunsten der seelischen Durchleuchtung extremer Charaktere vernachlässigt wurde. Anfänglich rationalistischen Satiren folgten teils fragmentarische Bildungs- und Seelenromane und schließlich humorvoll-kleinbürgerliche Idyllen. Einige Titel aus Jean Pauls außerordentlich umfangreichem Werk sind „Schulmeisterlein Maria Wuz" (1790), „Die unsichtbare Loge" (1793), „Quintus Fixlein" (1796), „Blumen-, Frucht- und Dornenstücke" (1796), „Titan“ (1803) „Flegeljahre" (1804) und „Der Komet" (1822). Daneben verfasste er zahlreiche philosophische, religiöse, politische und soziale Schriften. Stellvertretend für seine Werke möge es genügen, auf seinen Roman „Blumen-, Frucht- und Dornenstücke oder Ehestand, Tod und Hochzeit des armen Advokaten F. St. Siebenkäs im Reichsmarktflecken Kuhschnappel" einzugehen: Dieser humoristische Roman, er entstand 1795 - 1796, beschreibt den Kampf des aufstrebenden, ideal gerichteten Geistes mit dem Alltag. Wieder mit stark persönlichen Zügen ausgestattete, kuriose Geschichte von dem empfindsamen, träumerischen, genialischen Advokaten und Schriftsteller, der sich tot melden und scheinbar begraben lässt, um von seiner guten, aber hausbackenen Frau Lenette loszukommen. Unter dem Namen seines ihm sehr ähnlichen Freundes Leibgeber heiratet er dann die geistreiche Engländerin Natalie. 1817 verlieh ihm die Heidelberger philosophische Fakultät die Ehrendoktorwürde. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt