Die Herrlichkeiten
Pasd1a und Graf Pollux haben sich unvergeßlichen
Ruhm erworben, weil sie dem Reyche jenes feste Fundament gaben, dem sein
stetes Wachsen zu verdanken war.
Nur selten freilich klang Kunde von dem Tun und Treiben der h. Sedina
an die Öffentlichkeit. Daß sie aber dem ungeachtet aufmerksamen Auges allen
wichtigen Ereignissen folgte, bezeugte sich darin, daß bei jeder Festlichkeit
der Schwesterreyche auch die Sedina mit warmem Herzen und aufrichtig
gemeinten Wünschen vertreten war. Sie beschränkte sich nicht nur auf den
schriftlichen Verkehr. Wenn irgend möglich, sattelten die Sassen ihre Rößlein
und sprengten hinaus in alle Windgegenden. Sie waren überall gern gesehene
Gäste, die man nur ungern scheiden sah.
So vergingen die Jahrungen. Das zehnjährige Stiftungsfest wurde in alt~
herkömmlicher Weise begangen, und die zahlreichen Beweise von Liebe und
Freundschaft, die bei dieser Gelegenheit dem Reyche zuteil wurden, sprechen
lauter als alle Worte für die herzliche Zuneigung, deren sich das Reych in
Allschlaraffia erfreute. Bei der großen Entfernung der nächsten Reyche ist es
zu verstehen, daß die Einritte in die Burg Nibelheim nicht den Umfang an~
nehmen konnten, wie dies zum Beispiel in den Reychen des Westens der Fall
war. Wer aber in die h. Sedina einritt, der konnte sicher sein, daß er mit
aufrichtiger Freundschaft empfangen und aufgenommen wurde. Daß diese
Freundschaft erwidert wurde, beweist die starke Teilnahme befreundeter Reyche
am 50. Stiftungsfest des Reyches, das im Windmond a. u. 71 (1930) zelebriert
wurde.
Am 31. des Lenzmonds a. u. 78 (1937) wurde zum letzten Male in der h.
Sedina gesippt. Dann löste sich das Reych auf. Tränenden Auges nahmen die
Sassen Abschied von der Burg Nibelheim, in der sie so viele Stunden fröhlich
sippten. Alle hofften, daß das Reych bald wieder erstehen würde. Leider ist
dieser Wunsch bis heute nicht in Erfüllung gegangen, aber die Hoffnung bleibt.
LULU SEDINAr
Nr. 23 A U G U S T A V I N D E 1 I C 0 RUM (Augsburg)
gegründet 26.10. a. U. 21 (1880)
1.
Elf Theatermitglieder und fünf ansässige Musenfreunde
waren die Erzschlaraffcn des erstehenden Reyches, unter
ihnen der liebenswürdige und redegewandte Kaufmann
Gg. Reinhard, der auch auf der Bühne des Stadttheaters
bei besonderen Gelegenheiten seine schauspielerische Be~
gabung bewies. Er war prädestiniert zum Schlaraffen und
wurde als der später weithin im Uhuversum bekannte
Graf Jörg, der LimW1Säi1ger. der begeisterte Gründer und
Erhalter des Reyches. Sein Herz gehörte Allschlaraffia.
in deren Reyche er einritt bis hinunter nach Konstanti~
nopel. Bis in seine letzten Lebensjahre fehlte er kaum in einer Sippung.
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Betreut von Mutter Monachia, besonders von ihrem berühmt gewordenen
Kantzelar R. Blol1del (prof. der bekannte Schriftsteller Ludwig Ganghofer)
erfolgte am 19. 1. a. u. 22 (1881) die Sanktionierung des Reyches durch
Allmutter Praga.
"Das jUl1ge Reych, 1'011 dessen Sassen lliemal1d das Wesen ScJ11araffias aus
eigel1er Al1sdtatitHlg hmmte, lwtte viele StUrme und
zu besteHen",
schreIbt die Chronika Allschlaraffias 1559 bis 1588. Sein Wachsen und Ge
deihen war trotzdem nicht aufzuhalten. Das bewies der Beitritt vieler hervor
ragender Sassen, das bewiesen die glänzenden Stiftungsfeste vom 10. bis zum
50. und nicht zuletzt die Zahl der Jahrungs-,~.1edaillen, die bis zur Zwangs
auflösung jährlich mehr als 20 betrug.
Augusta Vindelicorum blühte in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens
nicht im Verborgenen. Sie hielt Verbindung mit den jeweiligen Bürgermeistern,
sie setzte sich in großer öffentlicher Sippung zugunsten der Genossenschaft
deutscher Bühnenangehöriger ein und bedachte in großzügiger Weise wieder
holt der Armen der Stadt. Sie beteiligte sich an den Faschingszügen, deren
Organisator Jörg war, und an anderen großen öffentlichen Feierlichkeiten.
A. u. 25
erlebte die Augusta die Geburt ihrer Tochter"Ulma", zu
der auch heute wieder die besten freundschaftlichen Beziehungen bestehen.
Manche Wanderung mußte die "Cisa-Burg" erleben, am längsten war sie
im Hotel "Zum weißen Lamm" untergebracht (a. u. 36 [1895] bis 65 l1924j),
am kürzesten in der im Krieg völlig zerstörten eigenen Burg im
2.
Unzählige Ehrenhelme, auch der der Allmutter, zierten das
von
Vater Jörg, der sich nach 40-jähriger
in den Ruhestand zurück
zog a. u. 61 (1920). Damit trat die erste Zäsur in der Geschichte der Augusta
Vindelic:orum ein. Seine Nachfolger aber (Hkten. Plomb, Im~l1erredlt, Perikles,
Parepa, Überlaut, Waldvogel, Kramp!ls, Pil1zetterl) waren seiner
und
das Reych erhielt weiterhin Zuwachs an ausgezeichneten Kräften.
So konnte Augusta Vindelic:orum nach dem 1. Weltkrieg eine neue Blüte
erleben. Aber als das 50. Stiftungsfest a. u. 71 (1930) mit großem Glanz ab
rollte, wetterleuchtete schon der Geist der Unfreiheit und Intoleranz. Flucht
aus der Schlaraffia, Zwangsauflösung, Beschlagnahmen waren die
der
politischen Umwälzung und die uhufinstere Zeit vernichtete alles, was dem
echten und Allschlaraffia treu gebliebenen Sassen heilig gewesen.
3.
Bescheiden war der Wiederanfang des einst so stolzen und angesehenen
Reyches. Ein kleines Fähnlein der in Augsburg und Umgebung noch lebenden
Sassen war es, das im Herbst a. u. 87 (1946) sich bemühte, den Kontakt
untereinander und mit den Flüchtlingsschlaraffen herzustellen. Monatlich ein
mal fanden sie sich am Stammtisch einträchtig, aber zunächst recht
105, zusammen. Nachdem sich die politischen Schwierigkeiten gelockert hatten,
entschloß sich am 24. 12. a. u. 89 (1948) eine Anzahl ehemaliger Augusta
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Recken. ein neues Reych zu schaffen. Die Bildung des gesdläftsführenden
Ausschusses der Schlaraffiareyche Deutschlands und die Bemühungen des "Uhu
funken" unterstützten den Entschluß. So konnte von den besonders rührigen
R. Pil1zetter! (Dr. med.
Hessing) und Radscha (Erry Lantzius) zunäch;;t
die Gründungsversammlung des profanen Vereins "SchlaraffiaHeinberufen
werden und am 17. des Windmonds a. u. 89 (1948) in Anwesenheit zahl
reicher Gäste die eigentliche Neugriindungssippung als 1208. Sippung zelebriert
werden. Mußte auch auf manchen alten Sassen verzichtet werden. so war doch
ein guter Anfang gemacht. und als erste größere Veranstaltung ist aus der
Winterung a. u. 89/90 (1948/49) die 1. Ursippenfeyer zu erwähnen.
Allmählich konnten alle Sassen wieder im Schmucke eines Augusta-Helmes
erscheinen. die Burg erhielt manches aus den alten Beständen, die R. LOl11bard
gerettet hatte, und mit Beginn der Winterung a. u. 90/91 (1949/,0) wurde
wieder nach altem Brauch jede Woche gesippt. Der 1. Ritterschlag nach
17-jähriger Pause, das 1. Ordensfest und die 2. Verleihung der Ursippenorden
erinnerten wieder an die illustren Feste der Vergangenheit.
Mit dem Herbstmond a. u. 91 (19,0) begann die 70. Jahrung. Die 1250.
Sippung am 28. Lethemonds ward als 70. Stiftungsfest gar feyerlich celebriert.
Sie sollten den letzten Glanzpunkt im schlaraffischen Leben unseres Neu
grunders Hkt. Pil1zetter! bilden, denn bald danach fand sein verdienstvolles
Wirken ein frühzeitiges
am 15. des Ostermonds a. u. 92 (1951) ritt er,
erlöst von einem qualvollen Leiden und von allen tief betrauert in Al1alla ein.
4.
Erst hatten die Räume des profanen Cafe Schachameyer als
gedient, anschließend von a. u. 92 bis 95 die Gaststätte "Neue Welt".
Man konnte von einer schlaraffischen Invasion spred1en, als es am 10.
Wonnemonds a. u. 94 (1953) galt. die zahlreid1en Freunde. insbesondere die
.. 75 Aufrechten" willkommen zu heißen, die sid1 tags zuvor in der h. Ingoldia
zur Verleihung des Basta-Ordens eingefunden hatten, wobei aud1 unser R.
Aha (Axel Hundertmark) geehrt wurde. 31 Reyd1e, darunter 19 aus Austria,
füllten die Hallen der Festburg auf dem .. Hod1ablaß" am Rande des Stadt
waldes.
Als erste besondere Veranstaltung der Winterung a. u. 94i95 (1953/54)
muß jene zu Ehren der Sd1lafenden Reyd1e erwähnt werden, deren Sassen ein
gar grausames Sd1icksal erlitten hatten. Wenn nad1 der ambtlid1en Statistik
die Augusta Vindelicorum
Reyd1 ist, das den m
[… Fortsetzung im Originalband]