XXV. Stiftungsfest der Allmutter Praga 1884

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Silberjubiläum der Allmutter und II. Allschlaraffisches Concil

Volltext

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Aufnahmedaten in die verschiedenen Stände samt Aembtern und ViTürdcn)
hat. Leider, leider ist diese Kostbarkeit verloren gegangen
und deshalb nicht aut uns überkommen. Denn wie
nc1twendig wäre
für die neue Chronica. Der so unentwegte,
Forscher, Fürst
der Vindobona, müht sich seit langem trotz aller Schwierigkeiten
um eine Erstellung der
der Praga. Ein außerordentlich dank~
bares, aber schweres Beginnen, da es insbesondere für die ersten wichtigen
lahre der Fraga unmöglich sein wird, das nötige 1Y1aterial noch in Gänze
aufzufinden und zu verwerten.
In d~r vierten Lethemondsippung wurde das \Viederersdleinen der Hkt.
nach längerer
auf das stürmisdlste
Schon
darauf, am 1. Windmonds, konnte die Praga in gar
Weise
die ,,20jährige Stiftungsfeier"
Das Reych war fast vollzählig ver­
sammelt, "ein herrli~~er, wenn leider a1.'ch nur seltener Anblick". Bell1erkens~
wert war die Anwesenheit des R. "Bayard" (Dr. SChmeykal) als Ehrenritter.
Im Anschluß daran fand eine ganze Reihe von Festlidlkeit,~n und Feyern,
insbesondere auch Heroenfeyern, statt, wie die Funkefeyer, die Fiorestan- und
das Weihnachtsfest und Sylvester.
Die für "G r a f G 1 eie h e n" im Windmond angesetzte Ehrenfeier
aus Anlaß seines 2 0 jäh r i g e 11 S chI ara f f e TI j u b i
u
s mußte
wegen der Unabkömmlichkeit "Gleichens" auf den 3. des Eismonds ver­
schoben werden. Um so feierlicher und
sich die "Glei~
~~en-Feier" in Anwesenheit der
und Bruna. "Der
L.W!.!!<'U": der hohen Gäste, der
die
die feierlic.~e
mannigfacher
Gauen Allschlaraffias, die Festvorträge, ,Graf Gleichem'
Fest~ und
ein gClstiges
waren Momente der
erh~bendsten Art,
Denkmale für Schlaraffias Werth und ideales SChaffen".
Am 18. des Mondes fand mit einer "Trauersippung" auch eine "Todten­
feier" für den unvergeßlichen Oberschlaraffen"Tannhäuser" statt. Dabei
wurde einstimmig beschlossen,
in der Sylvestersippung, weil "Tann~
häuser" am 31. des Christmonds
"eine kurze Trauerceremonie
für die in Ahalla weilenden Freunde" abzuhalten, woraus der Brauch
d~r
" Aha 11 a f e y er" im Uhuversum entstanden ist.
VOll weIchem
Zusammengehörigkeits~ und TreuegdühJ die Praga b2­
sessen war, zeigt uns eine
Veranstaltung. "Zu GUllsten des hinter­
bliebenen Kindchens des R. "Hans Sachs" wurde zusammen mit dem Künsfer­
verein "Concordia" Verdis Requiem aufgeführt, wodurch
der namhafte
von 7765 Gulden als
und so für das Kind ausreichend gesorgt wurde". ­
Auf den "Rittersdl1ag" vom 3. Lenzmonds folgte der bemerkenswerte
"Burgfrauenabend " am 20. ds. ,"hs mit Gästen aus der Bruna, Linzia ~md
T eplitia. Die hohe Lipsia spendete" den "Ohohumpen U und
diesem werthvol1en Weihegeschenk das von ,Sarastro' gedichtete
,Grane'
Lipsia) componierte ,0 hol i e cl • ". Drasal
hiewegen zu einer mehr als übertriebenen Verherrlichung: "Dieser
-
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dient zum Friedenstrunk nach allen beigelegten Fehden und lvlißhelligkeiten
und ist ebenso berühmt, als der große Humpen zu Rothcnburg ob der Tau·
ber". Die hierin festgelegte Bestimmung des Ohohumpen dürfte ihre Ursach"
und Veranlassung gehabt haben in einer ausgebrodlen cn, 14
dauernden
Revolution im Reyche
Am 14. Hornung gesdmh das Unglaublicbe, daß die Junker und
unter Führung ihres Junkermstrs. R. "Kegeltodt" sich gegen die Rittersdu&
empörten. "Es
erst nach blutigem Kampfe, die
zu entwatlnel1.
Hart war das Strafgericht, welches über die Schuldigen erging, schwerer noch
die Folgen. Herr!. ,Raps' erklärte am 28. d. Mts. das Reych in Belagerungs­
zustand und lief gegen den bei der Empörung zumeist gravierten Oberhof­
zillkenmeister ,Polka' das ,Uhugericht' an, welches zwar den R. ,Polka' frei­
sprach. dagegen den Junkermeister zur ,"'.anJung der bedeutenden Gerichts­
kostcn verurteilte".-
Zur Gründung der Monac,lüa ist noch ein Interessantes zu erwähnen, das
daß es sich um eine
durm große Künstler handelte: D~r
von den Pegnitz-Rittern gelcommene
Richard Alexander (R. "Plato"
mit dem Burgzinken) berichtet: "Ähnlich wie in Nürnberg die
Pegnitz,
auch die Sdllaraffen, die damals nodl wenige
Die
war noch ganz jung. Die ,Urschlararren' (i
denen aum Ganghofer (R. ,Blondel mit der gesdlWollenen
Neuert, Dreher
,Wurstel der Torkler'), Bradd -
natürlid1 auch ,Plato'
selbst -
und
Maler gehörten, gaben dem Reydle von vornherein den
rid1tigen Charakter. Dazu hatte sich auch noch der ,Ehrensdlbraffe' R. ,Xall­
der! von der Gsd1fadi' (prof. Alexander Girardi)
Nicht direkt zur Geschimte Pragas gehörig, aber eng mit ihr zusammen­
hängend muß folgendes berimtet werden: Im Praga-Archiv zu Bern hat skI}
ein hochinteressantes "Gästebudl" vorgefunden, das von Dr. Ritter von Helly
(R. "Belladonna", Praga) für seine "Friedensburg"
und von der
Praga später weitergeführt wurde. Die "Friedensburg" war ein berühmtes
Weinlokal mit Bachuskeller, das den Schlaraffen kristallinisdl diente und
viel von hauptsämlim auswärtigen hochgestellten künstlerisdlen Persönlich­
keiten besudlt wurde. Als ersten Eintrag finden wir: 4. Jänner 879: Johannes
Brahms. Joseph Joamim, August
Bugo Neremer, Barnabas VVeiß, M.
Jakson, Ottilie Kubnisky, Amalie Freund, Minna geb. Sdlröter etc. etc.
De" älteren trug sich ein der
weitgerühmte Pian isr Alfred Grün­
feld (R. "Orpheus, der Tönebanner") mit Notenzeilen, dann der Komponist
Dvorak, der böhmische Dichter Jos. Willomitzer, Dr. August Bassermann.
der große Schauspieler und Theaterleiter (Mannheim, Karlsruhe etd.
ferner earl Schlesinger. Fritz Smröder, E1I1il Winkel mann, Albert Lanner.
Friedrich Bruch, Dr. Hansen (..Behare", v. d. grünen Insel) usw. usw. Weiter:
der Komponist des " Trompeters von Säkkingen" und de3 "Hexenliedes" von
Wildenbrum, Emil Kaiser, der als Kn. 47'der Bruna und nun im Gästebuch
als Ritter "SepperL der frohe Säkkinger", entdeckt wurde. "Graf Gleichen"
hat sich auch geiegentlim seiner Anwesenheit zu seinem 20jährigen Schlaraf­
fenjubiläum 1880 im Buche verewigt; ferner das berühmte "Kärtner Quintett"
-
PS
der k. k. Hofoper mit dem Komponisten und Dichter, Hofopernsänger etc.
Thomas Koschat, Joh. Bierbaum, earl Bruckner, Vincenz Kinsky und Ferd.
Graf und nicht zuletzt der Dichter Friedrich von Bodenstedt (Ritter "Mirza
Schaffy"). Köstlich, urfröhlich und weinselig sind die poetischen Einträge und
wirklich wert, daß einige davon wiedergegeben werden:
1880: Wer einmal in diesem Keller war,
um seinen Götterwein zu nippen:
der bliebe darin gern ein ganzes Jaltr
und länger, um mit dem Hospes zu sippen. -
Denn besser als er und sein köstlicher Wein
kann auf der ganzen Erde nichts sein!
G r a f G lei ehe n, prof. Albert Eilers
T rom pet e r von S ä k kin gen Schlußszene Akt II: folgen die
Noten! Dem lieben Freund Dr. Helly, Graf Belladonna, . . . von einem
schwangeren Komponisten.
Allmutter Praga 26.18.184. Ritter "S e p p eId e r fr 0 h e Sä k kin ger"
Emil Kaiser.
Das Lieben bringt groß' Freud', es wissen alle Leut'!
Mit Noten von Prof. Langer im Namen seiner Minna geb. Schröter. 83/84
I.
Heilapotkeke fürwakr seid Ikr Katakomben des Bachus,
als Medizin füllst Du, rkeil1ische Traube, das Glas;
liebliche Quelle der Lust,
0 Freude der Götter und Menschen!
Aknlichen Heilsaft braut nimmer die ärztliche Kunst.
Dir, 0 Krone des Weins, weicht Nektar, weicht der Salerner;
Dein Trank spendet dem Leib, spendet der Seele Gewinn!
II.
Nicht ein Jeglicher ist zum Dienste des Bachus geeignet,
nur den edleren Durst fördert in Gl1aden der Gott:
Hast Du Talent für Geschmack in Geist und Zunge, vom Besten
füllst Du sonder Gefakr dreifach und vierfach das Glas.
VOI1?
G äst e b u chI 8 7 9 : in vino veritas
Wenn der Kellervater Helly
diesem Buch gleich an der Schwelle
einen guten Reisepaß
gab: il1 vino veritas", ­
nun so will mim schier bedünken,
wakren Wein gibt' skier zu trinken:
nur wo Wakrkeit ist im Faß,
kerrscht in vino veritas.
-
170­
Dodl der Stoff tlwts nidtt alleine ;
sudtst die Wal1r11eit Du beim WeiHe,
sudt' sie audt in DeiHer Brust:
daHH erst trinkst Du watlre Lust.
Nur dem Guten siHd vergOHnen
guteH Wdues wal1re WonHeu;
ist der Mam! gut Imd das Naß,
wiukt in viHo veritas.
Trinkst als Soldler soldten WeiH Du

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band I, S. 188-195