Sempronia

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Reych Nr. 9 — Sempronia (Ödenburg (Ungarn)). Geschichte aus Band I der Allschlaraffischen Chronik.

Volltext

Koch) und Mac' Adam (Ph. Charon), erstand der Colonia, von Palas (E. Her­
manns) damals noch Jk. Erici1. gestattet, bereits a. u. 92 (1951) auf eigenem
Grund wieder eine stolze Veste, eine neue Rolandsburg.
Das 75jährige Bestehen konnte die Colonia a. u. 94 (1953) in gar festlicher
Weise mit zahlreidlen Freunden aus 58 Reychen begehen.
Die wechselvolle Geschichte der Colonia, die auch manche aus menschlicher
Unzulänglichkeit und Schwäche erwachsenen Krisen und innere Konflikte
verzeichnet, ist dennoch "nehmt alles nur in allem" die Chronica SOjähriger
schlaraffischer Freude und Freundschaft.
Nr. 9
SEM PRO N IA (Sepren, Ödenburg, Ungarn)
gegründet 30. 11. a. u. 19 (1878)
"Im Windmond 1578 war's, als Uhuhöchster seinem
Sohne Teci1.tl-Med1t/ dem Unwidersteulidml, welcher
dazumal am hiesigen Theater unter dem Namen Theo
Cassio als Operettentenor wirkte, die hochpreisliche
Idee einflößte: Im freudlos wüsten Ödenburg (veralteter
Name von Sopron) ein Schlaraffenreych zu gründen.
Allmutter Pragas wackerer Recke, unser unvergeßlicher
Tedlt1-Mecl1tl wuchs mit dieser seiner höheren Aufgabe
zum alles besiegenden Giganten, vor dessen geistiger
Gewalt und unermüdlicher Ausdauer die sich mächtig ihm entgegenstellenden
Hindernisse der Philisterei und führnehmben Ignoranz wie Spreu im Winde
zerstieben und in der denkwürdigen Nacht am 30. d. Windmonds 1578 vollzog
sich das epochale Ereignis, daß im profanen Ödenburg die Schlaraffia Sempronia
unter welterschütternden Lulurufen als fester Hort der hehren Kunstbegeiste­
rung, des erquickenden Humors und der edlen Männerfreundschaft -
als
zehntes dazumal bestandenes Reich (heute Nr. 9) und als (dritte) direkte
Tochter der Allmutter -
sanktioniert wurde." So berichtet die Chronik zum
50. Stiftungsfest.
Das Reych gedieh und blühte ~trotz der sich immer fühlbar machenden Hin~
dernisse, doch wenn es auch schwere Zeiten mitmachen mußte, konnte es sich
stets als treue Tochter Pragas bewähren, ja, konnte es im Laufe seines Wir~
keus sechs Töchter das Leben schenken: Emona, Budovicia, Pettovia, Neo~
stadia, Tataensis und Castellum Cornoviae. Außer diesen hat sie auch zwei
Ziehtöchter: Aquae Thermae und die Bonaerensis, sowie ein Enkelkind: die
Ferrostadia, deren Ziehmutter sie war.
Zum Ruhme des Reiches trugen außer dem Gründungsritter Teci1.tl-lvled1tl
bei.: Ritter Macl1tl1art der Brummbär (Graf Georg Szechenyi), der dem Reyche
ein
vermachte, kraft welchem der
immerwährend gesichert ist.
Er war der rührigste Reychsmarschall, unter dessen Leitung die herrlichsten
schlaraffischen Feste gefeiert wurden. Ritter Shopiceh der böl1misci1.e Mozart
Oaroslav Jungmann), Schöpfer des Liedes: Wie hÖI1I1t ici1. dein vergessen . ..
u. a. war Kanzler des Reiches.
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Den ersten Ritterschlag im Reiche vollzog Herrlichkeit IVEndelill VOll Höl­
lellstein das Tausendgülde/1nraut, Ur- und Erboberschlaraffe der Praga (Conrad
Hallenstein). Darüber schreibt der Chronist:
"Ick der idt Zeuge dieser weiJlevollell Nad1tung war, muß unumwulldeH
sagen, daß der EiHdruch, we/du die glänzende Inaugurationsrede S. Herr­
lidt/uit Höllellstein auf alle AHwesenden madtte, ein so mädttiger war, daß
über mal1dtel1 Graubart, ebenso 1vie über IHattd1 jugend{risdtes uHd mi:iI1Hlidtes
Gesid1t Trällen der Gefi!111sregul1g ßosseH, die hiHwieder VOH der Glut der
BegeisteruHg getrodmet wurdel1."
Herrlichkeit Höllel1stein stiftete den Votivorden für solche Ritter der Semp­
ronia. welche in Zeiten der schweren Not und harten Prüfung das Reich vom
Untergange retten.
Die eingangs erwähnten Hindernisse von profaner Seite brachten das Reich
öfter in schwere Situationen, so daß es des lviutes der begeisterten Sassen be­
durfte, das Reich vom Untergange zu retten. Der Höllensteinische Votivorden
wurde in all den Jahren 9 Rittern verliehen, die ihr eigenes Ich einsetzten,
um den Bestand der treuen Sempronia zu sichern.
Hauptsächlich waren es politische und chauvinistische Bestrebungen, denen
das Reich standhalten mußte, und erst, als dem Offizierskorps der Eintritt in
die Schlaraffia von Franz Josd 1. gestattet wurde (ein Verdienst der Herr­
lichkeit Comite des h. Reyches Vindobona) konnte das Reych glanzvoll
entwid<eln.
Bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges gab es nur eine herrliche Linie
des Aufstieges! Im Weltkrieg selbst litten die Sippungen unter dem Drud<e
der Ereignisse. Die Bärenburg am hohen Rappenstein (im Casinogebäude)
wurde für Sanitätszwed<e beschlagnahmt. Die
der Sassenschaft be­
schränkte sich auf die Unterstützung der Verwundeten und gesippt wurde in
der Heimburg des Ritters Narquis At1tinneipp.
Zum Ruhme des Reiches trugen die in Allschlaraffia wohlbekannten Herr­
lichkeiten Gutel1berg, Leporello und Minnehold bei. Die beiden Letztge­
nannten haben sich außerdem in unserem Liederbuche
mit dem Liede:
Allsdtlaraffia über alles (Nr. 15'1.).
Noch einem Sassen muß ein besonderes Ruhmesblatt in der Gesdlichte
Sempronias gewidmet werden: Dem Erbkantzler R. Ratatata VOI1 Fanfaria
(Otto Christofe Edler von Leuenfels), der über 40 Jahre das Ambt des Kantz­
lers vorbildlichster Weise führte und die freundschaftlichen Beziehungen
zur Allmutter und zu ganz Allschlaraffia festigte, außerdem aber im Reiche
selbst tonangebend war.
Die Folgen des ersten Weltkrieges wurden im Reiche immer spürbarer und
als der erste kommunistische Vorstoß das Land heimsuchte, war das Reych in
höchster Gefahr, aufgelöst und all seines Habs und Guts beraubt zu werden.
Der Chronist schreibt hierüber:
"Die Bäreflburg sollte zu eil1em Volnsl'1i1siHo umgestaltet werden. Das dies
nidtt gesdtal1 ist das Verdienst der Herrlidtl~eit Facheltanz, indel11 es ilm1 ge­
lang, die LeituHg der Ko,ml1une zu iiberzeugel1. daß die Leitmotive der Sdtla­
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rafra mit den iurigen übereinstil-}tmen: GleichUeit, BrUderlichl~eit, Verspotnmg
der Titel- und Ordenssucht, dabei Pflege der Kunst Imd Wissenschaft. UI1d
- weld1e Überraschung! -
Hach dem Sturz der KommuHe im Erntemond, (an­
del1 wir die Burg im alten Zustal1de, es fehlte Ilicht das Geringste, was wir
wieder der energischen Verteidig~tng unseres Styx (Rudolf Grandl, der über
40 Jahre diesen Dienst versah!) zu dallkel1 Uattell. Herrlichkeit Facke/tanz
wurde mit der Uöchsten AuszeidmHng, mit dem Votivorden lmd Styx mit der
Verdienstmedaille dehoriert." Ebo. FadultclI1z bewies u. a. authentisch, daß
die Schlaraffia ursprünglich den Namen "Proletarier-Verein" führte.
Die Sippungen bis zum 2. Weltkrieg konnten nicht mehr den hohen Glanz
erreichen. Der Abgang der Offiziere war deutlich fühlbar, der Nachwuchs
wurde zu folge der sich immer mehr zuspitzenden politischen Atmosphäre
weniger, die alte Garde wurde ahallareif und als schließlich das Casino­
gebäude endgültig "Volkseigentum" wurde, sahen sich die Sassen genötigt,
ihre Tätigkeit einzustellen, ohne aber eine Auflösung des Vereins anzumel­
den. Es wurde lediglich amtlich mitgeteilt, daß der Verein Schlaraffia Semp­
ronia bis auf Weiteres seine Zusammenkünfte sistiere, sdlon deshalb, um
sein für immerwährende Zeiten bestehendes
des Grafen Szechenyi (Burg­
miete) nicht zu verlieren.
So schlummert denn die treue Sempronia bis zur
da es ihr wieder
möglich sein wird aktiv am schlaraffischen Leben teilnehmen zu können.
Nr.10 AMSTELODAMIA (Amsterdam)
gegründet 9. 1. a. U. 20 (1879)
Die Amstelodamia, die dritte Tochter der h. Wratislawia,
v/Urde am 9. des Eismonds 1579 gegründet. Der Stifter des
Reyches war R. Blondel der Notenl<opf, der auch die Turi­
censis gründete, als OberschlaraHe gleichzeitig das Kantz­
lerambt führte, und es ausgezeichnet verstand, die Sassen
zu schulen und die Verbindung mit den Schwesterreychen
herzustellen. Schwere Stürme waren in der Gründungszeit
über das Reych dahingegangen und hatten an den Grund­
vesten gerüttelt, weil man bei der Aufnahme neuer Mit­
glieder wenig vorsichtig zu Werke ging. Schwer blieb aber der Stand der
Tapferen im Lande der Canäle.
Am 15. des Lenzmonds 1584 gründete die Amstelodamia die "Rotterdamia".
Ein Markstein in der Geschichte des Reyches, eine Bekun

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band I, S. 399-401