Lebensfreude, Frohmut und Humor

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Bedeutung von Humor und Lebensfreude

Volltext

Verfassung und Gesetz
Dem "Proletarier-Club" fehlte ein Fundament, ein fester Unterbau; er mußte
deshalb zerfallen. Schlaraffia schuf sich solches durch ihre weise Verfassung
und ihre Grund- und Hausgesetze. Wohl waren dieselben im Laufe der Jahre
verschiedenen Wandlungen und Ergänzungen unterworfen. Andererseits trennte
man sich von Bestimmungen und Einrichtungen, die nicht mehr in die Zeit des
inneren Fortschritts und Aufbaus taugten.
Aber am Fundamente selbst änderte sich nichts; es steht heute noch so
felsenfest wie vor 100 Jahren und hat alle Stürme und Erschütterungen sieghaft
überdauert, obwohl wiederholt auch von Aufrührern und Verblendeten im
eigenen Hause der Versuch gemacht wurde, daran zu rütteln. Die Klugheit und
Vernunft, die Weisheit und Kraft der führenden Männer waren die getreuen
Hüter und Wächter über "Spiegel und Ceremoniale", die trotz ihrer verschiede­
nen Abwandlungen uns Schlaraffen heute noch als "geheiligt" gelten. Die darin
festgelegte "Unfehlbarkeit" der Regierung, ein vermeintlich auf "Diktatur"
hinweisendes Dogma, und die dem Einzelnen als Persönlichkeit und den einzel­
nen Reychen garantierte völlige Freiheit, scheinen im schroffen Widerspruch
miteinander zu stehen. Und doch hat sich diese Regelung in wunderbarer Weise
als die beste demokratische Regierungsform erwiesen.
Hkt. Lu s t i cu s, Nordhusia, (Rektor Schondorf) legte dies trefflich dar:
"Die Allsc11laraffia ist ein großer OrganisHlus. In demselben Hat jedes Reyc11
in geistiger und materieller Hinsic11t das Seinige zu leisten, um das Ganze
geordnet und lebenshräftig zu erHalten. DesHalb wird den einzelnen Reyc11en
auc11 in weitestem Maße BewegungsfreiHeit gelassen. IHre freie Selbstbestim­
mung ist sogar die erste Voraussetzung für den Fortbestand und die weitere
Entwicklung der Allsc11laraffia. Wollte man die Reyc11e nac11 den Grundsätzen
einer Zwangsgemeinsc11aft zusammenHalten, so verstieße man gegen das in der
Sc11laraffia Herrsc11ende Prinzip der freiwilligen Vergesellsc11aftung und würde
seHr bald die sc11wersten inneren und äußeren Kämpfe auslösen. Nic11ts ent­
spric11t dem sc11laraffisdlen Geiste weniger als die Vergewaltigung der persön­
lic11en Eigenart und zwangsweise Belastung des Gewissens. Wie das Reyc11 den
Einzelnen nic11t Hindert, seine besonderen Gaben, mögen sie nun groß oder
'dein sein, frei und ungeHindert zu entfalten, so Hemmt auc11 die Gesamtorgani­
sation die freie Entwicklung der Reyc11e nic11t. Sie können sozusagen Reyc11s­
persönlic11heiten bleiben. In Allsc11laraffia waltete von jeHer der Geist weitest­
geHender FreiHeit.
Daß aber diese FreiHeit nic11t Zügellosigkeit und Anarc11ie bedeuten hann,
liegt sc110n in dem Worte "Organisation" ausgesproc11eH. Die VieIJleit der
Glieder wird Hur so lange Ordnung und Harmonie zeigen, als eine Höc11ste
Stelle vorHanden ist, die an selbstloser Hingabe und mit WeiSHeit das Ganze
leitet und zusammenHält. Dieser Mittelpunkt ist (war I) unsere Allmutter Praga.
-
316­
Sie bildet das Haupt ul1d das zel1trale Nervel1system des großel1 schlaraffischel1
Körpers, die allweise Mutter der großeH SchlaraffeHfamilie.
Alle Schlaraffel1reydte des Erdballes ordl1el1 sich il1 Eltrfurcht tmd kil1dlicher
Liebe der Allmutter Ul1ter. Iur. der Houel1. der Ul1vergleichlichel1, gilt das erste
ul1d letzte Lulu des großel1 Sdtlaraffel1volkes.
"W1U, der Mächt' ge,
sUirke .md kräft' ge,
sdtütz' ul1sere Meist'ril1
zu Ul1serm Gedeiu'11."
Eil1e l1atürlichere Regienmgsforl11 kal1l1 l1ie gefuHdel1 werdel1. del1l1 Praga
eruielt die Füunmg auf Grwtd uistorisch gerechtfertigter Houeitsrechte. Mit
iurer ruumreicheH Vergal1genlteit läßt sich ja doch die Geschichte keines al1deren
Reyd1es vergleichen. Schon die eiHfache, geschichtliche Tatsache, daß VOH Praga
aus der schlaraffische LebeHsstrom sidt iH die Welt vergoß, gibt lur eiHe gaHz
selbstverstäHdliche Autorität. Durcu die weise Verfammg ist auch die KOH­
tiHuität uHd KO/1sequeHz des schlaraffisdlefl Regimel1ts sicher gestellt. Al1derer­
seits dürfte aber dadurdt audt die Möglidtkeit beseitigt seilt, daß das RegiH1el1t
der Allmutter zum Absolutismus ItiHHeigeH /"öHHte. Der "Spiegel". der auch die
Mad1tvol1l~oHHtleHueit Pragas regelt, briHgt überdies gaHz ul1d gar del1 "Volks­
wille/1" zum Ausdruck. Die BestimmuHgeH des Spiegels siHd durch die uöchste
schlaraffisd1e IHstal1z, die COHcile, geschaffeH, ul1d iure Beschlüsse kölmel1 olme
Concilsbesdlluß Hidlt abgeändert werden."
Die letzte Fassung des schlaraffischen Gesetzbuches ist der sogenannte
"Posonium-Spiegel", beschlossen in der Notzeit 1938
U. 79) auf dem Concil
zu Posonium. Im Vorwort desselben heißt es:
"Die Tage des COHcils zu PosoHium (26.-28. WOHnemoHds) fallen iH die
Zeit, iH der das profaf1-politisd1e GeschelteH Mitteleuropas eiHem entscheideH­
den HöltepuHkt entgegenzHgeueH schieH. UHd wäure/1d die profaHe Welt uHd
iure Diplomatie eifrig nad1 einem Wege suchten, um aller Sd1wiedgkeiteH Herr
zu werden, versaltlmelteH sich zu POSOHiuY11 (Preßburg) die allschlaraffisdleM
Diplomaten
iure Legaten
um über das "ünftige Gesdtich lures VerbaHdes
zu eHtscheideH."
Zwei große Aufgabelt waren, wie Eb-O Hyp zusammeHfasse/1d iH seiHem
Schlußworte sagte, durch dieses Coneil zu lösen. Sie berul1te/l iH der Vorsorge
für die Erualtung der Allschlaraffia im allgemeiHeH uHd in der Vorsorge der
eiHzelne/1 Reyche (Allmutter Praga mit eil1geschlosseH!) im besonderen, Häm­
lich dort. wo das falsche Bild, das sich man die Kreise leider Hodl immer VOI1
Schlaraffia Hwdlen, dereH Weiterbesta11d gefäurdet. (Die deutscheH Truppen
ware/I ist Österreidl eil1lltarsdliert; die österreicltischeH Reyche uHd iure Burgea
wurdeH geschlossel1! Mall befUrdltete weiteres I)
Das COHci! sudlte das
Ziel durch Abäl1derung eil1erseits der Statuten
des Verbal1des Allschlaraffia, al1dererseits. der Bestimltllmgell des Spiegels zu
erreichea. IHwieweit dies gelul1geH ist, wird die Zul,unft leIlieH.
Zu
5 ul1d 6. Durch die zu diesen beideH Paragrap/len gefaßten Beschlüsse
wird die Füuruag der Geschäfte Allschlaraffias, die seit dem I. COHcil vom
317
Reydte Praga besorgt werden, eiHer 16gliedrigen Körpersdtaft, dem "AlIsdtla­
raffenrat" , übertragen,
Aus dieser seit del1J 1. CO/leil eil1sdtHeidendsten lil1derullg des Spiegels ergibt
sidt eine Reihe all derer, die darili besteueH, daß der Allsdtlaraffem'at alle jel1e
Aufsidttshmhtio/lel1 !md Aufgabelt übemiml11t, die bisuer dem "Allmutterrate"
zustal1dett. Ul1berüurt bleiben jeHe weltigel1 E/trel1vorredtte, die darm! eri/1Hern
solleH, daß der sdtlaraffisdte GedaHl~e VOll Praga aus in die Welt getragell
wurde. Gleidtzeitig mit dieser AufgabenversdtiebuHg wird die Selbstäl1digkeit
und da,Hit die Verantwortul1g der einzell1elt Reyclte vergrößct·t !md besmtders
betont. So siad sie il1 Hil1kul1ft Hur meur sidt selbst fUr den !ltltalt iurer all­
fälligeu Hausgesetze und der von iltl1eH versdtid~ten RUlldseudboten veraut­
wort/idt.
b! §§ 7 bis 14 (das COl1eil)." .. der Spiegel wird mit deH Statutel1 AII­
sdtlarafftas tu Eüt]daJlg gebradlt. Die ge/lauere K01l1tnis aller Eil1zellteiten des
neuel1 Spiegels werden sidt die Sasseil allerdiNgs l1ur aus dem gewissel111aften
StudiUl1J desse1bel1 versdtaffel1 1~öI1l1el1. Möglidterweise wel'del1 die so zal1l­
reidten Spiegeläl1derul1gen die 11lteltt/0l1ell der Legaten itl eil1em oder den!
anderel1 Falle l1idtt 50 präzise zum Ausdrud~ bringel1, daß dadurdt die Idaglose
praktisdte Hm1dl1abul1g aller dieser Neuenmgen gewährleistet würde. . .."
Wie gerechtfertigt diese Neuregelung war, sollte sich gar bald erweisen.
Schon 1939 (a. u. so) erfolgte die Besetzung der TsChechoslowakei; im Herbst
brach der zweite Weltenbrand aus. Damit war auch das Schicksal der Allmutter
Praga besiegelt. Die dann noch bestehen-bleibenden
Schlaraffenreyc.~e in
Amerika und Helvetica, die das Glück hatten, von den Kriegswirren mit ihren
katastrophalen Auswirkungen verschont zu bleiben, konnten als eigene Landes­
verbände unter dem Posonium-Spiegel weitersippcn, der dann auch von den
nach dem Kriege wiedererstehenden

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band I, S. 331-333