Nordhusia

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Reych Nr. 6 — Nordhusia (Nordhausen (Harz)). Geschichte aus Band I der Allschlaraffischen Chronik.

Volltext

Das Reych besaß einen Juliusturm, einen Reychskriegsschatz, der bei unvor­
hergesehenen Ereignissen die Mittel des Reyches schonen und eine Umlage
verhüten sollte, welche minder gut bemittelten Sassen bei Eintreibung, aber
auch bei Übergehung wehtun würde. Der Juliusturm wurde bei erfreulid1cm
Anlaß dem einzelnen Sassen gegenüber aktiv, und zahlte bei akutem Bedarf;
wohingegen das Reych mit Hilfskassen schlechte Erfahrungen gemacht hat.
Auch das berichtet schon Drasal, aber ,0 Jahre nach ihm wurde es noch so
gehandhabt. Er berichtet auch über die Zurückhaltung der Wratislawen beim
Einladen von Gästen, die die Behaglichkeit des Reyches behindern, und ent­
sprechend beim Feiern von Festen; nicht, daß man dies nicht vermocht hätte:
das ,0. Stiftungsfest im größten Saal der Provinz zeigte Geist, Pracht und
Regie in überwältigendem Maß; aber lieber war man unter sich, und so blieb
es durch die Jahrzehnte.
VI.
Der Chronist schließt, sein Raum ist überschritten. Er begrüßt die Ritter
Drasal und Naturalist der h. Praga, seine Vorgänger als Chronisten der
Wratislawia, auf ihrem Sitz in AhaIl, und er grüßt nach vorn, in die Zukunft,
an einen noch unbekannten Ritter-Chronisten der Wratislawia, mit dem
FatlStzitat "Wers Red1t hat .md Geduld, für den hommt auck die Zeit", und
mit dem Motto des alten Breslauer Kornverlages, das ein Schiff zeigt, in
einem Wogen ta I treibend, mit der Umschrift "Surgit surgentibus Imdis", es
steigt mit steigenden Wogen.
Lultl Wratislawia!
Nr. 6
N 0 R D H U S I A
(Nol'dhausen, Harz)
gegründet 27. 1. a. u. 18 (1877)
Den ersten Anstoß zur Gründung der Nordhusia gab
ein Ritter, dessen Name leider nicht bekannt ist. Er
kam von der alten Hammonia und nahm an einem Fest
des "Rüdigsdorfer Pusteklubs" im profanen Nordhausen
teil, wo er mit dem damaligen Feldprediger des Klubs,
Eduard Braeß, bekannt wurde und ihm von der Schla­
raffia erzählte. Braeß griff die Anregung zur Gründung
einer Sdllaraffia Nordhusia begeistert auf und betrieb
eifrig die Aufnahme seines Klubs in den sdl1araffischen
Bund. Hierbei wurde er von der h. Hammonia wirksam
unterstützt. In NI'. 24 der Zeyttul1gen erfolgte die ambtliche Gründungskund­
mad1Ung. Sie hat folgenden Wortla'Jt:
»Kundt Ultd zu wissel1, säl11btlickel1 Schlaraffel1i'eicken, daß wir, die
Obersdtlaraffel1 Pragas auf
Eil1gabe Ul1d Fürspmdtc
Unseres Viellieben El1kel-Reickes Ha1JW1OHia iH der
am 27. }a­
Huar 1577, UHsereu1 l026tel1 WlUtage, die GrÜl1duI1g des 11eueH Scklaraf·
"N 0 r d /1 Cl Ci 5 i a"
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feierlichst bewillkomlnrut und die Schlaraffia NordhauseH IH deli BUHd
All-Schlaraffia aufgenomf1w1 habeH.
Des WeUeren haben Wir Uns mit Zustimm~tHg Unseres Reidtes ltuld­
reid/st bewegel1 lassen, UHser vielliebes UreHkelkiHd Nordltausia Inft der
Uflserefl1 Reiche seit uHvordeaklichen ZeiteH eigeHthiimlidl ge11öreHdeH
Veste Kyffltäuser zu be1ehHel1 tmter Wahruag der EigeuthuHlsredlte des
Prager Reiches fiir ewige Zeiteil. Der Schlaraffia Nord/lauseH wird die
BewadHmg u. Vertheidigul1g dieser Veste aHvertraut, uHd ist ihr zu
dieseln Zwecke der Burgschliissel, so il1 tmserem Ardtive verrostete, über­
sendet wordeH.
Der jeweilig fUHgiereHde Oberschlaraffe des Reidtes NordhauseH
somit dCH Titel:
Burggraf vom Kyffhäuser!
Also gegebeH auf UHserer Burg Libalia.
Raps der Große, HaUHHersteiH, Sahmtala der Ramajade."
Mutterreych war die "alte" Hammonia. Nach ihrer Auflösung übernahm die
h. Lipsia die Mutterstelle. Erzschlaraffen waren die Ritter
der Gereuterte (Eduard Bräß sen.),
ScheHh VOll Vargula (H. Krumbein jun.)
HoheNsteiH (Julius Meyer)
Kradt voa Vurz/lehu (H. Krumbein sen.)
HermaHH der GesculiffeHe
Am 17. des Hornungs 1577 (1877) wurde eine festliche Sippung celebriert,
die man als Gründungsfeier ansehen kann und zu der ein gar stattliches Fähn­
lein der h. Lipsia einritt. Bei dieser Gelegenheit wurde der berühmte Hosen­
knopf-Ahne der Nordhusia gestiftet. Hiermit hatte es folgende Bewandtnis.
Auf dem Ritt gen Nordhusia stellten die Lipsia-Recken fest, daß sie es ver­
gessen hatten, dem jungen Reyche einen Ahnen zu stiften. Als Ersatz wurde
ein Groß bleiener Hosenknöpfe beschafft. Seitdem betrachtete es die Nordhusia
als ihre Ehrenpflicht, diesen Ahnen für alle Zeiten beizubehalten. Als die erste
Auflage vergriffen war, wurde ihm nur eine etwas verbesserte Ausstattung
gegeben.
Über die ersten Jahrungen des Reyches ist nicht viel bekannt, weil in der
uhu finsteren Zeit das gesamte wertvolle Archiv verloren
Trotz mancher
Mißhelligkeiten blühte es und zählte zur Zeit des 11.
elf Sassen und
drei Fahrende. A. u. 15'83 (1883) gründeten die Ritter AI1atvie Sd1UIl1furicU
die h.
und Paris L, Edler voa Lieberhiiltl1 di.e h. Lubeca. Das
Reych übernahm
lvtutterstelle dieser Colonien. DIe dritte Tochter.. die
h. Alta Ripa, wurde a. u. 15'84 (1884) von R. Othello der Gesdtwärzte ins
Leben gerufen.
Glückliche Jahrungen folgten, in denen "das Reych weiter blühte und inner­
lich erstarkte. So konnte es im Hornung a. u. 43 (1902) das 25. Stiftungsfest
in festlichem Rahmen feiern. Neben zahlreichen Sassen befreundeter Reyche
nahmen auch die beiden Bürgermeister der Stadt Nordhausen und andere
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illustre Gäste als Pilger an der Festsippung teil. Nach diesem Fest stieg die
Zahl der Sassen von Jahr zu Jahr und damit auch das geistige und künstlerische
Niveau der Sippungen. Einritte aus befreundeten Reychen verzeichnete die
Nordhusia fast an jedem Sippungstage, und immer waren alle Sassen bemüht,
den Gästen herzlich und offen entgegenzukommen, so daß diese sich auf der
Kyffhäuserburg heimisch fühlten und gern wiederkamen.
Die Burg an der Kutteltreppe wurde zu klein. Das Reych mußte sich nach
größeren Räumen umsehen. Nach langem Suchen wurde ein aussichtsreiches
Projekt gefunden. So kam das Reych a. u. 47 (1906) zu einer großen prächtigen
Burg mit einer geräumigen Vorburg inmitten der Stadt in der Töpfergasse 3.
Seine Gestaltung entsprach völlig der Würde der Nordhusia als eines der
ältesten Reyche des Uhuversums.
Am 17. des Hornungs a. u. 55 (1914) wurde die 1111. Sippung zu einer
großen Feier unter dem Motto "Nordhäuser Korn" gestaltet. Das Fest galt
gleichzeitig dem 37. Stiftungsfest des Reyches und der 16. kombinierten Sip­
pung der Thüringer Reyche. Eingeritten waren etwa 80 Sassen aus befreundeten
Reychen, zahlreiche profane Gäste aus der Stadt nahmen ebenfalls teil. Es war
das letzte große Fest vor der ersten Weltfehde, die die Entwicklung des Reyches
jäh unterbrach. Die Sippungen fielen aus. Die Sassen kamen jedoch in den vier
Winterungen an jedem Samstag zusammen, um den Zusammenhalt unterein­
ander und mit den Uhubrüdern im Felde nicht zu verlieren. Bis auf R. NickI,
der in Frankreich gefallen war, kehrten alle Sassen nach dem Kriege gesund
wieder heim.
So konnten a. u. 60/61 (191911920) die Sippungen wieder regelmäßig auf­
genommen werden. Neue Prüflinge meldeten sich, so daß die Sassenzahl
ständig stieg. Die höchste Sassenzahl erreichte die Nordhusia a. u. 63/64
(1922/1923) mit 62 Recken.
Einen glänzenden Verlauf nahm das 50. Stiftungsfest a. u. 68 (1927). Die
Beteiligung des Uhuversums an diesem Ehrentage des Reyches war groß.
Nahezu 200 Recken befreundeter Reyche ritten ein. Allmutter Praga war
durch Hkt. Ce!1tral und den VieledIen 1 X 1 vertreten. Die glanzvolle Fest­
sippung wurde am 19. des Hornungs zelebriert. Ihr schlossen sich am anderen
Tage eine Morgenfeier im Stadttheater und ein festliches Bankett in der Fest­
burg mit Tanzbeinschwingen an. Das waren Stunden, die allen Teilnehmern
für alle Zeiten in Erinnerung bleiben werden. Das Reych zähite in dieser
Jahrung :; 6 Sassen, wovon drei fahrend waren. Die Beziehungen zu den Nach­
barreychen waren herzlicher denn je.
A. u. 74 (1933) begann für Allschlaraffia eine sorgenvolle Zeit, von der
auch die Nordhusia nicht verschont wurde. Manche Sassen wurden vor schwer­
wiegende Entscheidungen gestellt. Die Sassenzahl ging zurück. Die Feier des
60. Stiftungsfestes, wozu die Einladungen bereits ergangen waren, mußte ab­
gesagt werden. Es sollte am 17. des Hornung

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band I, S. 391-395