spiegel betrachten wollen. Hkt. Jup-iter (Chasalla) zeigt es uns auf: "... Wir
Schlaraffen neigeH bewullt UHd gem dazu. in unseren GedaI1J~eH. GefühleH "md
WorteH pathetisdl zu seiH; wir huldigeH deltl Uberschwallg, der Schöngeisterei.
der SchwiiYl11erei tmd lebel1 ansc11eineHd il1 höhereH Sphärel1. Aber doch nur
scheh1bar. hl Wahrheit siHd wir ebcHso schlichte Erdenbürger, wie (maere
auch! Wir haben uns Hur Ci;1 Eeservat geschaffen: wir l1abell uns eil1C Begei
sterurIg, cille Liebe zur Romantik bewahrt! EiHe Liebe, aie wir im CereHlol1iale
zu pflegen UMS bemül1el1 Ul1d VOI1 der wir l1icht abzuge/icn gewillt sind, trotz
des notwendigen BestrebeHs, uns deli Erfordernissel1 ehler veräl1derteH Zeit lind
Welt anzlipaSSel1. - -
Es ist keine überlebte, mittelalterliche Romantik im Sinne der Ritterbünde,
die wir pflegen! "Wir wolleH UI1S Hur die Tiefe des Gemüts bewahreH ul1a aie
E1HVfäl1glidlheit der HerUH für das Echte tmd Wahre ul1d darum Sd1önc iHJ
Lebel1, in der KUHst und im HHitlOT f" Beim Betreten der Burg sind die profanen
Namen, Titel und Berufsbezeichnungen abgetan; wir legen die Schlaraffen
rüstung an, vergeistigen uns vor dem Uhu und sind nur noch "SChlaraffen",
Gleiche unter Gleichen. Wer dies mit ehrlichem und gläubigem Herzen erlebt
und tut, der empfindet die ganze Glückseligkeit und das die Burg erfüllende
Fluidum unseres Brauchtums. Mag manChes darin einem noch nicht Ein
geweihten närrisch, lächerlich, albern, grotesk oder kindlich vorkommen (es
ging uns ja selbst so 1), so soll gesagt sein, daß wir ja wissentlich als "GroBe
Kinder" unser "schlaraffisches Spiel" spielen wollen. Alle auf uns lastende
SChwermut und Bedrückung des profanen Werkeltags sind von uns abgestreift
und wir lassen keinerlei Melancholie ob unserer Alltagsverhaftung in uns auf
kommen. Unser schlaraffisches Lebensgefühl in der Burg gleicht der fröhlichen
Ausgelassenheit von Kindern, die dem Kummer und dem Zwang der Schule
entwisCht sind t
Es kümmert uns nicht, was morgen alles in der Welt geschehe!l und pas
sieren wird, und das freut uns heimlich. Der offene Horizont, das ewige Blau
des schlaraffischen Himmels, ist für uns das Wesen, ja die wahrhafte Fülle des
e c h t e n Lebens.
Und in diesem Leben kann sich jeder frei und offen geben, so wie er Lust
und Liebe hat. wenn er nur die guten Sitten und Tugenden nicht verletzt. Doch
muß er sic.l-j ganz geben, nicht nur halb.
In Sang und :~lang muß das Dargebotene hannonieren. Die Fechsungen
(Vorträge), ob besinnliCh oder heiter, sollen erfreuen und von Herzen kommen
und zu Herzen
Sie sollen nicht durch Zwischenrufe gestört werden -
und -
ob Witz, ur
wüchsiger Humor. Satyre, Persiflage, Opposition oder Duell: Die Schwerthiebe
und die eleganten Florettstiche dürfen nicht wirklich verletzen und vennmden.
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So strahlt das Brauchtum eine freuderfüllte, erlesene Geselligkeit aus und
führt zur echten schlaraffischen Verbundenheit und darüber hinaus auch für
den Einzelnen als Gewinn zum freien Menschentum.
Arndt:
"Der Wille ist des Mel1sdw1 l1öd1ste Kraft!
Wer fest will. fest Imd uflverriickt dasselbe,
der spreflgt vom festel1 HittJmel das Gewölbe,
derH 111ilssel1 alle Geister sich vemeigel1
~md rufel1: KOI11I11 Lmd 11 i111 111 ! Du l1iml11st Deil1 EigeJ1 I"
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